Interview mit Blas Canto (Spanien): Mans Zelmerloew hat einen ESC-Song fuer mich geschrieben

22. Mai 2021 Marc Gehring

Das spanische Finale von „Destinacion Eurovision“ fand am 20. Februar 2021. Ziel war es einen Nachfolgesong für „Universo“ zu finden, mit dem Blas Canto im Vorjahr hätte antreten sollen. Die Ballade „Voy a querdarme“ machte mit 58% der Rennen. Blas Canto tritt im Grand Final auf Startplatz 13 mit diesem Song für Spanien an. Wir trafen Blas per Skype zum Interview.

Herzlichen Glückwunsch Blas, dafür dass du Spanien beim ESC vertreten darfst. Wie geht es dir mir dieser verantwortungsvollen Aufgabe?

Blas Canto: Ich habe schon als kleiner junge mit meiner Oma zusammen vor dem Fernseher gesessen und den Song Contest geschaut. Damals habe ich mir vorgenommen, wenn ich groß bin, einmal für Spanien singen zu wollen. Es ist so ein erfüllendes Gefühl nun zu erleben, dass Träume wirklich wahr werden können.

Allerdings musstest Du ja ein Jahr länger warten als geplant. Wie erging es dir, als du von der Absage des ESC 2020 erfahren hast?

Als es mit Corona losging hatte ich gleich ein komisches Bauchgefühl bezüglich meiner Teilnahme. Ich hatte schon befürchtet, dass mein Traum komplett zerplatzen könnte. Die Absage des ESC 2020 erreichte mich dann auch mitten im Videodreh für meinen Song „Universo“. Meine erste Reaktion war, dass ich dachte, Mist, mein Bauchgefühl war richtig.

Wie hast du erfahren, dass du auch 2021 für Spanien antreten darfst?

Das ging relativ schnell und ich habe natürlich keine Sekunde gezögert und sofort zugesagt. Dann begann die lange Reise einen geeigneten Nachfolgesong zu finden.

Wie schwer war es gute Songs für dich zu finden? Hast du auch Angebote von internationalen Songwritern bekommen, die du abgelehnt hast und die jetzt für ein anderes Land beim ESC in Rotterdam antreten?

Ja, genau das ist passiert. Aber es gibt auch einen großartigen Song, den der ESC-Sieger Mans Zelmerlöw für mich geschrieben hat. Aber der Song passte leider nicht zu meiner aktuellen Lebenssituation und Gefühlslage. Ich spürte, dass das nicht der richtige Zeitpunkt ist. Selbst beim zweiten Song „Memoria“, den ich bei „Destino Eurovision“ gesungen habe, ist es mir schwer gefallen, das zu performen. Um ehrlich zu sein –  ich habe nachts vor dem Finale gebetet, dass „Voy a quedarme“ gewinnt.

„Voy a quedarme“ (=Ich werde bleiben) ist ein sehr persönlicher Song für dich. Du hast ihn für deine Großmutter geschrieben.

Um ehrlich zu sein, muss ich fast weinen, wenn ich darüber erzähle. Wenn ich auf der Bühne stehe und den Song singe, geht es mir genauso. Meine Oma ist immer meine wichtigste Bezugsperson gewesen. Die letzten Monate waren ein Alptraum für mich, denn meine Oma erkrankte an Covid und musste in die Klinik.

Ich erinnere mich als wäre es gestern, als das Telefon klingelte und meine Mutter das Gespräch annahm. Es war der Arzt aus der Klinik und er sagte, meine Oma benötigt dringend ein Beatmungsgerät, aber die Klinik hat kein Gerät mehr verfügbar.

Das wollte ich nicht wahrhaben. Ich musste etwas tun und für meine Oma da sein. Daher habe ich dann noch versucht, einen anderen Arzt zu überreden, dass meine Oma doch noch ein Beatmungsgerät bekommt. Leider ist sie dann aber gestorben.

Aber ich habe aus diesem Schmerz und dieser Emotion heraus dann den Song „Voy a quedarme“(=Ich werde bleiben/Ich werde für dich da sein) geschrieben. In diesem Lied ist meine Oma immer bei mir.

Das kostet dich sicher viel Kraft darüber zu reden.

Es gab Stimmen, die haben mir geraten. Geh auf die Bühne in Rotterdam und sing einfach deinen Song und erzähle niemand den wahren Hintergrund. Ich spürte aber in mir, dass ich über meine Gefühle und die Botschaft des Songs reden muss. Wie kann ich sonst den Song in der Ahoy-Arena echt und authentisch singen?

Hast Du auch überlegt, gerade weil die Botschaft so intensiv ist, deinen Song beim ESC auf Englisch zu singen?

Ich liebe englische Musik. Freddie Mercury, Celine Dion und Maroon 5 haben mich geprägt und mit meiner Boyband habe ich damals auch auf Englisch gesungen. Der Song wird daher auch auf Englisch veröffentlicht, aber seit meiner Solokarriere singe ich auf Spanisch. Ich vertrete Spanien und möchte daher auch beim ESC in Landessprache singen. Außerdem wird der ESC weltweit geschaut, auch in Lateinamerika. Mein Beitrag ist der einzige spanischsprachige Song im Wettbewerb und daher habe ich ein Alleinstellungsmerkmal.

Australien nimmt seit 2015 am ESC teil. Was hälst du von der Idee, auch lateinamerikanische Länder zum ESC einzuladen  (z. B. Mexiko, Venezuela, Argentinien, Chile usw.)?

Ein Songcontest-Ableger in den USA steht in den Startlöchern und Australien ist ja auch beim ESC dabei. Warum also nicht in Richtung eines Worldvision Song Contest gehen? Ich liebe z.B. die mexikanische Musik und denke Mexico würde sehr gut zum ESC passen – insbesondere, weil sich die Latino-Musik von der europäischen Musik sehr unterscheidet und das den ESC bunter machen würde.

Wie verbringst du die Tage in Rotterdam?

(Blas fängt an den Song „Alone“ von Heart zu singen)
I hear the ticking of the clock
I’m lying here the room’s pitch dark
I wonder where you are tonight
but I will spend my week at home – ALONE

Es gab Angebote für ein paar kleinere Auftritte, aber ich fühle mich verantwortlich für die Sicherheit meines Teams, daher bleiben wir im Hotel.

Welche Pläne hast du für die Zeit nach dem Eurovision Song Contest?

Natürlich wird es neue Musik geben. Außerdem werde ich mit  Vanessa Martin bei „The Voice of Spain“ dabei sein. Darauf freue ich mich schon sehr. Außerdem bin ich bei „The Voice Kids“ dabei. Ich liebe es mit Kindern zusammen zu sein und ihnen zu helfen ihre Träume zu verwirklichen.

Lieber Blas, muchas gracias für das Interview. Wir wünschen dir viel Glück und Erfolg im Grand Final. Hast du zum Abschluss noch eine Nachricht für deine Fans?

