Franks Nachtgedanken zum 7. Probentag

6. Mai 2022 Frank Albers

Frank schaut zurück auf den 7. Probentag und auf die letzten Einzelproben des 2. Halbfinals

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Editor: Reinhard Ehret

Zweite Probe und Pressekonferenz Montenegro: Eine Strophe auf Italienisch

6. Mai 2022 Frank Albers

Vladana aus Montenegro hat beschlossen, eine Strophe ihres Liedes auf Italienisch zu singen, nachdem viele Fans ihr geschrieben hätten, wie schön die italienische Fassung sei. Kurzfristig hatte die Delegation Montenegros hier in Turin sogar überlegt, das Lied komplett auf Italienisch zu singen. Allerdings ist die italienische Version langsamer als die englische Version und es ließ sich technisch so kurzfristig mit all den erforderlichen Backing-Tracks nicht mehr umstellen. Deshalb entschied man sich dafür, nur die letzte Strophe von Englisch auf Italienisch umzustellen, was technisch einfacher zu realisieren war.

Für ihren Bühnenauftritt hat sie sich eine gewaltige Sonnen- oder Mondscheibe an ihrem Kleid befestigen lassen, das sie wie eine Priesterin erscheinen lässt. Diese Scheibe gehört zu ihrem von einer französischen Designerin entworfenen, atemberaubenden Kleid, in das an der Vorderseite ebenfalls Leuchten angebracht sind, die in der Form von Lungenflügeln strahlen, um das Atmen eines an Covid erkrankten Menschen darzustellen. Gesteuert werden die kleinen Lampen durch den Gesang Vladanas.

Ansonsten ist die Bühne primär in stilles Blau gehüllt, bis auf einige Bilder von Menschen, die an die Opfer der Pandemie erinnern sollen. Auf darüber hinausgehendes graphisches Spektakel verzichten die Montenegriner aber weitestgehend, wodurch der Aufritt etwas sehr Ruhiges bekommt, aber auch Feierliches. Vladanas große Stimme kann sich in dieser Atmosphäre voll entfalten und alle Konzentration geht auf sie und ihr Lied.

Der Inhalt ihres Lied ist für Vladana von sehr großer Bedeutung, was sie genau damit verbindet könnt Ihr in unserem Artikel zur ersten Pressekonferenz nachlesen. Darüber hinaus gehend betonte sie noch einmal, dass sie mit ihrem Lied auch all diejenigen anklagt, die sich allen Schutzmaßnahmen verweigern, nie eine Maske tragen und andere Menschen, wie ihre Mutter, damit in den Tod getrieben hätten. Insbesondere in Montenegro wäre die Ingnoranz der Pandemie gegenüber besonders groß gewesen. Sehr viele Menschen hätten sich an keinerlei Regeln gehalten und sich damit schuldig gemacht.

In der Pressekonferenz  überraschte sie mit einem recht unbequem aussehenden Space-Outfit, das ebenfalls von einem französischen Designer-Team stammt. Da Mode neben Musik eine große Bedeutung für Vladana hat, würde sie beides gerne enger miteinander verbinden. Sie könnte sich vorstellen, all ihre Eurovsions-Outfits in einem Konzert zu präsentieren.

Neben Covid ist Presse- und Meinungsfreiheit ein wichtiges Thema für sie. Diese sollten immer geschützt sein, aber in vielen Teilen Europas wäre das heute nicht mehr der Fall und das würde sie als studierte Journalistin sehr besorgt machen. Andererseits wünscht sie sich dringend Regeln hinsichtlich Hate-Speech in den Sozialen Medien, hier wäre dringend mehr Kontrolle erforderlich.

(Foto 1: EBU, Foto 2,3: EBU/Screenshot)

Zweite Probe und Pressekonferenz Estland: Ritt in den Sonnenuntergang

6. Mai 2022 Frank Albers

Für die estnische Inszenierung wurde ein Filter über die Kameras gelegt, so dass alles  wie eine vergilbte Filmkopie wirkt, mit der man wohl alte Western-Stimmung erzeugen möchte. Nach einer Weile verschwinden die Filter und wir finden uns in der kargen Landschaft wieder, die wir schon aus Stefans Video kennen. Als einsamer Cowboy steht Stefan mit seiner Gitarre und in heller Cowboy-Cluft mitten in dieser unwirklichen Landschaft, die sich im Verlauf der drei Minuten zunächst in violettes und weißes Licht, später in einen roten Sonnenuntergang auflöst, im Hintergrund die dunkle Sonne. Stefan nutzt die volle Größe der riesigen Bühne und überquert sie mit schnellen Schritten gefühlt gleich mehrmals. Er ist stimmlich brilliant und auch der Auftritt steht und überzeugt.

