Erste Generalprobe des ersten Halbfinales

9. Mai 2022 Reinhard Ehret

Abgesehen von den 17 Wettbewerbssongs können wir eine gediegene, aber nicht außergewöhnlich spektakuläre Fernsehshow erwarten. Immerhin wird Diodato, umringt von einer beträchtlich großen Tanztruppe, sein „Fai rumore“ singen, mit dem er eigentlich 2020 am Song Contest teilnehmen sollte. Jetzt endlich bekommt er die große Bühne, wenngleich außer Konkurrenz. Die Moderatoren Laura Pausini, Alessandro Cattelan und Mika erledigten ihre Aufgabe allerliebst, aber mit recht uninspirierten Texten. Worte wie „amazing“, „phemomenal“ und „incredible“ werden wir besonders häufig hören. Am Anfang sehen wir einen italienischen Erfinder, der eine Drohne zum Leben erweckt. Diese wird uns in den „Postcards“ durch die schönsten Städte Italiens fliegen und die einzelnen Beiträge einleiten. Ein Laserstrahlen-Tanz, bei dem alle „Vincerò“ mitsingen können und eine rockige „Sound-of-Beauty“-Intronummer am Anfang sowie als Pauseneinlage „Golden Nights“ (Benny Benassi, Sophie and the Giants & Dardust) – das alles wird wenige vom Hocker reißen, aber seinen Dienst tun. An einigen Stellen gab es Umbauverzögerungen, vor allem für den französischen Act, der genauso wie der italienische im morgigen ersten Halbfinale live dargeboten werden wird.

Albanien erweist sich als cooler Opener (wenngleich Ronela heute alles andere als stimmsicher war), zumal die halbnackten und muskulösen Tänzer große Teile des Publikums interessieren werden. Insgesamt fällt auf, dass – inspiriert vom dauerhaft präsenten Motiv der Drohnenbilder – die Kameras sehr viel unterwegs sind. Als Zuschauer sollte man unbedingt schwindelfrei sein. Warum der Schweizer Beitrag einen Bildschnitt nach dem anderen aufweist und Marius ungewöhnlich viel in Bewegung ist (oft muss er die Arme ausbreiten), weiß nur der Stagingchef des SRF. Einige Interpreten hatten schon etwas mit der Nervosität zu kämpfen (so etwa jene aus den Niederlanden, Kroatien und Österreich), aber das pendelt sich hoffentlich noch ein. Zum obligatorischen Programmpunkt ist inzwischen auch die Einbindung des Junior-ESC-Siegers geworden, drum dürfen wir uns auf Malena aus Armenien freuen, die überdies noch ein bisschen über den nächsten Austragungsort Eriwan erzählen wird. Die Spannung steigt also ganz allmählich. Wir halten’s mit den Moldauern: „Hey, ho, let’s go!“

(Hallenfoto: Frank Albers)

Die deutsche Jury wurde bekannt gegeben

9. Mai 2022 Frank Albers

Der NDR hat heute die Mitglieder der deutschen Jury bekannt gegeben:
Es sind
Schlager-Königin und ESC-Telnehmerin 2001 Michelle,
Sänger und Bambi-Preisträger Max Giesinger,
Musikredakteur und „Head of Music“ bei HR3 Christian Brost,
Sängerin und Teilnehmerin der deutschen VE 2017 und 2022 Felicia Lu,
Singer-Songwriterin und Musikdozentin Tokunbo.

(Foto: NDR)

Buongiorno zum 10. Probentag

9. Mai 2022 Frank Albers

Ciao,

nach einem Tag Pause im Pressezentrum und in der Arena, während dem sich alles auf das Schaulaufen auf dem türkisen Teppich konzentrierte, das dann teilweise vom Regen davon gespült wurde, wird es heute erstmals richtig ernst in Turin. Das Juryfinale des ersten Halbfinals steht auf dem Programm, die Hälfte des Ergebnisses des ersten Halbfinals steht also schon in wenigen Stunden fest.
Vorher gibt es aber heute Nachmittag noch eine Durchlaufprobe, von der wir selbstverständlich auch berichten werden.