Musik enthält Botschaften und erzählt Geschichten und macht Gefühle erlebbar. Lasst uns beim ESC zusammen feiern und Spaß haben und gemeinsam die Welt ein bisschen besser machen.

Spanien: Blas Canto – Interview (Foto Steven Bernhard)

Die OGAE-Teamwertung fuer das Finale

22. Mai 2021 Frank Albers
Die ganz subjektive und persönliche Wertung der 11 OGAE-Rotterdam-Teammitglieder (vor Ort und online) ergibt folgendes Gesamtergebnis:
1. Frankreich 100
2. Portugal 75
3. Schweiz 67
4. Bulgarien 57
     Malta 57 (gleiche Anzahl Einzelwertungen)
6. Litauen 43
7. Island 40
8. Norwegen 31 (höhere Anzahl Einzelwertungen)
9. Ukraine 31
10. Niederlande 23 (höhere Anzahl Einzelwertungen)
11. Belgien 23 (höhere Anzahl Einzelwertungen)
12. San Marino 23
13. Russland 20
14. Italien 16
15. Deutschland 7
16. Griechenland 6
17. Schweden 5
18. Moldau 4
19. Großbritannien 3
20. Zypern 2
21. Israel 1
      Spanien 1
23. Albanien 0
      Finnland 0
      Serbien 0
      Aserbaidschan 0

Goedemorgen zum großen Finale

22. Mai 2021 Frank Albers

Es ist der Tag der Tage. Nach zwei Jahren fallen Weihnachten, Geburtstag und Ostern endlich wieder auf einen Tag. Es ist Finaltag des Eurovision Song Contest.
Auch wenn die Umstände die großen Partys noch nicht wieder erlauben, ist die Begeisterung auch in kleinen Homepartys sicher nicht weniger intensiv.
Wir wünschen Euch einen wundervollen und spannenden Finalabend, egal wo und mit wem Ihr ihn begehen werdet.

Jetzt schon mal den italienischen Rotwein dekantieren oder das norwegische Wasser kaltstellen, den holländischen Käseigel präparieren oder das französische Hähnchen in den Ofen schieben. Oder gibt es maltesische Meeresfrüchte bei Euch oder gar Schweizer Fondue? Oder…

Schickt uns gerne ein paar Fotos, wie und womit Ihr diesen großen Abend begehen werdet.

Habt ein tolles Fest,

Euer OGAE-Team

 

Foto: Frank Albers

Die deutsche Jury

22. Mai 2021 Frank Albers
Am Feitagabend wurden die Namen der deutschen ESC-Jury 2021 bekannt gegeben:
Janin Ullmann, Moderatorin
Ivy Quainoo, Sängerin
Matthias Arfmann, Produzent
Uwe Kanthak, Musikmanager
Constantin Zöller, Radiomoderator
Die Jury hat berets im 1. Halbfinale mit abgestimmt und wird dies auch im Finale am Samstagabend tun.
Fotos: NDR

Franks Nachtgedanken zum 13. Probentag, Erste Generaleprobe Finale

21. Mai 2021 Frank Albers
Franks Nachtgedanken zum 13. Probentag, Erste Generalprobe Finale
Kamera und Schnitt: Reinhard Ehret

LIVE-BLOG zum Nachlesen: Das Juryfinale des ESC 2021

21. Mai 2021 Marc Gehring

Goedenavond zum LIVE-BLOG des Juryfinales bei OGAE Germany.

Es ist spannend wie nie vor dem Juryfinale! Wie schlagen sich die Top-Favoriten Italien, Frankreich und Malta?  Ein halbes Dutzend Länder haben noch Siegchancen beim ESC 2021 und bei den Wettbüros gibt es ein munteres Bäumchen-wechsle-dich. Als sogenannte Dark Horses mausern sich zudem Go_A aus der Ukraine und The Black Mamba aus Portugal. Wie schlägt sich Jendrik auf Startplatz 15 eingekeilt zwischen dem Zucker-Pop aus Moldau und dem kernigen Mittelfinger-Rock aus Finnland?

Wir möchten für euch die Ereignisse und den Ablauf der Juryfinales live bloggen, das heißt dieser Beitrag wird laufend aktualisiert. LIVE mitlesen funktioniert ganz einfach, ihr müsst nur den Beitrag ebenfalls regelmäßig aktualisieren.

Wie läuft heute Abend das ESC Jury-Voting ab? Die nationalen Jurys vergeben die Hälfte aller Punkte beim ESC. Dafür treffen sich die Jury-Mitglieder eines Landes und schauen heute Abend gemeinsam das Juryfinale an. Jedes Jury-Mitglied erstellt daraufhin, basierend auf Stimme, Komposition und Originalität des Liedes, eine Rangliste. Dabei soll dies jeder unabhängig von den anderen tun. Sobald alle Listen fertiggestellt sind, werden sie von der EBU überprüft und in Punkte umgerechnet. Die Jurys bestimmen also heute Abend schon zu 50% mit, wer im Grand Final als ESC-Sieger gekürt wird.

Wie läuft unser OGAE Live-Blog Voting ab? Marc, Simon und Stefan werden in die Rolle von Jury-Mitgliedern schlüpfen. Dabei werden wir versuchen die einzelnen Songs aus Jury-Sicht bewerten, also ein besonderes Augenmerk auf Stimme, Komposition und Originalität werfen. Pro Song vergeben wir 1 – 12 Punkte.

Da das Juryfinale nicht live im TV oder Internet für alle frei zugänglich übertragen wird, habt ihr so die Möglichkeit per Live-Blog dabei zu sein oder die Geschehnisse dann in den Folgetagen nachzulesen. Da wir live und mit hoher Geschwindigkeit bloggen, bitten wir euch, kleine Rechtschreibfehler zu verzeihen.

Beginnen wird Marc mit dem Opening Act, ab Startnummer 10 übernimmt Simon und Stefan wird ab Startnummer 21 bloggen. Viel Spaß!

Nach dem Te Deum, der Eurovisionsfanfare, sehen wir Duncan Laurence sowie einen Oranje Bus auf dem Weg nach Rotterdam. Die Reise führt durch verschiedene Hauptstädte Europas und mündet in die Ahoy Arena.

Der Einmarsch der 26 Finalländer erfolgt diesmal mit musikalischer Untermalung der DJs Pieter Gabriel & Eric van Tijn. Auf die Ohren gibt es den Remix des Welthits „Venus“ der niederländischen Band Shocking Blue, die damit 1969 Platz 2 in den Niederlanden, Deutschland und Österreich belegten. In den USA und er Schweiz reichte es sogar für Platz 1.

Das geht diesmal Ruck-Zuck. Die Moderatoren Edsilia Rombley, Chantal Janzen und Jan Smit singen phasenweise bei „Venus“ sogar selbst mit. Dazu gibt es tolle Laser-Flaggen-Effekte von der Bühne in die Arena hinein.

