
8. Mai 2025 Frank Albers
Update:
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Nach Deutschland sind nun Frankreich, Großbritannien und die Schweiz mit ihren ersten Einzelproben dran. Wieder berichtet Heidi vom EBU-Online-Team für uns aus der St. Jakobshalle. Offizielle Bilder werden morgen veröffentlicht.
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Frankreich
Es probt die Französin Louane – eine Ikone der französischen Musikszene, die vor zehn Jahren bei „The Voice“ mit ihrem kraftvollen Gesang und ihren emotionalen Balladen bekannt wurde. Das Lied erzählt die Reise eines Lebens: ein Kind, das zur Frau wurde, und eine Tochter, die zur Mutter wurde. Im offiziellen Video wird der schwebende Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart dadurch erzählt, dass Louane in ein Haus aus ihrer Kindheit blickt, um ihr jüngeres Ich zu sehen. Die Inszenierung in Basel geht jedoch eine andere, aber nicht weniger kraftvolle Richtung.
Und damit wir alle die Vision verstehen, haben wir einige Inszenierungsnotizen! Merci beaucoup an die französische Delegation. Sie beschreiben die Performance wie folgt:
„Auf der Bühne fällt der Sand – Korn für Korn, wie die Zeit in einer Sanduhr verrinnt. Es ist mehr als nur eine Performance. Es ist eine Erinnerung: Die Zeit vergeht schnell, und jeder Moment zählt.
‚Maman‘ handelt von Liebe, Verlust und der Kraft, weiterzumachen. Die Sanduhr wird zum Symbol des Lebens selbst – des Kreislaufs, der Dringlichkeit, der Schönheit des Jetzt. Durch den Schmerz hindurch vermittelt Louane eine klare Botschaft: Egal, was uns begegnet, wir können immer wieder aufstehen. Und während der Sand weiter fällt, müssen wir leben – in vollen Zügen.“
Ein paar Details: In der Mitte der Bühne befindet sich ein mit Sand bedeckter Kreis. Louane trägt das gesamte Lied im Scheinwerferlicht des Kreises vor, barfuß in einem langen schwarzen Spitzenkleid, während der Sand in einem stetigen Strom von der Decke über ihr herabregnet und auf eine Seite des Kreises fällt.
An einer Stelle kniet sie nieder und macht eine Stelle im Sand frei, die einen Spiegel freigibt, jede Bewegung ist präzise choreografiert, um jedem Trommelschlag und jeder Kameraeinstellung gerecht zu werden. Die Kameraführung von Louane durch die angestrahlten Sandkörner ist atemberaubend. Die Beleuchtung steigert sich mit den Streichern des Orchesters, und die Trommel beginnt wie ein Herzschlag durch den Boden zu hämmern, bis die Kamera für eine letzte Totale im Gegenlicht zurückfährt. Wieder einer dieser Auftritte, bei denen wir kurzzeitig das Atmen vergessen haben.
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Großbritannien
Als Nächstes ist Großbritannien mit seinem Gesangstrio Remember Monday an der Reihe. Die Gruppe besteht aus Lauren, Holly-Anne und Charlotte und ihre Melodien haben sie in den sozialen Medien zum Hit gemacht. Wir haben sie in der Vorpartysaison mehrmals mit „What The Hell Just Happened?“ auftreten sehen, und jetzt bringen sie ihre einzigartige Art von After-Party-Chaos auf die Bühne in Basel.
Und wir haben noch ein paar weitere Inszenierungsnotizen! So beschreibt die britische Delegation die Aufführung:
Es ist der Morgen nach der vergangenen Nacht. Wir präsentieren Remember Monday in einem Boudoir im Regency-Stil und lassen die Ereignisse des Vorabends Revue passieren. Mit dem ersten Refrain ziehen wir los, und mit einer stürmischen Bewegung schreiten die Mädchen den Laufsteg entlang und führen uns zurück in das Chaos des Vorabends.
Auf der Hauptbühne steht ein riesiger Kronleuchter, der vom Boden gestürzt ist. Er erinnert eindringlich an die chaotischen Ereignisse der vergangenen Nacht. Die Energie steigert sich, bevor die Bühne in Dunkelheit versinkt ? das Chaos hinter sich lassend. Die Lichter kehren zurück und die Mädchen tauchen für einen letzten, lieblichen Moment in der Sicherheit des Boudoirs auf.
Um also die Fragen zu beantworten, die ihr euch bestimmt stellen werdet: Der Kronleuchter ist vielleicht 2,5 bis 3 Meter hoch und mit Kerzen umrahmt. Er steht in der Mitte der Bühne, seitlich heruntergeklappt, und er blinkt und leuchtet während der Aufführung in verschiedenen Farben. Das Boudoir befindet sich auf einer Seite der Bühne – ein gepolsterter Bildschirm im Vintage-Stil mit einem zentralen Herzausschnitt.