Das Juryfinale werden Stefan, Marc und Simon heute Abend ab 21 Uhr hier bei uns auf ogae.de als Live-Blog für Euch begleiten. Schaltet Euch also unbedingt dazu. Es wird spannend.

Wir wünschen Euch einen entspannten Tag in die zweite Eurovision-Woche, die Spannung steigt.

Euer
OGAE-Team

 

(Foto: Frank Albers)

Impressionen vom Türkisen Teppich im Regen

8. Mai 2022 Frank Albers

Der Sonntagnachmittag war ganz dem Türkisen Teppich und dem Schaulaufen der ESC-Stars gewidmet, leider hatte das Wetter wenig Erbarmen mit den Sängern und Sängerinnen.

Hier einige eindrückliche Foto-Impressionen von Simon Wennige und Lothar Zimmermann:

 

(Fotos: Simon Wennige/Lothar Zimmermann)

Buongiorno zum probenfreien Sonntag

8. Mai 2022 Frank Albers

Ciao ragazzi!
Die Einzelproben sind seit gestern durch und ein wenig sonntägliche Stimmung legt sich über das regnerische Turin. Der heutige Sonntag ist probenfrei und wir können uns alle für einen kleinen Moment zurücklehnen und darüber sinnieren, was die Proben der letzten Woche an neuen Erkenntnisse gebracht haben. Zeit, die Playlist neu einzustellen und das persönliche Ranking noch einmal grundlegend zu überarbeiten. Mit Sicherheit gab  es da bei den meisten von Euch noch einmal kräftige Veränderungen.

Wir freuen uns auf den „türkisen Teppich“ heute Nachmittag und werden Euch selbstverständlich darüber berichten.

Morgen, Montag, geht es dann mit den ersten Durchlaufproben des ersten Halbfinals weiter.
Bis dahin, habt einen schönen Domenica

Euer
OGAE-Team

 

(Foto: Stefan Ball)

Franks Nachtgedanken zum 8. Probentag

7. Mai 2022 Frank Albers

Frank schaut zurück auf die zweiten Einzelproben der BIG5

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Editor: Reinhard Ehret

Zweite Probe und Pressekonferenz Deutschland: Die Bühne als Wohnzimmer

7. Mai 2022 Reinhard Ehret

Malik lädt uns in ein Wohnzimmerstudio an, das in bräunlich-abendliche Beleuchtung getaucht ist, durch das aber auch ein bisschen Nebel weht. Große Bodenteppiche machen’s dort behaglich. Der Mann mit der Steadycam rast einige Male um den deutschen Sänger herum und macht einen Refrainteil zum Drehmoment. Während des emotional sehr starken Rap-Teils schaut Malik direkt in die Kamera – und das ist gut so. Er wirkt sehr präsent, sehr motiviert und sehr zufrieden mit den Bedingungen – und das kommt zweifelsfrei rüber! In jede der drei Songproben legte Malik sein volles Engagement und war schon zur Mittagszeit stimmlich voll da, absolut fehlerfrei und mitreißend. Umgeben von seinen Instrumenten bekommt man unweigerlich das Gefühl, er sei in diesem Setting zu Hause. Und genau das ist beabsichtigt, denn Authentizität ist für Malik das wichtigste, sagte er später der Presse. In der Coronazeit schlief und wohnte er im Studio. Es geht ihm richtig gut in dieser Umgebung, die sich für ihn sehr „daheim“ anfühlt. Er war – auch im Vergleich zur ersten Probe – äußerst zufrieden mit allem und freut sich darauf, seinen Song mit der Welt zu teilen. Wie er sich auf den kommenden Samstag vorbereiten wird, weiß er noch nicht. Er weiß nur eines: Das Schönste auf der Welt ist es, auf der Bühne zu stehen und fürs Publikum zu singen.