Das Moderatorenquartett ist neu eingekleidet, das heißt Edsilia (blau), Chantal (gold) und Nikkie (pink) tragen eine neue elegante Abendgarderobe; Jan Smit wieder einen dunklen Anzug.

Nach etwa 10 Minuten geht es dann sogar schon los: Let the Grand Final of the Eurovision Song Contest begin! Die ersten 6 Startnummern sind geballte Frauen-Power. Seit 1999 in Jerusalem (7 Frauen) hat es das nicht mehr beim ESC gegeben.

Startnummer 1 ZYPERN: Elena Tsagrinou – El Diablo

Als Opener hat man ein Charts- und Mainstream-kompatible Nummer gewählt. „El Diablo“ klingt wie ein Track von Lady Gaga zu ihren besten Zeiten. Angeblich war der Beitrag sogar im deutschen Auswahl-Prozess, wurde aber aussortiert. Oxa, die bei The Voice of Germany für Furore gesorgt hatte, hat den Beitrag mitgeschrieben. Elena Tsagrinou wandelt mit dem Euroclub-Hit „El Diablo“ auf den Spuren von Eleni Foureira oder Tamta und zeigt uns unglaublich akrobatische Posen und singt dabei noch relativ gut. Sehr schön sind auch die integrierten Spiegeleffekte. Trotzdem ist das eher ein Song für das Televoting.

Punkte 16/36 (Marc 6 +Simon 4 +Stefan 6)

Startnummer 2 ALBANIEN: Anxhela Peristeri – Karma

Auf dem sogenannten Todesslot werden häufig von der Produktion die Beiträge gesetzt, die man auf den hinteren Rängen erwartet oder die sich vermutlich nur knapp für das Finale qualifiziert haben. Anxhela singt ihre eindrucksvolle Power-Ballade „Karma“ in Landessprache, dazu gibt es viel Rauch und Nebel. Die Windmaschine ist auf Carola-Stärke justiert. Wie so viele Sängerinnen hat auch sie sich beim ESC 2021 für ein silbernes Glitzerkleidchen entschieden.

Punkte 19/36 (Marc 6 +Simon 7 +Stefan 6)

Startnummer 3 ISRAEL: Eden Alene – Set Me Free

In den letzten Tagen gab es ja viele traurige Nachrichten aus Israel. Unvorstellbar bei diesen Bildern, dass wir vor zwei Jahren dort noch einen unbeschwerten und schönen ESC in Tel Aviv feiern konnten. Nun aber zu Eden Alene, die im weißen kurzen Kleidchen startet. Aber kein ESC ohne Custume Change und so überrascht Eden mit einen extrem engen schwarzen Body. Das Highlight ist aber ihre Frisur, eine Art Geweih-Kranz, die jeglichen Tanzbewegungen Stand hält – Dank Drei-Wetter-Taft! Die schmissige Tanznummer ist aber vermutlich eher etwas für das Televoting als für die Jurys.

Punkte 16/36 (Marc 5 +Simon 5 +Stefan 6)

Startnummer 4 BELGIEN: Hooverphonic – The Wrong Place

Die Überraschung aus dem ersten Halbfinale. „The Wrong Place“ klingt wie eine schöne chillige Filmmusik. Das ist zwar zum Anschauen etwas fad, aber zum Anhören ist das wunderschön. Sängerin Geike bringt nichts aus der Ruhe und trifft die Töne perfekt. Wäre der Song vielleicht sogar was für den nächsten Bond-Film?

Punkte 21/36 (Marc 6 +Simon 7 +Stefan 8)

Startnummer 5 RUSSLAND: Manizha – Russian Woman

Das fahrbare Riesen-Matroschka-Gewand zu Beginn ist ein Knaller. Als Manizha das Gewand aufklappt hüpft sie fröhlich im roten Jumpsuit heraus. Hinweis: Der Jumpsuit ist von ihrer Mama genäht und stammt nicht aus dem Fundus von Hella von Sinnen. Der ganze russische Beitrag ist sehr stimmig inszeniert und Thema Female Empowerment ist wie ein roter Faden erkennbar. Zum Finale des Songs sehen wir eine Videowand mit hunderten russischen Frauen, die „Russian Woman“ singen. Den fulminanten Schlusspunkt setzt Manizha mit ihrer Schlusspose: sie reckt die Faust nach oben und ruft „Are you ready for change – because we are the change“.

Punkte 22/36 (Marc 8 +Simon 8 +Stefan 6)

Startnummer 6 MALTA: Destiny – Je Me Casse

Nun der Topfavorit aus der Zeit bevor die Proben begannen. Mit jedem Auftritt in Rotterdam bröckelte der Favoritenstatus leider etwas. Zuerst ein pinker Overkill, dann diverse Outfit- und Frisuren-Wechsel. Inzwischen wirkt es stimmig und im wahrsten Sinne des Wortes rund. Das ist pfiffiger Electro Swing. Die Jurys werden sicher honorieren, dass Destiny ein Stimmorgan à la Whitney oder Celine hat. Kann sie das Ruder nochmal herumreißen?

Punkte 30/36 (Marc 10 +Simon 10 +Stefan 10)

Startnummer 7 PORTUGAL: The Black Mamba – Love Is On My Side

Von der Black Mamba zum Dark Horse ist es nicht weit. Portugal klettert in den Wettquoten ständig nach oben. Mit dem Retro-Beginn in schwarz- weiß und dem Orchester-Flair auf der LED-Wand ist das nostalgisch und zeitlos schön inszeniert. Sänger Tatanka erzählt mit dem Song sehr authentisch über ein Treffen mit einer Dame in Amsterdam. Da hat Portugal das Beste aus der eigentlich repetitiven und nasal gesungenen Nummer herausgeholt. Bravo – das dürfte die Jurys sehr beeindrucken.

Punkte 25/36 (Marc 8 +Simon 5 +Stefan 12)

Startnummer 8 SERBIEN:  Hurricane – Loco Loco

Nun ein weiterer Euroclub-Kracher und das sogar in serbischer Landesprache. Hurricane, das ist die serbische Version von Destinys Child. Die schwarz funkelnden Outfits der 3 Damen sind perfekt aufeinander abgestimmt und schärfer als die Polizei erlaubt – sehr sexy und sehr knapp. Die Tanzeinlagen sind Güteklasse 1 und die Haare fliegen wie einst bei Eleni Foureira. Allerdings dürfte das eher im Televoting reüssieren.

Punkte 13/36 (Marc 5 +Simon 4 +Stefan 4)

Dann eine kurze Verschnaufpause. Nikkie de Jager zeigt die Gewinner der ESC Fan-Video-Challenge. Die Gewinner sind Parodien von „El Diablo“, „Calm after the Storm“ und „Toy“ und „Diva“. Danach schaltet sie zu Valentina, der Gewinnerin des Junior ESC aus Frankreich.

