Bulgarien Probe 1: Das Maerchen geht weiter

11. Mai 2021 Frank Albers

Bulgariens Victoria sitzt mit leuchtend roten Haaren vor einem Sternenhimmel auf einem von Wasser umspülten Felsen, neben sich ein Erinnerungsfoto. Die Projektion ist wunderschön, so wie auch Victorias magische Stimme. Die Inszenierung gehört zu den schönsten des diesjährigen Wettbewerbs und fängt die Atmosphäre des Liedes zauberhaft ein. Victoria wirkt eins mit Lied und Bühnenbild, perfekte Harmonie.

„Growing Up Is Getting Old“ ist ein sehr leises Lied, dass Gefahr laufen könnte, im Trubel des zweiten Halbfianls überhört zu werden, aber durch Victoria und die Inszenierung bekommt es eine Kraft, die den Zuschauern und Juroren auf jeden Fall in Erinnerung bleiben wird.

„Growing Up Is Getting Old“ ist der erste Beitrag Bulgariens seit 2013, der (offiziell) nicht von Borislaw Milanow (ko-)komponiert wurde. Er stammt aus den Federn von Maya Nalani, Helena Larsson, Oliver Björkvall und Victoria selbst.

 

Fotos: EBU

Goedemorgen aus Rotterdam zum 4. Probentag

11. Mai 2021 Frank Albers

Die Morgensonne strahlt über Rotterdam (zumindest hat sie den Kampf mit den Wolken noch nicht ganz aufgegeben) und begrüßt uns zu Tag 4 in der Rotterdamer Eurovision-Blase. Die aktuellen besorgniserregenden Ereignisse in Jerusalem zeigen gerade einmal mehr, wie sehr wir uns in dieser Blase in einem kompletten Paralleluniversum befinden, aber manchmal benötigen wir alle vielleicht diese parallelen Welten, um nicht wahnsinnig zu werden.

Hier in Rotterdam erwartet uns heute die erste Probe der zweiten Starterhälfte des zweiten Halbfinals. Los geht es in den Tag mit Georgien, gefolgt von Albanien, Portugal, Bulgarien, Finnland, Lettland, Schweiz und letztendlich Dänemark.
Verfolgt die aktuellen Berichte des OGAE-Teams von allen Proben und Pressekonferenzen hier bei uns auf ogae.de

Euer
OGAE Team

 

Foto: Frank Albers

Franks Nachtgedanken zum 3. Probentag, 10. Mai

10. Mai 2021 Frank Albers
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Island Meet & Greet: Unsere Tochter heisst jetzt Laura

10. Mai 2021 Frank Albers

Wie die Probe war natürlich auch das Meet & Greet der Isländer ausgesprochen cool. Die ganze Band versammelte sich auf der kleinen Bühne und stellte ihre ESC-Lieblingslieder vor. Interessanterweise sind mehrere Mitglieder von Gagnamagnið große Fans von „Divine“ (Frankreich 2008). Daði wurde ESC-technisch in Dänemark sozialisiert, wo er als Kind lebte. Auch wenn seine Nachbarn dort vor allem andere Isländer und Färinger waren, so sind seine ESC-Lieblingslieder bis heute „Smuk som et stjerneskud“ (DK 2000) und „Der står et billede af dig på mit bord“ (DK 2001).
Überhaupt ist der ESC recht präsent im Leben der Band und so ist auch ihr Auftritt 2021 gespickt mit Anspielungen auf frühere ESC-Beiträge: Der springende Delphin als Zitat aus Yohannas Aufritt 2009 in Moskau, der kreisrunde Synthesizer wurde von Rumänien 2014 abgeguckt, die Drums sind von Ruslanas „Wild Dances“ inspiriert.
Die heutige Probe wurde kräftig gelobt, alles sei super gut gelaufen, bis auf einige technische Kleinigkeiten. Die Bühne sei beeindruckend aber nicht überwältigend. Fasziniert hätte sie vor allem, dass da, wo normalerweise alte Klebestreifen ihre Bühnenposition markieren würde, hier in Rotterdam ihre Namen auf dem Bühnenboden stehen. Große Showwelt!

Höhepunkt des Meet & Greet war aber natürlich die spontane Entscheidung, dass Daði und seine Frau Árný Fjóla ihre Tochter Laura nennen werden, auch wenn Daði damit von Árný Fjóla einigermaßen überrumpelt wurde („Are we going to decide this here and now?“).