Im Laufe seiner bisherigen Eurovsionserfahrung sei für ihn das Kennenlernen von Fans bislang am schönsten gewesen, der direkte Kontakt zu Menschen, die seine Musik und die des ganzen Contests mögen. Durch die Pre-Partys reiste er in Städte, in denen er vorher noch nie war – und traf dort auf Leute, die sein Album kannten, es mochten und mit ihm darüber sprechen wollten. Das habe ihn sehr berührt und gefreut, sagte Malik. Er hat bereits Freundschaften mit seinen Kollegen aus anderen Ländern geschlossen, beispielsweise mit Mia aus Kroatien und Sam aus Großbritannien. Eigentlich fühle sich das alles gar nicht an wie ein Wettbewerb, sondern eher wie ein Schulausflug. Am Schluss wurde der enorm eloquente Landsberger richtig philosophisch: Die inhaltliche Idee seines Liedes „Rockstars“ habe er bei einer Folge der Comedyserie „The Office“ bekommen, als jemand von der guten alten Zeit sprach und sich gerne wieder dorthin zurückversetzen wollte. Das habe ihn sehr berührt. In der Jugend, so Malik, sei das Glücklichsein sehr einfach. Später beginnt man damit, viel nachzudenken und zu zweifeln, wünscht sich wohl deshalb oft in eine gute alte Zeit zurück. Doch das wichtigste sei: Diese hört nie auf; sie ist gegenwärtig, wenn man die positiven Dinge um sich herum wahrnimmt und lebt, die schöne Zeit gar nicht erst hinter sich lässt. Dass er das Los für die erste Finlahälfte gezogen hat, stört ihn nicht, denn schließlich brachte ihm sogar die Startnummer 1 in der deutschen Vorentscheidung großes Glück. Ein gutes Omen, Malik! Läuft!

Fotos oben: EBU/Screenshots – Foto unten: EBU (Corinne Cumming)

Zweite Probe und Pressekonferenz Italien: Noch nicht im Wettbewerb angekommen

7. Mai 2022 Frank Albers

Die Erwartungshaltungen an Mahmood & Blanco sind nicht nur in Italien riesig, nichts geringers als die Titelverteidigung und den vierten italienischen Sieg will man von ihnen sehen. Auch die internationalen Buchmacher lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es neben der Ukraine nur einen weiteren Topfavoriten geben kann: Italien.
Aber können die beiden diesem Druck und dieser Verantwortung gerecht werden? Nach der zweiten Probe und Pressekonferenz kommen erste Zweifel auf. Beide wirken müde und unkonzentriert, wenn nicht gar lustlos. Die Belastungen durch die aktuellen Tourneen, die beide gerade bewältigen, machen sich bemerkbar. Bei der Probe wirkten sie stimmlich wenig präsent und von der Energie die noralerweise zwischen den beiden brennt, war wenig zu spüren. Übernehmen sie sich? Wollen sie zuviel bzw.“ erwarten Fans und Öffentlichkeit zu viel?
Natürlich betonten sie in der Pressekonferenz, dass sie mit ihrer Probe bis auf einige Kleinigkeiten einigermaßen zufrieden gewesen seien, euphorisch klang das aber nicht. Der Wettbewerb an sich stände zudem für beide nicht im Fokus ihres Interesses, es sei vielmehr wichtig, auf der ESC-Bühne, ihre Musik einem großen europäischen Publikum zu präsentieren. „Und um Spaß zu haben“, ergänzte Blanco, der kein oder nur eingeschränkt Englisch spricht, weshalb alle Fragen und Antworten vom Moderator Mario ins Italienische übersetzt wurden. Das ließ die ohnehin schon wenig dynamische Pressekonferenz noch zäher werden.

Auch die Frage welche Musikrichtung ihm näher liegen würde: Rap, dessen Szene er entstammt oder die Powerballade, die er nun mit Mahmood aufführt, begeisterte Blanco nur bedingt. Er würde sich in allen Musikstilen wohl fühlen, war seine knappe Antwort.
Auch hätte Mahmood Blanco keine Tips gegeben, wie man den Auftritt ESC mit all seinen Nebenschauplätzen am besten und erfolgreichsten bewältigt. Dazu wäre die Atmosphäre von Contest zu Contest zu unterschiedlich.

Dass sie in ihrem Lied „Brividi“ zwei Geschichten vereinen, die Liebe Mahmoods zu einem Mann und die Liebe Blancos zu einer Frau, würde dieses Lied so besonders machen. Wobei es eigentlch egal sei, wem man seine Liebe und Leidenschaft schenken würde, so lange sie ehrlich gelebt würde, betonten beide.