Bevor es mit Startnummer 9 weitergeht, zeigen Jamala, Emmelie de Forest und Duncan Laurence stolz, wo sie ihre ESC Trophäe aufbewahren und wie sie den Pokal hegen und pflegen.

Startnummer 9 GROSSBRITANNIEN: James Newman – Embers

James Newman hat sich als Komponist und Texter für seinen jüngeren Bruder John sowie für Ed Sheeran oder Guy Sebastian einen Namen gemacht. Und hier liegt das Problem: der geborene Performer auf der Bühne ist er irgendwie nicht. Dafür sorgt der Song „Embers“(=Glut) für gute Laune und die Trompeten auf der Bühne sind zumindest eine nette Idee. Laut Wettquoten ein Kandidat für den letzten Platz im Finale.

Punkte 14/36 (Marc 5 +Simon 4 +Stefan 5)

Nun übernimmt Simon. Viel Spaß!

Vielen Dank, Marc. Auf geht es nach…

Startnummer 10 GRIECHENLAND: Stefania – Last Dance

Hier treten die insgesamt 48 Punkte aus Zypern und den Niederlanden auf. Die retro-futuristische Nummer schwankt immer noch zwischen Wow und affig. Perfekt ist es leider auch nicht, es sind neben den Klamotten noch schwarze Reste von den „unsichtbaren“ Tänzern zu sehen. Doch immerhin wird dadurch das durchschnittliche Lied etwas aufgewertet in der Aufmerksamkeit. Es dürfte mehr was für das Televoting sein. Aber ganz durchfallen wird es bei den Juroren wohl auch nicht. Denn gesanglich war das eine größtenteils gute Leistung mit leichtem Abfall zum Ende hin.

Punkte 17/36 (Marc  6 + Simon 6 + Stefan 5)

Startnummer 11 SCHWEIZ: Gjon’s Tears – Tout l’univers

Die Kameraschnitten passen sich dem spannungsgeladenen Aufbau des Liedes an. In der Pressekonferenz wurde seine Bewegungen eher als Gezappel gesehen, was Gjon allerdings amüsierte. Aber hier bleibt definitiv die Stimme und das Lied das Kapital. Der Auftritt schmälert die Chancen höchstens. Außerdem wäre dieses Outfit mit den Rüschen-Sack-Mix gemäß des Geistes von Barbara Dex doch auch ein würdiger Gewinner dieses Awards, oder?

Punkte 30/36 (Marc 10 + Simon 10 + Stefan 10)

Startnummer 12 ISLAND: Dadi og Gagnamagnid – 10 Years

Dadi und seine Band sind verständlicherweise sehr niedergeschlagen, dass sie nicht live auftreten dürfen. Da er aber die Proben sehr ernstgenommen hat und alle Durchgänge professionell hundertprozentig alles gegeben hat, konnten sie sich aus allen Auftritten einen aussuchen. Den Auftritt kennt Ihr ja bereits. Da ändert sich auch nichts mehr. So gut wie jeder wird wissen und merken, dass es nur ein Video ist. Doch es ist live und es wird wahrscheinlich Mitleidspunkte für Island geben. Ich denke, die würde Dadi auch problemlos mitnehmen.

Punkte 26/36 (Marc 10 + Simon 8 + Stefan 8)

Startnummer 13 SPANIEN: Blas Cantó – Voy a quedame

Jetzt wird es ganz leise. Die ersten Sekunden singt Blas a capella. Im Saal ist es fast mucksmäuschenstill. Wir alle wissen, was hinter Blas‘ Song steckt. Die Geschichte ist rührend. Aber das Lied kann da aus meiner Sicht die Emotionen nicht transportieren. Der Auftritt ist auch sehr dunkel. Der Mond im Hintergrund und zwischenzeitlich befindet sich Blas sogar direkt im Weltall. Stimmlich sitzt es beim singen. Aber warum schreit er denn zum Ende hin? Das ist richtig furchtbar und man möchte am liebsten stummschalten. Immerhin: es ist wesentlich besser als im Dress Rehearsal heute Nachmittag. Das Ende wird dann wieder a capella gehaucht. Spanien dürfte um den letzten Platz mitkämpfen. Da gibt es stärkere Beiträge auf dieser emotionalen Ebene.

Punkte 9/36 (Marc 4 + Simon 2 + Stefan 3)

Und wieder zeitliche Verzögerungen. Der Mond wollte wohl noch nicht untergehen. Nach der Postkarte für Moldaue setzt sich Chantal wieder in Szene und plaudert ganz kurz mit Destiny aus Malta. Und dann kündigt Chantal aber den nächsten Beitrag an.

Startnummer 14 MOLDAU: Natalia Gordienko – Sugar

Moldau hat wohl mit die meisten Gemüter erhitzt. Während beispielsweise Finnland erwartet wurde und man die gesangliche Leistung fern jeglichen Geschmackes auch anerkennen musste, war die Kritik an Natalias Auftritt sehr groß. Gesanglich eher schwach und der Auftritt zu weit weg vom Video. Mit einer zusammengesteckten Frisur wirkt Natalia ganz anders, viel strenger. Deswegen sind wir sehr froh, dass sie ihr Haar wieder offen trägt. Sie grinst und tanzt und tippelt sich auch dieses Mal durch ihren Song. Am Ende hält sie so ganz passabel den angeblich nun längsten Ton der ESC-Geschichte. 17 Sekunden lang, wie sie ganz stolz auf der Pressekonferenz nach dem zweiten Halbfinale verkündet hat.

Punkte 11/36 (Marc 3 + Simon 4 + Stefan 4)

Und jetzt wird es spannend! Daumen drücken für:

Startnummer 15 DEUTSCHLAND: Jendrik – I Don’t Feel Hate

Und nun ist endlich auch Deutschland im Wettbewerb angekommen. Mit dem gewohnt verrückten Auftritt und kurzatmigen Gesang meistert Jendrik und sein Team diesen amüsanten Auftritt. Die Atemgeräusche sind auch dieses Mal wahrzunehmen, aber nicht so stark, wie sonst. Dennoch muss Jendrik bei diesem Lied einfach froh sein, dass es nur drei Minuten sind. Er kommt sympathisch rüber, aber auch irgendwie charmant anfängerhaft. Und der Sprechpart zwischendurch kommt mit der runtergedrehten Lautstärke der Musik verständlich rüber. Drei Sprachen, da fühlt sich fast jeder angesprochen. Und ganz am Ende gibt es noch einen Rat: „Forget your worries for one night.“ Ach, das machen wir doch gerne. Gut gemacht, Jendrik. Die Juroren wird er dennoch nicht ganz so sehr vom Hocker hauen, befürchte ich.