Fotos: Frank Albers

Moldau Meet & Greet: Sweet and sexy

10. Mai 2021 Reinhard Ehret

Musik kennt keine Grenzen. So lautet zumindest das Motto des eurovisionsbesessenen Russen Philipp Kirkorov, den wir immerhin seit 1995 schon im Grand-Prix-Zirkus haben und der sich noch an jede seiner diesbezüglichen Tätigkeiten und Auftritte erinnert. Er erzählte dies im Schlepptau seines Schützlings Natalia Gordienko voller verklärter Begeisterung. Ohne den Song Contest kann er sich sein Leben wohl überhaupt nicht mehr vorstellen; schon als junger Mensch wollte er dabei sein – egal in welcher Funktion.

Dieses Jahr ist er Komponist und Produzent des moldauischen Beitrags. Die zuckersüße Natalia bezeichnete sich wortreich und räkelnd gleich zu Beginn des heutigen Meet & Greet als „sweet and sexy“ und stellte dies als die Botschaft ihres Auftritts und ihres Liedes dar. Nach all den entbehrungsreichen Corona-Monaten sei es Zeit, wieder Sex und Liebe zu feiern und Gefühle an die Macht zu lassen. Man möge mittanzen und fröhlich sein. Dass man sie in Moldau nicht mehr „Loca“ ruft, wie das nach ihrem ersten Eurovisionsauftritt 2006 der Fall war, dafür sorgt nun sicher ihr heuriger Auftritt mit „Sugar“. Mit dem inzwischen in Ehren ergrauten und im schicken Gottlieb-Wendehals-Anzug gewandeten Kirkorov an der Seite, könnte Natalias Ausflug nach Rotterdam durchaus erfolgreich werden – in Maßen.


Fotos: Reinhard Ehret

Island Probe 1: Zurueck im Rennen

10. Mai 2021 Frank Albers

Die großen Favoriten des verhinderten Vorjahreswettbewerbs standen auch bei dieser Probe unter großer Beobachtung, auch wenn das öffentliche Interesse an ihnen inzwischen doch ein wenig nachgelassen hat. Würden sich Daði und seine Band Gagnamagnið für ihre Bühnenshow noch einmal etwas ganz besonderes einfallen lassen und erneut die Aufmerksamkeit Europas auf sich ziehen?

Zunächst einmal bleiben sie ihrem Outfit treu: die grünen Trainingsjacken mit den Atari-Köpfen dürfen natürlich auch 2021 nicht fehlen. Neu hinzu kommt ein in drei Drittel zerlegter Kreis-Synthesizer, der am Ende wieder zusammengefügt wird. Die minimalistischen Moves  werden konsequent durchgehalten und auf der LED-Wand tanzen hunderte der bekannten Atari-Gesichter. Zu Beginn des Liedes Streicherklänge aus dem Off, ansonsten die bekannten Elektro-Grooves und die wunderbar statische Inszenierung, wodurch der Auftritt erst richtig cool wird. Am Ende dann nach kurzer „Schlusspose“ Konfettiregen.

Mit dieser Inszenierung sind die Isländer auf jeden Fall wieder im Rennen um die vorderen Plätze.

Fotos: EBU

Moldau Probe 1: Schwungvoll, aber kalorienarm

10. Mai 2021 Reinhard Ehret

Die Süßspeis‘ aus der Republik Moldau erschien auf der Ahoy-Bühne eher in der Diät-Ausgabe. Das wirkte immerhin wohltuend, denn nach dem offiziellen Videoclip war eine quietschbunte Darbietung voller kalorienreicher Requisiten zu erwarten. Stattdessen beschränkte man sich auf bunte, hektische Strichgrafiken als Bühnenhintergrund. Natalia Gordienko hauchte ihren Discoschlager «Sugar» mit ordentlicher Stimmsicherheit in das leere Rund der Arena und ließ sich von vier perfekten Tanzturnern umgarnen, die im dunklen Anzug – aber dennoch muskulös-barbrüstig – Hebungen und zuweilen sogar fuffige Gesten einbrachten. Mittendrin durften wir eine erneute Levina-Gedächtnis-Vogelperspektive genießen, diesmal mit stehender Sängerin und querliegenden gelenkigen Radlern. In High Heels und weißglitzerndem Badeanzug wirkte der moldauische Kirkorov-Schützling nicht gerade farbenfroh, aber durchaus schwungvoll. Um das Publikum in Verzückung zu versetzen, hätte es allerdings anderer Mittel bedurft.

