ESC 2021: Franks Nachtgedanken zum 5. Probentag

12. Mai 2021 Frank Albers
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Rumaenien Probe 2: Roxen und Larisa

12. Mai 2021 Reinhard Ehret

So mancher im Pressezentrum zu Rotterdam legte die Stirn in Falten, als Roxen ihr „Amnesia“ intonierte und ihre drei Probendurchläufe über die Großbildschirme übertragen wurden. Ihr Gesang klang ganz leicht unsicher, nervös und wackelig, so als sei sie immer noch nicht so richtig angekommen. In Durchlauf drei klang das zwar schon besser, aber immer noch nicht auf Studioniveau. Möglicherweise sollte sie einfach still halten und sich nicht von ihrer Tanztruppe über die Bühne tragen, zerren und heben lassen. Wenn man dabei die Töne halten muss, wird’s natürlich knifflig. Was das Krauchen und Räkeln soll, erklärte sie später der Presse: Alles ist ein Kampf – und man muss da durch. Und alles ist schwierig; manchmal ist Roxen dabei ihr größter eigener Feind, sagte sie.

Einige Journalistenfragen erheiterten sie dann aber nachhaltig, beispielsweise jene nach anderen Künstlern, die sie hier schon gesehen habe und überdies möge. In Eden Alene aus Israel habe sie sich bereits im letzten Jahr völlig verliebt – und dass sie dieses tolle und nette Mädchen nun persönlich kennenlernen dürfe, sei ganz wundervoll. Wie es zu ihrem Künstlernamen kam? Nun, bürgerlich hat sie die beiden Vornamen Larisa Roxana. „Larisa konnte ich nicht verwenden, denn ich glaube nicht, dass Larisa all das tun kann, was Roxen tut.“ Diese künstlerische Lebensphilosophie brachte ihr ganzes Team, das bei der Pressekonferenz anwesend war, zu einem spontanen Applaus. Diese Frau hat wirklich was drauf und ist das Gegenteil von oberflächlich. Ob diese Kraft dem Lied auf die Sprünge hilft, um ins Finale zu kommen, bezweifeln viele.

Fotos: Reinhard Ehret

Israel Probe 2 & Pressekonferenz: Gebremste Euphorie und keine Politik

12. Mai 2021 Frank Albers

Eden Alene probierte bei ihrer zweiten Probe einige neue Dinge aus. So wird ihr die ins Haar geflochtene Krone nicht mehr aufgesetzt sondern sie trägt sie gleich von Anfnag an. Auch wirkte der gesamte Auftritt deutlich zurückgenommener als noch vor zwei Tagen. Ob die aktuellen dramatischen Ereignisse in Israel sie so sehr beschäftigen und belasten, dass sie ein wenig der Leichtigkeit verloren hat, mit der sie bei der ersten Probe noch begeistern konnte. Aber dies sind nur Mutmaßungen aus dem Pressezentrum.

Bei der Pressekonferenz wurden Fragen zur aktuellen Situation in Israel nicht zugelassen, eine Journalistin von Al-Jazeera wurde bei ihrem Versuch, doch etwas darüber von Eden zu erfahren, recht brüsk abgeblockt und durfte dann eine eher seichte Frage stellen, was „Set Me Free“ für sie bedeutet.

Daher ging es bei der PK um Musik und das ist eigentlich ja auch gut so. Eden war mit ihrer zweiten Probe sehr zufrieden, fühlt sich inzwischen sehr wohl auf der Bühne und es gäbe nur noch ein paar Kleinigkeiten, die zu ändern wären. Die Krone bereits von Beginn an zu tragen, war eine Entscheidung des Teams, um die Bedeutung und den Glanz der Krone über volle drei Minuten zu zeigen und nicht nur für 24 Sekunden zum Ende des Liedes. Auf die Frage warum viele ihrer Lieder multilingual sind, antwortete Eden, dass Multikulturalität ihre Persönlichkeit und Identität sein, mit äthiopischen, arabischen, israelischen, jüdischen und christlichen Prägungen.