Punkte 17/36 (Marc 6 + Simon 5 + Stefan 6)

Startnummer 16 FINNLAND: Blind Channel – Dark Side

Ob es ein Zeichen der EBU ist, Finnland direkt nach Deutschland starten zu lassen? „I Don’t Feel Hate“? Pah, wir zeigen Euch unsere Mittelfinger! Jetzt startet der wohl mit Abstand stärkste Abschnitt des gesamten Finales! Fünf Lieder am Stück, die allesamt am Ende in die Top Ten oder gar gewinnen könnten. Auch Finnland gehört seit dem Halbfinale offiziell dazu. Die bandagierten Mittelfinger sind, das muss man definitiv anerkennen, eine großartige Idee, um das Statement auch bildlich unterbringen zu können, ohne selbst ständig den Mittelfinger direkt zu zeigen. Und zwischendurch singen die Finnen ja auch ein wenig. Der organisierte Lärm (O-Ton Reinhard) hat viele Fans auch beim ESC. Und es ist nun mal diese Art der Musik, das werden die Juroren nicht gewinnen lassen, aber sie werden es honorieren und alles andere als ein Platz unter den besten zehn wäre wohl eine Überraschung. Denn die Töne wurden allesamt getroffen.

Punkte 21/36 (Marc 6 + Simon 8 + Stefan 7)

Nun wandert Edsilia durch den dunklen Flur, in denen die Kommentatoren in einzelnen kleinen Zimmern untergebracht sind. Edsilia spricht mit den Kommentatoren aus Dänemark und Russland. Beim Dress Rehearsal saß laut Edsilia bei den Dänen noch „Jendrik und Hendrik“. Aber es war Nikolas. Bei den Russen spricht Edsilia „Guten Abend“ falsch aus, aber sie macht das soooooo sympathisch! Sie ist neben Chantal das Highlight der Moderation! Irgendwie ist der Gang aber zu dunkel und Edsilia scheint das Gefühl zu haben. Schnell noch Ankündigungen für später am Abend durch Chantal und Jan. Aber dann schnell weiter zu…

Startnummer 17 BULGARIEN: VICTORIA – Growing Up Is Getting Old

Nach den harten Klängen aus dem Norden, bringt uns Victoria wieder zurück in die Spur. Also zumindest mich. Die Stimme sitzt, farblich ist das Bühnenbild einfach unglaublich stimmig und der Felsen im Wasser mit dem Sand wirkt sehr beruhigend. Der Sand wurde übrigens direkt aus Bulgarien importiert. Ein rieselnder Schatz vom Schwarzen Meer. Ich hätte davon gerne ein Glas. Für mich mit das beste Staging in diesem Jahr. Ein seriöser Beitrag, welcher vor allem bei den Juroren sehr gut ankommen dürfte. Auch Victoria lässt ihr Lied a capella ausklingen. Insgesamt ein großartiger Auftritt.

Punkte 30/36 (Marc 8 + Simon 12 + Stefan 10)

Startnummer 18 LITAUEN: The Roop – Discoteque

Und nun die Litauer. Auch hier gab es bislang kaum Probleme. Die Band spult ihren Auftritt professionell ab, wie immer. Ausgerechnet in der Mitte dieses starken Blocks aufzutreten könnte vielleicht Punkte kosten. Aber im Vergleich zu Jendrik wirken die verrückten Bewegungen passender zu der Musik und die Farben sind weit weniger grell. Trotz der quietschgelben Klamotten. Thematisch natürlich das Corona-Lied (neben Spanien). Es macht einfach Spaß, das werden auch die Juries größtenteils so sehen. Vielleicht wird Litauen doch besser abschneiden, als die Buchmacher es inzwischen sehen: Top 10 oder sogar Top 5.

Punkte 28/36 (Marc 10 + Simon 10 + Stefan 8)

Startnummer 19 UKRAINE: Go_A – Shum

Ich bewundere ja, dass Kateryna bei diesem Lied so bewegungslos auftreten kann. Aber es passt zum Auftritt und hat den Vorteil, dass die Stimme nicht durch zu starke Bewegungen leidet. Und sogar ein Lächeln lässt sich ab und an erahnen. Der Aufbau der ukrainischen Landschaft wird auch im Finale ein Knackpunkt sein. Bislang hat es in jeder Probe deswegen Verzögerungen gegeben – sowohl beim Auf- als auch beim Abbau. Wie oft die arme Chantal insgesamt bei allen Show spontan einspringen und Lücken füllen musste. Aber dafür kann sie es inzwischen sehr gut. So oft wurde wohl noch nie die offizielle Seite vom Eurovision erwähnt. GO_A, um die geht es ja jetzt, macht wieder einen einwandfreien Auftritt. Sie nutzen ihren kleinen Raum auf der Extrabühne gut aus und am Ende geht die Königin vor der Sonne auf. Und bekommt Standing Ovations von der russischen Delegation! Die gesamte Bank steht und jubelt. DAS sind die Szenen, die wir hier beim Eurovision sehen wollen. Gelebte Völkerverbindung.

Punkte 30/36 (Marc 10 + Simon 10 + Stefan 10)

Startnummer 20 FRANKREICH: Barbara Pravi – Voilà

Chanson-Alarm, auch Frankreich nun mit dem ersten Auftritt, der offiziell bewertet wird. Auch wenn es sehr dunkel auf der Bühne insgesamt ist, Barbara ist einfach sehr gut ausgeleuchtet. Schattenspiele auf ihrem Körper, ihr Schatten auf dem Boden wird beim Blickwinkel aus der Luft zu wegfliegenden Vögeln. Zurückhaltend mit den Effekten und Barbara gehört diese Bühne. Die wippende Kameraführung wurde etwas dezenter geführt als noch beim Auftritt im Halbfinale. Vielen war dies zu hektisch. Ich finde, es passt unglaublich gut. Barbara singt mit Inbrunst und bringt so die Stimmung rüber. Doch leider sind da Schnitzer, die wir bislang so von ihr noch nicht gehört haben drin. Aber nicht ausreichend, um viele Punkte einzubüßen. Frankreich wurde vor der Show bei den Wettquoten für das Jury-Voting die meisten Chancen auf den ersten Platz eingeräumt. Mehr als die Hälfte aller ESC-Sieger der letzten zwanzig Jahre hatten einen Startplatz zwischen 17 und 22. Ein gutes Omen? Den letzten von vier Siegern auf Startplatz 20 gab 2009 mit Alexander Rybak.

Punkte 36/36 (Marc 12 + Simon 12 + Stefan 12)

Wir sind uns wohl sicher, den Sieger heute schon gehört zu haben? Damit wechseln wir wieder. Simon verabschiedet sich und gibt das Zepter an Stefan weiter.

