
7. Mai 2022 Frank Albers
Die Erwartungshaltungen an Mahmood & Blanco sind nicht nur in Italien riesig, nichts geringers als die Titelverteidigung und den vierten italienischen Sieg will man von ihnen sehen. Auch die internationalen Buchmacher lassen keinen Zweifel daran aufkommen, dass es neben der Ukraine nur einen weiteren Topfavoriten geben kann: Italien.
Aber können die beiden diesem Druck und dieser Verantwortung gerecht werden? Nach der zweiten Probe und Pressekonferenz kommen erste Zweifel auf. Beide wirken müde und unkonzentriert, wenn nicht gar lustlos. Die Belastungen durch die aktuellen Tourneen, die beide gerade bewältigen, machen sich bemerkbar. Bei der Probe wirkten sie stimmlich wenig präsent und von der Energie die noralerweise zwischen den beiden brennt, war wenig zu spüren. Übernehmen sie sich? Wollen sie zuviel bzw.“ erwarten Fans und Öffentlichkeit zu viel?
Natürlich betonten sie in der Pressekonferenz, dass sie mit ihrer Probe bis auf einige Kleinigkeiten einigermaßen zufrieden gewesen seien, euphorisch klang das aber nicht. Der Wettbewerb an sich stände zudem für beide nicht im Fokus ihres Interesses, es sei vielmehr wichtig, auf der ESC-Bühne, ihre Musik einem großen europäischen Publikum zu präsentieren. „Und um Spaß zu haben“, ergänzte Blanco, der kein oder nur eingeschränkt Englisch spricht, weshalb alle Fragen und Antworten vom Moderator Mario ins Italienische übersetzt wurden. Das ließ die ohnehin schon wenig dynamische Pressekonferenz noch zäher werden.

Auch die Frage welche Musikrichtung ihm näher liegen würde: Rap, dessen Szene er entstammt oder die Powerballade, die er nun mit Mahmood aufführt, begeisterte Blanco nur bedingt. Er würde sich in allen Musikstilen wohl fühlen, war seine knappe Antwort.
Auch hätte Mahmood Blanco keine Tips gegeben, wie man den Auftritt ESC mit all seinen Nebenschauplätzen am besten und erfolgreichsten bewältigt. Dazu wäre die Atmosphäre von Contest zu Contest zu unterschiedlich.

Dass sie in ihrem Lied „Brividi“ zwei Geschichten vereinen, die Liebe Mahmoods zu einem Mann und die Liebe Blancos zu einer Frau, würde dieses Lied so besonders machen. Wobei es eigentlch egal sei, wem man seine Liebe und Leidenschaft schenken würde, so lange sie ehrlich gelebt würde, betonten beide.
Da Italien aus organisatorischen Gründen bereits vor dem Contest die Startnummer 9 erhalten hatte, brauchten Mahmood & Blanco nicht an die Lostrommel treten, um ihren Startplatz im Finale zu ziehen.
Noch gehören Mahmood & Blanco zu den großen Favoriten dieses Jahrgangs. Sie werden in den kommenden Tagen beweisen müssen, dass sie dem gerecht werden.
(Foto 1: EBU, Foto 2,3: EBU/Screenshot)