Fotos: EBU

IRLAND PROBE 2: GUTE DYNAMIK

12. Mai 2021 Reinhard Ehret

Lesley Roy konnte heute mit zahlreichen herein- und herumfliegenden Kulissenelementen arbeiten, die mächtig geschickt und strahlend weiß aus dem Hallendunkel von den richtig tollen LED-Vorhängen leuchten. Für den Besucher in der Arena werden sie sehr plastisch erscheinen und für ein schwungvoll-dynamisches Bühnenbild sorgen. Im weiten Rund der Halle sind leider keinerlei Screens aufgestellt, sodass das Fernsehbild nicht gleichzeitig mitverfolgt werden kann.

Lesley bewegte sich sehr selbstsicher und souverän, sang – jedenfalls dem Klang in der Arena nach zu urteilen – einwandfrei und mit kraftvoller Stimme. In der anschließenden Pressekonferenz erläuterte sie zum Staging, dass man aus der großen Bühne einen kleinen begrenzten Raum gestalten will, um zu versinnbildlichen, dass es in „Maps“ um das authentische Bei-sich-sein geht. Sie träumte bereits als Kind davon, für Irland irgendwann einmal beim Song Contest anzutreten; Niamh, Charlie & Paul, Johnny & Co. seien Helden für sie gewesen. Die Reise zum Grand Prix sei bereits jetzt ein phantastisches Erlebnis; von der Technik und der Bühnencrew wusste sie mit großer Bewunderung zu schwärmen.

Ihre Frau ist übrigens das einzige Familienmitglied, das sie mit nach Rotterdam bringen durfte. Sie ist Lesleys Stütze und bei allen Vorbereitungen auch eine Art Assistentin und Managerin. Der irische Beitrag wird insgesamt möglicherweise unterschätzt; er findet hier nur wenig Beachtung. Die Pressekonferenz war sehr schwach besucht. Niemand der persönlich Anwesenden stellte eine Frage, sodass auf die Online-Journalisten ausgewichen werden musste. Vielleicht schreibt man Lesleys Song ein bisschen zu früh ab.

Fotos: Reinhard Ehret

Norwegen Probe 2 & Pressekonferenz: Der Engel strahlt Richtung Aserbaidschan

12. Mai 2021 Frank Albers

Der „Fallen Angel“ beansprucht eine ziemliche Aufbaupause, die wir live in der Halle beobachten konnten. Da werden die Bühnenarbeiter kräftig ins Schwitzen kommen, wollen sie den Zeitplan einhalten. Die Choreographie ist, zumindest soweit es sich an Bildschirm und in der Halle beobachten ließ, unverändert und TIX beherrscht sie routiniert bis ins kleinste Detail. In der Halle leuchten die weißen Engelsflügel fast noch heller als an den Bildschirmen und TIX schafft es die riesige leere Halle mit Atmosphäre zu füllen. Der Beitrag gewinnt von Probe zu Probe.

Wenig neue Erkenntnisse bei der Probe, aber umso mehr bei der Pressekonferenz. Zunächst brachte TIX die etwas schläfrige Journalistenschar mit ein paar Turnübungen wieder in Schwung und Fahrt und dann entwickelte er, ob versehentlich oder absichtlich wurde bis zum Schluss nicht wirklich klar, ein Outing seit gestern eine Loveaffair mit Efendi aus Aserbaidschan zu haben. Sie hätte ihm gerade backstage sogar noch eine „very sweet message“ geschickt. Diese norwegisch-aserische Lovestory wurde nun zum Running Gag der Pressekonferenz und die Moderatorin setzte hartnäckig immer wieder nach. Ob die Geschichte nun wahr ist oder nicht, spielte dabei eigentlich auch gar keine große Rolle.