Bedankt der Herr

Startnummer 21 Aserbaidschan: Efendi Mata Hari

Efendi, der Herr, gibt den vollständigen Kontrast. Aserbaidschan setzt in gewohnter Manier weniger auf Klasse, mehr auf optische Masse. Efendi und ihre vier Tänzerinnen, alle im knappen Schwarzen, sparen vor orientalischen Ornamenten und inmitten von Flammen nicht mir ihren Reizen. Der Schlussgitarrenspurt gibt dem Ganzen noch etwas Pepp, aber rettet den Beitrag nicht in die oberen Ränge.

Punkte 17/36 (Marc 6 + Simon 5 + Stefan 6)

Startnummer 22 Norwegen: TIX – Fallen Angel

Norwegen bietet zwar auch eine herausstechende Bühnenshow, aber der ganz anderen Art. Der Engel und seine mit ihm durch Ketten verbundenen vier Teufel im Schatten wirken nach Aserbaidschan fast schon beruhigend, ebenso die eingängige Popmelodie. Auch die Brille setzt TIX kurz wieder ab und offenbart damit seinen Tik. Direkt in die Kamera blickt er währenddessen aber fast nicht.
Ob die Startreihenfolge auf die (vermeintliche?) Glückseeligkeit zwischen Efendi und TIX zurückgeht? Er hat sich jedenfalls nicht verwirren lassen und sang fehlerfrei.

Punkte 21/36 (Marc 8 + Simon 7 + Stefan 6)

Startnummer 23 Niederlande: Jeangu Macrooy – Birth Of A New Age

Das Losglück hat es gut mit den Gastgebern gemeint. Jeangu ist nicht der erste niederländische Vertreter mit surinamesischen Wurzeln, jener ehemaligen Kolonie in Südamerika. Jeangu und sein Chor versprühen aber etwas karibisches Flair und erstmals in der Eurovisionsgeschichte ist auch Sranantongo, jener in Suriname geläufigen Kreol- oder Mischsprache, zu hören. Alle singen harmonisch zusammen und ohne Schnitzer. Auf das Ledergeschirr aus der ersten Einzelprobe verzichtet Jeangu auch weiterhin und unter dem blauen Anzug ist direkt der athletische Oberkörper zu sehen.

Punkte 19/36 (Marc 4 + Simon 8 + Stefan 7 )

Startnummer 24 Italien: Måneskin – Zitti e buoni

Den Topfavoriten haben sich die Organisatoren fast bis zum Schluss aufghoben. Leise und brav, wie der Titel auf Deutsch heisst, sind die Mondscheiner aber nicht. Im Lichtgewitter oder im roten Lichtschein geben die Fünf und der Sänger in der brusthohen Lederlatzhose ordentlich Gas und versprühen gleichzeitig italienische Grandezza. Auch die schnellen Sprechgesangpassagen werden ohne Schnaufen einwandfrei herausgehauen. Wenn Ihnen die Rockkonkurrenz aus Finnland nicht zu viele Stimmen nimmt, könnten sie wohl das Televoting gewinnen. 2015 reichte das aber nicht. Die Musikgattung könnte ihnen aber auch dazwischenkommen.

Punkte 30/36 (Marc 10 + Simon 10 + Stefan 10)

Startnummer 25 Schweden: Tusse – Voices

Mit einem Hype um Voices oder aussichtsreichen Wettquoten ist dieser vorletzter Startplatz nicht zu erklären. Sympathie mit dem Sänger und dessen Geschichte? Die Herkunft des neuen ESC-Oberbosses ist bestimmt unwichtig. Jedenfalls singt Tusse völlig unbeschwert und enthusiastisch. Dazu wird der im Grunde schon so beim Melodifestivalen eingeübte Auftritt abgespult. Stimmlich waren aber ein paar Ungereimtheiten rauszuhören. Die erfolgsverwöhnten Zentralskandinavier müssen trotzdem damit rechnen, dass sich ein auf Erfolg berechneter Titel samt entsprechender Inszenierung nicht immer auszahlt. Direkt nach Italien und vor San Marino ist auch ungünstig. Erstmals nach 2013 ist eine zweistellige Platzierung greifbar nahe.

Punkte 19/36 (Marc 7 + Simon 6 + Stefan 6)

Startnummer 26 San Marino: Senhit – Adrenalina

Im Vergleich zum Halbfinale sind in San Marino keine Änderungen erkennbar. Kostüme und der Kronenschmuck erfuhren keine neuerliche Überarbeitung, auch Flo Rida rappt wieder in kurzen Hosen. Warum das Erfolgsrezept aus der Vorrunde verwässern? Senhit ist anzumerken, dass sie den Auftritt genießt und diese Freude überträgt sich. So beenden afrikanisch beeinflusste Klänge den europäischen Liederwettstreit 2021 und San Marino hofft bei der dritten Finalteilnahme auf eine TOP10-Platzierung.

Punkte 22/36 (Marc 7 + Simon 7 + Stefan 8)

Nach dem ersten, längeren Schnelldurchlauf folgt der erste Punkt des Pausenprogramms.

Der seit Jahren erfolgreiche DJ Nick van de Wal, alias Afrojack, Glennis Grace, der Niederlande Stimme 2005 in Kiew und und Lieuwe Albertsma alias Wulf präsentieren das eigens komponierte „Music binds us„. Klassik meets Electro. Es beginnt als Video, das hauptsächlich in einer Trambahn auf der markanten Erasmusbrücke spielt und in dem das Eurovision Orchestra spielt. Zu Ehren des halbrunden 65. Song Contests wurde wieder ein großes Orchester eingebaut. Auf der Bühne steht dann der DJ hinter seinem Pult und Glennis Grace gibt am Mikrofon alles. Dazu tanzt das ESC-Ballett. Immer wieder erstaunlich, welche Menschenmassen angesichts Corona gleichzeitig auf die Bühne dürfen.

Dann folgt der zweite Pausenpartart, der Zeit schindet. Die finanziell lukrative Televotingzeit muss aufgebläht werden, auch um in manchen Ländern Werbung zu zeigen. Eine gute Gelegenheit, aus dem Kühlschrank Prosecco-Nachschub zu holen.

Es beginnt mit dem zweiten, kürzere Schnelldurchlauf und einer weiteren Episode von Nikkies ESC-Ratschlägen, diesmal geht es um die richtige Art der Punktevergabe, gefolgt von einem kleinen Film über den Bühnenaufbau und einem Blick hinter die Probenkulissen.
Dann ist aus der Vorcorona-Zeit (also auch ohne maskenverzierte Gesichter) zu sehen, wie Edsilia, ehemalige Sieger, die in den Halbfinals zu sehen waren, durch die Stadt kutschiert, dabei lustig die alten Erfolge singend. Als Spezialgast steigt noch ruth Jacott zu Niamh Kavanagh ins Auto (beide Jahrgang 1993). Ein weiterer humoröser Rückblick beschäftigt sich damit, wie sich das schicke Saal-Publikum über die Jahre zum lustigen Hallen-Publikum verändert hat.