 

In der anschließenden Pressekonferenz bestätigte er, dass er allein auf der Bühne bleiben wird und es nicht geplant sei, kurzfristig noch Tänzer als ihn begleitende Cowboys einzufliegen. Er wäre mit der Inszenierung rundum zufrieden so wie sie jetzt ist. Mehrere Fragen griffen das Thema Western auf und Stefan erzählte von seiner Liebe zu Westernfilmen und seinem großen Vorbild Johnny Cash, wobei er sich nicht anmaßen wolle, ihm auch nur ansatzweise nahe zu kommen. Die ungewöhnliche Situation, dass ein nordeuropäisches Land wie Estland durch einen Countrysong (der eigentlich eher ein Westernsong im Stil von Ennio Morricone ist) vertreten würde, hätte zu Hause nur positive Zustimmung gefunden. Vor allem seine Eltern hätten ihn sehr bestärkt und unterstützt, das richtige Lied ausgewählt zu haben.
Wenn er in Turin gerade nicht proben oder Interviews geben würde, würde er versuchen die Stadt zu genießen, auch wenn es seit seiner Ankunft nur geregnet habe.  Mehr zu Stefan und seinem Lied könnt ihr in unserem Bericht zum Meet & Greet nachlesen.

Foto 1: EBU, Foto 2,3: EBU/Screenshot

 

 

Zweite Probe und Pressekonferenz Irland: Vom Singen und Turnen

6. Mai 2022 Reinhard Ehret

Text: Reinhard Ehret/Frank Albers

Man singt dieses Jahr gern mal im Liegen. So beginnt auch die Irin auf dem Rücken. Ihr „That’s Rich“ klingt wie ein Kylie-Minogue-Schlager aus den frühen 90ern. Brooke war heute stimmlich relativ gut disponiert, wobei der Wechsel in die Kopfstimme nicht immer gelang. Dennoch hatten sie und ihre vier gelenkigen Kumpaninnen offenbar besten Spaß. Bis auf die Anfangseinstellung aus der Vogelperspektive, wobei alle Fünfe lasziv in einem großen roten Herzen liegen, ist das Stück recht klassisch inszeniert. Steadycam, Totale, Close-Ups und sehr viel Geturne – die Tänzerinen schlenkern dabei energisch mit ihren Pferdeschwanz-Zöpfen –  und sonst viel pinkes und blaues Licht, das ordentlich flackert. Besonders originell ist das Ganze nicht, weshalb es für Brooke nicht ganz einfach werden wird, sich bei den Leuten ins Gedächtnis zu singen und zu turnen. In der Halle mag der Wumms des Rhythmus-Basses durchaus funktionieren, aber ob sich das über die Bildschirme transportiert, ist fraglich. Immerhin wird die weiß-bläuliche Tanzformation für ein bisschen Schwung sorgen; zumindest im Halbfinale.

 

Für die Pressekonferenz hatte sie ihre Tänzer und Tänzerinnen dann Backstage gelassen und stellte sich allein der Handvoll Journalisten und Fans im Pressezentrum sowie den Online-Reportern. Wie immer wenn es um Irland geht, ging es auch um die große Eurovision-Tradition. Irlands erste Siegerin Dana hat sich natürlich bereits bei Brooke gemeldet, um ihr Glück zu wünschen, vor allem auch da sie beide aus Derry stammen. Mit „Mr. Eurovision“ Johnny Logan versucht Brooke noch Kontakt aufzubauen, hätte sich aber bisher noch nicht getraut, die „Gods of Eurovision“ anzurufen.
Nach dem Sieg bei der irischen Vorentscheidung hat sie vor Glück einen Burger und einen großen Jameson-Whiskey genossen, sollte sie das Finale erreichen, würde sie diese Portion auf jeden Fall verdoppeln und auf einen Jameson-Werbevertrag hoffen.
Außer auf ihr Lieblingsgetränk Whiskey freut sie sich auf eine Möglichkeit, mit Ronela aus Albanien zusammenzuarbeiten. Seit den Pre-Partys wären sie und Ronela zusammen mit Emma aus Malta, Chanel aus Spanien und WRS aus Rumänien die engste Partyclique, zu der auch noch Australiens Sheldon gehört. Sie wären beste Freunde geworden und Brooke möchte sie niemals verlieren. Die Unterstützung innerhalb dieser Clique aber auch zwischen allen anderen Teilnehmern wäre enorm und sie hätte dies niemals erwartet.
Genauso wenig erwartet hätte sie, dass sie seit Wochen die Schlagzeilen in den irischen Medien dominieren würde. Darüber hinaus kann sie die Veröffentlichung ihres neues Liedes nicht abwarten, von dem sie glaubt, dass es noch besser wäre als „It’s Ritch“.