 

Aber TIX Stimmungen schwanken schnell, sicher auch wegen seiner Krankheit (OCD), und so war er nach der euphorischen Liebeserklärung bei der nächsten Frage wortwörtlich zu Tränen gerührt. In dieser sollte er eine Botschaft an alle Kinder in Europa senden, an sich zu glauben und aus Schwäche Stärke zu entwickeln.

Fotos: EBU (Probe) und Frank Albers (PK)

Goedemorgen aus Rotterdam zum 5. Probentag

12. Mai 2021 Frank Albers

Dem fünften Probentag fiebern wir hier im Ahoy-Pressezentrum mit einiger Vorfreude entgegen, denn die kleine Presseschar darf, unter strengen Hygieneauflagen, heute erstmals in die Halle, um die Proben direkt und live vor Ort zu beobachten. Um 10 Uhr geht es mit Litauen los, gefolgt von den Teilnehmern des ersten Halbfinals bis einschließlich Ukraine (nur Malta probt als einziges Land aus HF1 erst morgen).

Auf dem täglichen Weg ins Ahoy begegnet uns an mehreren Stellen der Stadt „Graffiti- und Street-Art“, die sich mit dem Thema Eurovision beschäftigt, so auch auf diesen Betonstehlen zwischen der Metrostation Zuidplein und dem Ahoy.

Von diesem kleinen Stück Rotterdamer Eurovision-Art senden wir Euch auch heute morgendliche Grüße und freuen uns wie immer sehr, wenn wir Euch auch an diesem Probentag mit unseren aktuellen Berichten hier auf ogae.de ein wenig begleiten dürfen.

Viel Spaß, Euer OGAE-Team

Franks Nachtgedanken zum 4. Probentag, 11. Mai

11. Mai 2021 Frank Albers
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Kamera und Schnitt: Reinhard Ehret.

DAENEMARK MEET & GREET: UNGEBROCHENE HEITERKEIT

11. Mai 2021 Reinhard Ehret

Laurits war beim Betreten der AHOY-Bühne am heutigen Nachmittag allein schon von der Arenagröße, der immensen Technik und der faszinierenden Lichtanlage stark beeindruckt, wusste er beim „Meet & Greet“ zu berichten. Jesper und er zeigten sich als äußerst eloquent, des Englischen sehr sicher und mit ihrer Probe sehr zufrieden. Das oft gesagte „Alles ist hier sehr professionell“ fiel auch diesmal. Bewusst habe man den Vorentscheidungsauftritt nicht verändert und sich lediglich erlaubt, den tollen großen Raum zu einer ausschweifenderen Tanzeinlage Jespers zu nutzen. Das Feuer-und-Flamme-Duo habe sich in einer Kopenhagener Bar kennengelernt. Maurits erzählte sinngemäß: „Da kam ein Typ rein, warf von weitem eine Münze in die Jukebox, begrüßte jeden lautstark im Lokal und alle grüßten zurück, kam an den Tisch und meinte: Hey, da drüben steigt ’ne Tattoo-Party, macht’s gut; drehte noch eine Runde und war nach zwei Minuten wieder draußen. Ich fragte meinen Kumpel: ‚Was war das denn?'“. Das war Jesper. Der wiederum entgegnete nach dieser Erzählung: „Die Story wird von Mal zu Mal besser.“ Das dänische Duo harmonierte absolut geschmeidig bei diesem ersten Presseauftritt. Nach ihren Lieblingsliedern beim Grand Prix gefragt, fielen natürlich die Titel der legendären dänischen Schlager aus den 80ern, aber auch „Tell Me“ und „My Star“ aus dem Jahr 2000. Sie haben offenbar keine Angst vor einem schlechten Ergebnis. Alleine schon dabei zu sein und in die ewigen Teilnahmelisten des Song Contests einzugehen, sei phantastisch. Stimmt ja auch.