Griechenland Meet & Greet: Die Juengste mit der kompliziertesten Technik

10. Mai 2021 Frank Albers

Für die in den Niederlanden aufgewachsene Stefania war die Pressekonferenz in Rotterdam ein Heimspiel. Sie wechselt spielerisch zwischen Griechisch, Niederländisch und Englisch und ist somit auch wichtigste Übersetzerin für ihre Tänzer mit den niederländischen Bühnentechnikern. Aufgrund der technisch sehr komplizierten Inszenierung ist dieser Dialog auch dringend notwendig. Einer der Tänzer berichtete auch, dass sie nach den ersten beiden Durchgängen heftige Diskussionen mit den Technikern hatten, da nichts so funktionierte wie erhofft. Der dritte Durchgang lief dann deutlich besser, dennoch gäbe es noch viel zu tun. Die Greenscreen-Technik wurde gewählt, um die Tänzer (bzw. die zu sehenen leeren Anzüge) und Stefania als Bewohner der „gesichtslosen Großstadt“ zu zeigen, die erst im letzten Drittel wieder menschlich werden.

Von einer griechischen Journalistin darauf angesprochen, ob Stefania als jüngste Teilnehmerin 2021 den Sieg für Griechenland holen wird, antwortete sie diplomatisch, dass dies das Ziel aller Teilnehmer wäre. Mit der Wahl von „Last Dance“ als Beitrag 2021 wollten Stefania und ihr Team nach „Super Girl“ 2020 die weite Spannbreite griechischen Musikschaffens präsentieren.

Fotos: Reinhard Ehret

Griechenland Probe 1: Tanzen vor Greenscreen

10. Mai 2021 Frank Albers

Griechenlands Stefania wurde für den längsten Teil ihres Auftritts vor einen Greenscreen gestellt, mit der Idee, so zeitweilig ihre Tänzer als leere Anzüge oder Stefania als „Dame ohne Unterleib“ erscheinen lassen zu können. Wozu das auch immer gut sein soll. Leider ist dieser Effekt so unsauber, dass es arg irritierend wirkt.

 

Der Versuch der Griechen einen modern-sachlichen Auftritt hinzulegen, funktioniert so nicht und bedarf dringend noch einiger Überarbeitung, soll das Halbfinale nicht zur Endstation für Griechenland werden. Dabei liegt das Problem tatsächlich weniger an Stefania als an der technischen Umsetzung des von Fokas Evangelios inszenierten Auftritts, was überrascht, denn Evangelios war u.a. auch für die großartigen Auftritte von Sergej Lazrev (2016) und Dima Bilan (2008) verantwortlich.

 

 

Stefania selbst scheint sich zudem in ihrem violetten Hosenanzug auf der Bühne auch nicht wirklich wohl zu fühlen und wirkt sehr verunsichert. Allein ihre gute Stimme rettet den Auftritt.

 

 

Text: Frank Albers, Fotos: EBU

 

Goedemorgen aus Rotterdam vom 3. Probentag

10. Mai 2021 Frank Albers

Es ist Montag und in Rotterdam beginnt eine neue Arbeitswoche. Die Rotterdamer eilen in den mit bunten ESC-Farben und Logos lackierten Metro-Zügen oder über ebenso bunt mit Eurovision-Liedzitaten verzierte Brücken und Straßen zu ihren Arbeitsplätzen und man kann nur hoffen, dass sie sich ein wenig vom ESC-Zauber einfangen lassen. Die Verehrung ihres Sängers Jeangu Macrooy ist bei den Rotterdamern auf jeden Fall inzwischen so groß, dass sie ihm ein riesiges Wandgemälde gewidmet haben (Foto).
In der Eurovision-Blase des Ahoy werden heute weitere akkreditierte Journalisten und Fans eintrudeln und sich wie wir von der unglaublichen Gastfreundschaft der Niederländer begeistern lassen. Was erwartet uns heute? Natürlich gleich als erstes am Vormittag „Adrenalina“ aus San Marino, dem folgen bis zur Mittagspause Estland, Tschechien und Griechenland und am Nachmittag geht es dann mit Österreich, Polen, Moldau und Island weiter. Die Mädels von Hurricane aus Serbien werden den heutigen Probentag abschließen.
Verfolgt die Berichte des OGAE-Teams zu den Proben in aller Ausführlichkeit direkt hier bei uns auf ogae.de.
Viel Spaß.

Text und Foto: Frank Albers