 

(Foto 1: EBU, Foto 2,3: EBU/Screenshot)

Buongiorno zum 7. Probentag

6. Mai 2022 Frank Albers

Ciao, nach dem langen Probentag gestern und dem Einstieg der BIG5 ins Grand-Prix-Rennen wird es heute etwas ruhiger: Es probt nur noch die letzte Teilnehmer-Gruppe aus dem zweiten Halbfinale zum zweiten Mal.
Als erstes wird heute morgen um 10 Uhr das Team um Sheldon aus Australien auf der Bühne stehen.

Amschließend geht es weiter mit
Zypern
Irland
Nordmazedonien
Estland
Rumänien
Polen
Montenegro
Belgien
Schweden
und mit Tschechien zum Abschluss.

Wir wünschen Euch einen vergnüglichen Proben-Freitag und wie immer könnt ihr natürlich alles bei uns hier auf ogae.de mitverfolgen.

Euer

OGAE-Team

 

 

(Foto: Internet)

 

Franks Nachtgedanken zum 6. Probentag (5. Mai)

6. Mai 2022 Frank Albers

Frank schaut zurück auf den 6. Probentag mit den ersten Proben Deutschlands und der anderen BIG5.

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Editor: Reinhard Ehret

Erste Pressekonferenz Deutschland: Malik im Rausch der Gefühle

5. Mai 2022 Frank Albers

Deutschland bildete den Abschluss, alle Teilnehmer haben nun mindestens einmal geprobt.

Die Bilder von Maliks Probe zeigen eine Inszenierung, die an einen intimen Club erinnert, also an das, wo Malik auch normalerweise zu Hause ist. Bühnenbildner Florian Wieder hat sich eine sehr dunkle Bühne ausgedacht, auf der mehrere Instrumente verteilt sind, die Malik, nur in einem einfachen T-Shirt (er probierte sowohl ein weißes wie auch ein dunkles aus), Jeans und weißen Sneakern gekleidet, alle während seines Auftritts spielt. Viel mehr geben die freigegebenen Bilder nicht her, aber es erinnert atmosphärisch ein klein wenig an das Bühnenbild von Max Mutzkes Auftritt 2004 in Istanbul, nur ohne Barhocker und weitere Musiker.

Auch Malik wollte in der anschließenden Pressekonferenz nicht mehr sagen. Wir sollen uns einfach von der zweiten Probe am Samstag überraschen lassen.
In der Pressekonferenz, die eigentliche ein „Meet & Greet“ war und die Malik ganz allein ohne die übrige deutsche Delegation bestritt, schwärmte er noch einmal voller Euphorie von den letzten Wochen seit seinem Sieg bei der deutschen Vorentscheidung. Die Fans würden ihn mit ihrer Leidenschaft tragen und er wäre immer noch komplett „gehyped“ davon. Die letzten Wochen hätten ihn an Orte gebracht, an denen er noch nie zuvor war und wo trotzdem Leute auf der Straße seinen Namen kannten und ihm zuriefen, wie beispielsweise in Tel Aviv, wo er eine der ESC-Pre-Partys besuchte. Wobei die beste aller Pre-Partys das Konzert in Amsterdam gewesen wäre, da es in einer richtigen Konzerthalle stattgefunden hätte. Momentan fühle er sich immer noch wie in einem Rauch, der mit Sicherheit bis zum 14. Mai anhalten wird. Direkt danach würde er sich als erstes einen Gin Tonic gönnen, egal wie das Ergebnis ausfällt. Nach nur einem Tag Pause beginnt dann aber bereits am 16. Mai seine Deutschland-Tournee und er befürchtet, er hätte sich mindestens einen Tag mehr Pause gönnen sollen, aber Liveauftritte wären wie eine Sucht für ihn.
Fragen zur Entstehungsgeschichte von „Rockstars“ beantwortete er auch bei dieser Pressekonferenz mit einer ganz speziellen Folge der Serie „The Office“ wo genau das Thema – ständige Rückblicke in die „guten alten Zeiten“ – im Zentrum stand. Dies war für ihn der Auslöser für „Rockstars“, das er kurz darauf schrieb, weil er ausdrücken wollte, dass das permanente sich Rückbesinnen auf gute alte Zeiten nichts bringt, man sollte die guten Zeiten leben wenn sie noch Gegenwart sind.
Alles andere ging dann ganz schnell: die Idee seines Freundes Robin, sich für die deutsche Vorentscheidung zu bewerben, dort „Rockstars“ einzureichen, von der Jury ausgewählt zu werden und dann auch noch die Vorentscheidung zu gewinnen. Er ist immer noch wie im Film.