Es folgt der Dritte und ,wie uns Chantal verspricht, letzte Schnelldurchlauf. Im dritten Teil des Pausenprogramms folgt wieder etwas Nostalgie, das groß angekündigte „Rock The Roof“.
Die Veranstalter haben mehrere Sieger und Siegerinnen der letzten 52 Jahre, darunter auch die beiden noch lebenden niederländischen Siegerinnen aus der vor-Duncan-Epoche, auf die Dächer bekannter Rotterdamer Gebäudes gestellt, wo sie des Nachts Kostproben ihrer Nummer-Eins-Hits anstimmten. Die Gebäude selbst sind wegen der späten Aufnahmestunden leider nicht erkennbar

Es startet Måns Zelmerlöw (Schweden 2015) mit Strichmännchen, vielen Lampen und „Heroes“.

Getty Kaspers und Teach In (Niederlande 1975) stehen wiedervereint, bereits 1976 verließ Getty die Formation, auf dem nächsten Dach inmitten einer bunten Gartenbeleuchtung und der in „Ding-A-Dong“ vorkommenden Blumen.
Bei Sandra Kim (Belgien 1986) hört man an der gereiften Stimme deutlich, dass sie nicht mehr 13 Jahre alt, sondern in den 40ern angekommen ist. Pink trägt sie wie einst bei „J?aime la vie“ immer noch. Diesmal muss sie auch nicht selbst tänzeln, sondern lässt das von jüngeren Männern erledigen.
Lenny Kuhrs (Niederlande 1969) Stimme ist auch rauchiger geworden. Die dargebrachte Version von „De Troubador„, bei der sie von zwei Gitarissten flankiert wird, ist aber gelungen.
Elena Paparizou (Griechenland 2005) hat sich neue, junge Tänzer geholt, die mit ihr auch nochmal die originelle Hebefigur mit Fake-Cellospiel an Hosenträgern für „My Number One“ vollbringen.
Lordi (Finnland 2006) sorgt zum Abschluss für ein nächtliches „Hard Rock Hallelujah“ und eine feurige Nachtbeleuchtung. Ob es noch die Originalkostüme von Amarousio / Athen sind? Ist der Rock zum Schluss ein Omen für Italien oder ein finnische Überraschung?

Dann hätte Duncan Laurence im Ahoy auftreten sollen. Wegen dessen Corona-Infektion muss stattdessen ein Video herhalten, in dem Duncan im Dunkeln vor einem nächtlichen Sternenhimmel an dem aus Tel Aviv bekannten Keyboard sitzt. Nach einem kurzen Ausschnitt von „Arcade“ singt er seine neue Single „Stars„, einer romantischen und gefühlvollen Ballade.

Das Ende der Abstimungszeit wird durch das ESC-Ballet in blau als menschlicher Countdown getanzt. Eine nette Idee.

Jetzt war es an Martin Österdahl, der neue ESC-Chef, ein ordnungsgemäßes Jury-Ergebnis zu bestätigen; vielleicht stimmt das diesmal auch, im Gegensatz zu 2019 (Belarus ist heuer aber nicht dabei),

Da nutzen wir doch die Zeit und geben erst einmal unser Ergebnis aus unserer Jurorensicht bekannt:

Platz 1: Frankreich: 36 Punkte
Platz 2: Malta 30 (Sonderwertung: 36)*
Platz 3: Ukraine 30 (Sonderwertung: 27)*
Platz 4: Schweiz 30 (Sonderwertung: 24)*
Platz 5: Italien 30 (Sonderwertung: 22)*
Platz 6: Bulgarien 30 (Sonderwertung 20)*
Platz 7: Litauen 28
Platz 8: Island 26
Platz 9: Portugal 25
Platz 10: Russland 22 (Höhere Einzelwertung)
Platz 11: San Marino 22
Platz 12: Belgien 21
Platz 12: Finnland 21
Platz 12: Norwegen 21
Platz 15: Niederlande 19 (Höhere Einzelwertung)
Platz 16: Albanien 19
Platz 16: Schweden 19
Platz 18: Aserbaidschan 17
Platz 18: Deutschland 17
Platz 18: Griechenland 17
Platz 21: Zypern 16 (Höhere Einzelwertung)
Platz 22: Israel 16
Platz 23: Großbritannien 14
Platz 24: Serbien 13
Platz 25: Moldau 11
Platz 26: Spanien 9

Frankreich gewinnt deutlich und dahinter wird es richtig eng. Fünf Länder haben von uns Dreien jeweils 10 Punkte bekommen. Deswegen haben wir eine Sonderwertung  (Punkte von Stefan, Marc & Simon) gemacht:

Malta: 12 + 12 + 12 = 36
Ukraine: 7 + 10 + 10 = 27
Schweiz: 10 + 7 + 7 = 24
Italien: 8 + 8 + 6 = 22
Bulgarien: 6 + 6 + 8 =20

Wir sind gespannt, wie nah wir dem morgigen Ergebnis gekommen sein werden.

Zurück ins Ahoy. Dort begann die Reise durch die einzelnen Senderzentralen.
Wie seit 2016 üblich, startet der letztjährige Gastgeber, in diesem Fall Israel die Wertungsphase und es endet beim Titelverteidiger, heuer also die Niederlande. Diese Douze Points hätte Duncan Laurence verkünden sollen, wurde aber nun durch Romy Monteiro ersetzt. Barbara Schöneberger bzw. Deutschland ist als Nummer 23 dran. Davor war schön als Zwölfter Philipp Hansa aus Wien zu sehen. Angélique Beldner durfte erst als Vorletzte die Höchstwertung der Schweiz verkünden.
In Rotterdam nehmen die Punkte die beiden Hauptmoderatoren Jan Smit und Chantal Janzen entgegen. Zwischendrin sind natürlich Interviews durch Edsilia und Nikkie im Greenroom eingebaut.

Im Übrigen wurden ein Kind aus Griechenland, eine Saxophoneinlage aus Chisinau, ein Spaßvogel aus Husavik und auch manches seit Jahren bekannte Gesicht geboten. Abwarten, ob die Gaggs bleiben. Technisch lief dabei noch nicht alles ganz rund, aber das ist normal.

Nocheinmal wird Herrn Österdahl das Wort erteilt, um die Korrektheit des Televotingergebnisses zu bestätigen. Bei der Bekanntgabe der letzten vier Publikumswertungen wird wieder versucht die Dramaturgie zu erhöhen und dabei solange gewartet, dass jeder mit einem Taschenrechner schneller ist. Sie rechnen am Ende sogar vor, wieviele Punkte der Verfolger braucht um erstern zu werden. Diese Unart wird aber wohl auch die nächsten Jahre bleiben.