Die Kostüme erinnern stark an die korsettierte Atmosphäre von Bridgerton und Moulin Rouge, die wir im offiziellen Video gesehen haben – Lauren in Hellblau, Holly-Anne in Pink und Charlotte in Gelb, mit vielen Volants und Glitzer. Die wirklich clevere Kameraführung verstärkt die chaotische Partystimmung – eine schwungvolle Aufnahme über den Kronleuchter und einige schöne Overhead-Aufnahmen des LED-Bodens. Es gibt auch eine sehr süße Schlusseinstellung, in der sie die Schlusstöne durch das Herz auf dem Boudoir-Bildschirm singen.
Der dreistimmige Harmoniegesang lässt die St. Jakobshalle zum Beben bringen, aber es gibt auch eine wirklich starke Verbindung zwischen den drei Sängerinnen – irgendwann fangen sie alle beim Singen an zu lachen, und es fühlt sich sehr warm und natürlich an. Ihre Bühnenerfahrung im West End ist deutlich zu spüren, aber sie sind auch beste Freundinnen, und das merkt man auch. Das Ganze macht einfach riesigen Spaß, im besten Sinne.
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Schweiz
Nun ist es Zeit für Gastgeber Schweiz: Zoë Më nimmt uns mit auf eine melodische Reise. Zoë wurde in Basel geboren, daher ist dies eine echte Heimkehr – „Voyage“ wird auf Französisch gesungen, doch Zoë ist dafür bekannt, sowohl auf Französisch als auch auf Deutsch zu singen und dabei poetischen Pop mit traditionellem Chanson zu verbinden. Wir haben weitere Inszenierungsnotizen erhalten! Diesmal vom Schweizer Kreativdirektor Theo Adams, der diesen gesamten Abschnitt im Wesentlichen mit spektakulären Details für uns geschrieben hat. So beschreibt er die Performance der Schweizerin:
„Die Schweizerin Zoë Më präsentiert ‚Voyage‘ als einen dreiminütigen, ununterbrochenen Moment filmischer Intimität. Die Performance entfaltet sich in einer einzigen, ununterbrochenen Handkamera-Aufnahme – ohne Schnitte, ohne Tänzer, ohne Choreografie, ohne Bühnenbild, ohne Requisiten, ohne LED-Bildschirminhalte und ohne Feuerwerk. Sie konzentriert sich ganz auf Zoës Präsenz und entfaltet sich in einer ruhigen, konzentrierten Welt, die auf emotionalen Details aufbaut.“
Das Bild ist weich und ausdrucksstark und wurde mit einer Vollformat-Kinokamera aufgenommen. Die Aufnahmen erfolgten mit denselben Zeiss Super Speed-Objektiven aus den 1970er-Jahren, die auch für Filme wie Taxi Driver und Wie ein wilder Stier verwendet wurden. Diese Objektive erzeugen schillernde Lichter, zarte Lichtreflexe und eine geringe Tiefenschärfe, die Zoë sanft im Bild isoliert. Sie beginnt sitzend, umgeben von unendlichem, schwarzem und skulpturalem Licht, das der Performance den Eindruck eines Gemäldes von Caravaggio verleiht.
Sie trägt ein schulterfreies schwarzes Seidenkleid von Rowanne Studio, bedruckt mit abstrakten Blumenmustern in tiefem Rot, Lila und Blau. Die Kamera bewegt sich dicht um sie herum und fängt den Wechsel zwischen Verbundenheit und Introspektion ohne Unterbrechung ein. Vollständig von Hand gesteuert, vermittelt sie eine natürliche, atmende Qualität, die in Echtzeit auf Zoës Energie und Präsenz reagiert. Das Ergebnis ist ein kontinuierlicher Fluss stiller, detaillierter Beobachtung. Intim, unmittelbar und ungefiltert.
An der Brücke bricht die Atmosphäre auf. Rauch, Wind und grelle, überbelichtete Blitze unterbrechen die Stille. Doch die Kamera bricht nie ab. Sie schwenkt, kreist und reagiert auf den Bruch mit einem gefühlvollen Gefühl der Bewegung, während sie Zoë stets treu bleibt. Als die Intensität nachlässt, kommt das Publikum langsam in Sicht, dessen Handylichter wie Sterne um Zoë leuchten, bevor sich alles wieder in das unendliche Schwarz zurücklöst, in dem es begann.
Voyage ist eine Performance, die auf Zurückhaltung und filmischer Präzision basiert. Es nutzt die Größe der Eurovision-Bühne auf eine andere Art und lenkt die gesamte Aufmerksamkeit auf Zoë und die Emotionen, die sie in jedem Bild zum Ausdruck bringt. Nichts lenkt ab. Nichts unterbricht. Nur eine Stimme, eine Präsenz und ein Moment, der sich zutiefst persönlich anfühlt.
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Nach einer Pause gehts heute Abend weiter mit den Einzelproben von Italien und Spanien