Durch die Teilnahme an den Pre-Partys hätte er nahezu alle anderen Teilnehmer kennengelernt und zu fast allen hat er einen sehr engen Draht aufgebaut. Inzwischen würde es sich eher wie eine Klassenfahrt anfühlen und nicht wie ein Wettbewerb. Den engsten Kontakt hätte er zu Jeremie aus Belgien („yeah, we are bros“) aber auch zu Sam Ryder und dem Balush Orchestra. Das ukrainische Lied würde ihn absolut begeistern. Mit Mia aus Kroatien würde er gerne mal zusammenarbeiten.

 

Das Motto des Contests 2022 „Sound of Beauty“ würde ihn an seinen verstorbenen Großvater denken lassen, der Opernsänger war und dessen Stimme für ihn das Sinnbild von „Sound of Beauty“ wäre.
Seine Lieblingszuschauerin beim Finale ist seine in den USA lebende 87jährige Oma, zu der er ein sehr enges Verhältnis hat, und die sich gerade ein Tattoo stechen lassen hat und das Finale morgens live um 5 Uhr anschauen würde. Sie sei ein wahrer Rockstar.

Am Samstag um 11.40 Uhr geht es mit Maliks zweiter Pressekonferenz und Probe weiter.

(Fotos: EBU/Screenshot)

 

Erste Probe Deutschland – erste Bilder von Maliks Performance

5. Mai 2022 Frank Albers

Die ersten Bilder von der deutschen Probe heute Abend.

 

Der Bericht von der Pressekonferenz, die aufgrund von Verzögerungen erst gegen 21 Uhr stattfinden wird, folgt entsprechend später

 

Fotos: EBU

Erste Probe und Meet & Greet Italien: Eurovision zwischen Konzerten

5. Mai 2022 Frank Albers

Es war am Gastgeber und großen Favoriten Italien, ein erstes Geheimnis preiszugeben. Wie wird die Bühne aussehen? Soweit man die Bilder und kurzen Ausschnitte interpretieren kann, werden sich Mohmood & Blanco unter einer Art aus Scheinwerfern gebildeten Kuppel befinden, mit viel Nebel und den vorherrschenden Farben Silber, Grau und Violett. Über die Fotos hinausgehende Details wollte Mahmood in der anschließenden Pressekonferenz nichts verraten, es würde noch einige Überraschungen geben, bisher wäre er zudem nur bedingt zufrieden mit dem, was auf der Bühne passiert. Auf jeden Fall wären dies nicht die Kleider, die er im Finale tragen wird. Überhaupt war diese Probe eher nur ein kleiner Test, denn Mahmood stand ohne Blanco auf der Bühne. Blanco hatte einen anderen Termin, er gab ein Konzert in Florenz und wurde durch ein „Stand-in“ bei der heutigen Probe ersetzt. Ohnehin hatte man das Gefühl, dass dieser Probentermin für beide irgendwie in den Kalender gequetscht wurde und eher ungelegen kam. Blanco hatte parallel ein Konzert und Mahmood kam vollkommen übermüdet mit nur zwei Stunden Schlaf von einem Konzert in Madrid zurück. Man kann für ihren Auftritt im Finale nur hoffen, dass sie in den kommenden Tagen etwas mehr auf den ESC fokussiert sein werden.