DAENEMARK PROBE 1: ICH FIND SCHLAGER TOLL

11. Mai 2021 Reinhard Ehret

Herzerfrischend sind diese beiden! Jesper Groth und Laurits Emanuel heißen nicht nur „Feuer und Flamme“, sie sind das auch – nämlich für ihren Song „Øve os på hinanden“. Ihren Auftritt aus dem Dansk Melodi Grand Prix haben wir heute in nahezu naturgetreuer Kopie auf der Rotterdamer Bühne wiedergesehen. Jesper flitzt fröhlich wie nie auf und über die Bühne, tänzelt etwas staksig auf seinem kleinen Sangespodest umher und freut sich sichtlich drei Minuten lang über seinen herrlichen Retroschlager. Laurits scheint das Geschehen aus sicherer Entfernung gitarrebegleitend und beglückt zur Kenntnis zu nehmen.

Das Duo „Fyr og Flamme“ hielt, was es in der Vorentscheidung versprach; nicht einmal die Kostüme wurden verändert: Jespers rosalila Glitzerjacke fügt sich nahtlos in die 80er-Atmosphäre ein, die der mitreißende Song verbreitet. Allerdings wirkte die Fernsehinszenierung etwas statisch, was der unfassbar fröhliche Leadsänger durch besonders energetisches Engagement auszugleichen suchte – als wollte er damit sagen: „Ich find Schlager toll und singe aus voller Brust.“ Letztere präsentierte er, ebenfalls wie gewohnt, mit Blick auf Farbtattoo und Haarpracht. Selbst der Sprint über die Vorbühne zeugt von überbordendem Darbietungsspaß. An den Details beim Bildschnitt wird sicher noch gearbeitet, aber die Show ist – inklusive der bunten und dynamischen Hintergrundeffekte – insgesamt wirklich ansehnlich.

Bulgarien Meet & Greet: Das Bild ihres Vaters

11. Mai 2021 Frank Albers

Victoria sorgte in ihrem Meet & Greet für einen höchst anrührenden Moment, als sie von ihrem schwer erkrankten Vater erzählte. Er ist es auch, der (gemeinsam mit Victoria als Kind) auf dem Foto zu sehen ist, das Victoria während ihres Auftritts auf dem Felsen neben sich liegen haben wird. Es soll eine Überraschung für ihren Vater werden, der bisher nichts davon weiß. Sie möchte mit dieser Geste ausdrücken, den Kontakt zu geliebten Menschen, wie ihrem Vater, zu halten, da die Zeit gnadenlos verinnt und es schnell vorbei sein kann. Dazu auch der symbolische Sand, der bei ihrem Auftritt durch ihre Hände gleitet.

Als sie die Bühne im Ahoy heute zum ersten Mal betrat, hatte sie Tränen in den Augen und konnte nicht glauben, dass nach zwei Jahren Warten und Vorbereitung dieser Moment wirklich wahr wurde. Nach der Absage 2020 und der frühen erneuten Nominierung für 2021 hat sie mit ihrem internationalen Team an „Growing Up Is Getting Old“ gearbeitet, das bereits 2019 geschrieben, für das neue Album und den ESC aber noch einmal komplett überarbeitet wurde.

Victoria ist nach der ersten Probe bereits sehr zufrieden und begeistert wie alle Ideen technisch realisiert werden konnten. Es wird nur noch einige technische Kleinigkeiten zu ändern geben.

Natürlich wurde auch über musikalische Vorbilder gesprochen, im Kontext des ESC hat Salvador Sobral größten Einfluss auf Victoria gehabt. Nach seinen Sieg 2017 wollte sie genau wie er Musik machen, die reale Instrumente in den Vordergrund stellt und dennoch modern ist. Ein schwieriger Spagat wie sie erkennen musste. Salvador käme ihrer Vorstellung von Musik sehr nah.

Fotos: Frank Albers