Da Italien aus organisatorischen Gründen bereits vor dem Contest die Startnummer 9 erhalten hatte, brauchten Mahmood & Blanco nicht an die Lostrommel treten, um ihren Startplatz im Finale zu ziehen.

Noch gehören Mahmood & Blanco zu den großen Favoriten dieses Jahrgangs. Sie werden in den kommenden Tagen beweisen müssen, dass sie dem gerecht werden.

 

(Foto 1: EBU, Foto 2,3: EBU/Screenshot)

Zweite Probe und Pressekonferenz Frankreich: We will rock it!

7. Mai 2022 Reinhard Ehret

Das ist nichts für schwache Nerven. Es flackert ohn‘ Unterlass, Flammen lodern, die Kamera wackelt dynamisch-modern, Close-Ups wechseln sich mit Totalen ab, die Schnitte sind schnell und die Stimmen schrill. Doch der chorale Gesang klingt dabei mitreißend gut; die drei Minuten von „Fulenn“ werden zum echten Spektakel. Mit martialischen Mienen und energischer Entschlossenheit wirken die Franzosen äußerst souverän. Ihr bretonisches Electropop-Stück wird also auch von der Inszenierung her einer der auffälligsten Beiträge des Jahres sein. Alvan & Ahez bleiben nach den 25 Songs am kommenden Samstag ganz sicher im Gedächtnis der Zuschauer. Leadsänger Alexis Morvan-Rosius besticht mit einer faszinierenden Präsenz. Am Schluss gibt’s von ihm ein Augenzwinkern, als würde er damit das ernste Dreinschauen etwas revidieren wollen. Die emotionale Power des Vortrags wird man nur schwer überbieten können. Und wenn das im Grand Final genauso – oder sogar noch ausgefeilter – präsentiert wird wie heute beim zweiten Probedurchlauf, muss man sich nicht wundern, wenn Frankreich wieder ganz vorne landet.

Bezüglich der Zukunft keltischer Sprachen ist die Truppe durchaus optimistisch, hieß es in der späteren Pressekonferenz. Man habe kürzlich erst Kontakt zum Walisischen gehabt und dabei die sprachliche Verwandtschaft und auch die besondere Lebendigkeit gespürt. Die Formation wurde zwar speziell für den Song Contest zusammengestellt, doch man schließt eine künftige Zusammenarbeit nicht aus. Alvan bringt bald ein Album raus, auf dem „Fulenn“ enthalten sein wird. Die Band ist sichtlich glücklich darüber, beim Song Contest auftreten zu dürfen, denn der stünde für Vielfalt und Inklusion – und das habe sehr wichtige gesellschaftliche Bedeutung. Die filigranen güldenen Muster auf ihren ansonsten schwarzen Kostümen haben übrigens einen traditionellen Bezug zu einer kleinen Region im äußersten Westen der Bretagne und symbolisieren sowohl Stolz als auch Liebe. Auch wenn man das Los für die erste Finalhälfte zog, lautete das Bekenntnis ganz klar: „We will rock it.“

Fotos: EBU/Screenshots (Foto unten: EBU)

Buongiorno zum 8. Probentag

7. Mai 2022 Frank Albers

Ciao!
Es ist Wochenende in Turin, aber dennoch wird  im Pala Olimpico weiter geprobt, allerdings nur am Samstagvormittag. Die BIG5 haben ihre zweite Einzelprobe.

Los geht es um 10 Uhr mit Frankreich,
es folgen
Italien
Großbritannien
Spanien
und zum Abschluss Deutschland.

Maliks Probe ist für 11:40 Uhr angesetzt, die Pressekonferenz um 12:50 Uhr.
Danach schließt das Pressezentrum fürs Wochenende und öffnet erst am Montag wieder.

Am Sonntag gilt alle Aufmerksamkeit der offiziellen Eröffnung des ESC 2022 und dem Türkisen Teppich, wir werden selbstverständlich auch für Euch von dort berichten.

Wir wünschen Euch ein wundervolles Wochenende und melden uns natürlich auch an diesem Wochenende regelmäßig an dieser Stelle. Nun also kurz etwas Kraft schöpfen, bevor dann in der nächsten Woche die Entscheidungen fallen.

Euer OGAE-Team

(Foto: Stefan Ball)