Am Nachmittag wurde am Russland Letzter, Deutschland Vorletzter und die ersten Drei waren Norwegen, Litauen und ganz oben Spanien. Bei der zweiten Kostümprobe lief es etwas anders. Ganz am Ende landete San Marino, davor Deutschland, Russland, die Schweiz und Belgien. Bronze für Portugal, Silber für Frankreich und Gold für Norwegen.

Wer die Siegertrophäe überreichen wird, war in den ersten zwei Generalproben noch nicht erkennbar. Der Sieger musste sie sich jeweils selbst coronakonform von einem Podest nehmen. Dann durfte die TIX-Ersatzfrau noch zum Playback tanzen, während die Halle mitsang und es dunkel wurde.

Damit geht nun unser dritter OGAE Live-Blog 2021 zu Ende. Wir hoffen ihr hattet viel Spaß beim Mitlesen bei dieser Juryprobe
Goedenacht!

Die erste Generalprobe des Finals, Auswirkungen der Corona-Fälle

21. Mai 2021 Frank Albers

Am Freitagnachmittag lief die erste von drei Generalproben des Finals. Zum ersten Mal konnten wir somit in der Halle die komplette Show sehen. Aufgrund der positiven Corona-Tests in der isländischen Delegation und bei Titelverteidiger Duncan Laurence musste kurzfristig einiges im Ablauf des Finals umgestellt werden, aber die Show funktioniert dennoch weiterhin richtig gut.
Zum Glück konnten die Auftritte von Duncan Laurence schon vor ein paar tagen geprobt und dabei aufgezeichnet. Diese Aufzeichnung der Probe wird nun als Video eingespielt. Qualitiativ ist dies am Fernsehner sicher keine Einbuße, atmosphärisch aber natürlich nur eine Notlösung, vor allem für die Besucher in der Halle, die die meisten Elemente des Pausenprogramms nur über die Videoschirme als Aufzeichnungs  sehen können. Aber das Risiko eines positiven Corona-Test innerhalb der großen Gruppe von Sängern und Sängerinnen sowohl der Künstler und Künstlerinnen des Rahmenprogramms hat immer bestanden und die Veranstalter waren auf jede Eventualität vorbereitet.
So ist es auch eingetreten. Da alle Proben aufgezeichnet wurden gibt es genügend Material, die nun als Ersatz für die Liveauftritte Islands und Duncan Laurance‘ eingesetzt werden.
Das Opening der Show ist relativ klassisch mit einem Hochglanzfilm zu Land und Stadt und dem Einzug der Nationen als emotional-feierlichen Höhepunkt. Wunderschön ist auch die Interpretation von Jan, Chantal und Edsilia vom Klassiker „Venus“ der holländischen Band Shocking Blue.
Die Autritte der Künstler waren noch nicht wirklich aussagekräftig, da viele in dieser Probe nicht voll aussangen, ungeschminkt und nicht im Originalkostüm auftraten. Man schonte sich für das Juryfinale am Abend, wenn auch wieder Publikum in der Halle sein wird.

Aber es wurde schon deutlich, dass der Wettbewerb erst in der zweiten Starterhälfte deutlich an Fahrt aufnimmt. Jendrik wirkt zwischen den sehr intensiven Beiträgen aus Moldau und Finnland etwas eingeklemmt, aber er macht seine Sache ganz hervorragend und sprüht vor Freude.

 

Das Pausenprogramm besteht aus mehreren Elementen. Um den Corona-Sicherheitsmaßnahmen zu entsprechen, findet dieses Programm weitestgehend nicht live in der Halle statt. Die ehemaligen Sieger Mans Zelmerlöw, Lordi, Helena Paparizou, Teach-In und Lenny Kuhr wurden bei Konzerten auf den Dächern verschiedener Hochhäuser Rotterdams gefilmt. Das sieht wunderschön aus und obwohl es eine eingespielte Aufzeichnung ist, springt der Funken sofort über. Eine tolle Reise auf der Eurovision-Memory-Lane. Ebenfalls aufgezeichnet ist eine musikalische Liebesgeschichte mit Orchester, die als Video eingespielt wird. Dieser Programmteil endet dann aber live im Ahoy mit einem wundervollen Auftritt von Glennis Grace, die 2005 so unglücklich im Halbfinale ausgeschieden war. Witzig sind auch die witzigen Clips mit Edsilia als Taxifahrerin, zu der verschiedene ehemalige Teilnehmer ins Taxi steigen. Diese Clips waren eigentlich schon für das Finale 2020 produziert worden und kommen jetzt mit einem Jahr Verzögerung zum Einsatz. Sie sind daher nicht wirklich corona-gerecht, was aber entsprechend angekündigt wird.

Die Abstimmung wurde natürlich auch geprobt und noch ein paar Dinge ausprobiert, allerdings ohne die Original-Jurysprecher.

Fotos: Frank Albers

Goedemorgen aus Rotterdam zum 13. Probentag, 21.5.

21. Mai 2021 Frank Albers

Eine atemberaubende zweite Halbfinalshow liegt hinter uns mit einem Ergebnis das weitestgehend so zu erwarten war. Aber dennoch gab es natürlich für jeden von uns die eine oder andere Enttäuschung oder Überraschung. Das macht den ESC ja gerade so faszinierend. Die Startreihenfolge des Finals steht auch und mit Startnummer 15 wurde Jendrik in der Mitte der Show platziert und hat somit leider nicht den erhofften Startplatz am Ende des Teilnehmerfelds erhalten. Ob der Aufritt zwischen Moldau und Finnland nun einen positiven oder negativen Effekt haben kann, werden uns sicher auch die heutigen Proben schon ein wenig verraten.

Das niederländische Frühstücksfernsehen auf NOS hat sich in diesen Tagen ganz dem ESC gewidment und ist mit seinem Studio direkt ins Ahoy umgezogen und sendet täglich von dort. Heute war dort die aus Utrecht stammende Stefania und die Final-Qualifikation für Griechenland das Hauptthema. „Last Dance“ wird hier fast soetwas wie der zweite niederländische Beitrag behandelt.

Euch nun einen wundervollen Freitag und ersten Final-Probentag. Wir melden uns natürlich nach der ersten Generalprobe heute Nachmittag wieder.
Euer OGAE-Team

Foto: Frank Albers

Startreihenfolge des ESC-Finals 2021

21. Mai 2021 Frank Albers

Das zuständige Redaktions-Team hat in der Nacht nach dem 2. Halbfinale die Startreihenfolge für das Finale festgelegt und veröffentlicht.
Zypern wird eröffnen, San Marino abschließen. Deutschland startet auf Startnumemr 15, die Schweiz auf 11.

 

Franks Nachtgedanken zum 2. Halbfinale, 20.5.

21. Mai 2021 Frank Albers

Franks Nachtgedanken zum 2. Halbfinale, 20.5.

Kamera und Schnitt: Reinhard Ehret