Mahmood ist stolz wieder beim ESC antreten zu können, da sein zweiter Platz 2019 ein unvergessliches Erlebnis gewesen sei, dass immer ein wichtiger Bestandteil seines Lebens bleiben wird. Nun mit Blanco in Turin auf der Bühne stehen zu können, wäre noch einmal ganz etwas anderes. Genauso wäre „Brividi“ ein, aus seiner Sicht sehr viel reiferes Lied als „Soldi“, das er als Jugendlicher geschrieben hat. „Brividi“ hätte sehr viel mehr Ebenen und würde zudem die Gefühle von zwei verschiedenen Generationen transportieren.

 

„Brividi“ ist über einen realitiv langen Zeitraum entstanden. Zunächst gemeinsam im Studio von Michelangelo, dem Produzenten von Blanco, anschließend hätten sie, getrennt von einander, für zwei Monate jeder für sich am Text gearbeitet. Mahmood hatte sich dafür ins Haus seiner Mutter nach Sizilien zurückgezogen. Es war Blanco und ihm wichtig, jeder für sich seine Gefühle zu Beziehungen in Text umzusetzen und dann zusammenzuführen. Diese beiden sehr unterschiedlichen Perspektiven, die sich im Text wiederspiegeln, würden „Brividi“ so besonders machen. Vor allem für Mahmood, der leidenschaftlich gerne Texte für seine eigenen Lieder aber auch für andere Sänger schreibt, wäre dies ein sehr ungewöhnlicher und leerreicher Prozess gewesen. Ob es über „Brividi“ hinaus eine weitere Zusammenarbeit mit Blanco geben wird, wäre noch offen, aber er würde es sehr hoffen. Momentan wären beide aber mit ihren jeweiligen Tourneen sehr beschäftigt.
Auf die Frage eines italienischen Journalisten, ob Mahmood sich vorstellen könnte, ein ebenso starkes Statement wie Maneskin zum Krieg in der Ukraine abzugeben („Fuck Putin“) antwortete er, dass er es furchtbar finden würde, in einen Wettbwerb mit anderen Künstlern zu treten, wer lauter oder deftiger gegen den Krieg protestiert, sondern dass jeder seinen eigenen Weg und Stil finden sollte, sich gegen den Krieg zu positionieren. Denn es ginge um das Leid in der Ukraine und nicht darum wer im Westen am lautesten dagegen protestiert.

 

Foto 1,2: EBU, Foto 3: EBU/Screenshot

 

Zweite Probe und Pressekonferenz Aserbaidschan: Wie ein Wasserfall

5. Mai 2022 Reinhard Ehret

Nadir Rustamli spart ordentlich Lichtkosten ein. Bei einem Song namens „Fade To Black“ bietet sich das ja auch an. Sein Auftritt ist sehr dunkel gehalten, wenngleich durch Gegenlichteffekte und weiße Strahler das Ganze durchaus auch mal heller wird. Im sackleinenen, aber modischen Jogging-Outfit sang er heute sein Lied in drei gediegenen Durchläufen, wenngleich er’s grundsätzlich nicht leicht hat. Da wird zuweilen im Liegen (auch Seitenlage!) gesungen. Alles in allem hatte er seine Töne im Griff, musste aber merken, dass vor allem die kopfstimmigen Schreiphasen absolute Präzision erfordern. Im dritten Durchlauf gelang ihm das wirklich perfekt. Sein tanzendes Alter Ego macht absolut identische Bewegungen, trennt sich aber bald von ihm, was man durch ein Auseinanderdriften der Großtreppe symbolisiert. Nadir beobachtet seinen dunkelhäutigen Gegenpart im Laufe des Vortrags von Gegenüber – bis hin zum finalen Fall ins Dunkel. „Fade To Black“ eben. Wir sehen mit dem aserbaidschanischen Beitrag eine coole und markante Darbietung, der aber irgendwie der Zauber fehlt.

Nadir spricht kaum Englisch und erzählte die Geschichte seines Songs gegenüber den Akkreditierten in seiner Sprache – dies aber sehr quirlig wie ein Wasserfall. Alles dreht sich ums Weiterkommen im Leben – Stufe für Stufe. Manchmal ist es schwierig, sich von den Problemen der Vergangenheit und der Gegenwart zu lösen. Man muss sich aber seinen Ängsten stellen, um gegen sie ankämpfen und sich weiterentwickeln zu können. Seine Zusammenarbeit mit dem ESC-Sieger von 2011 Eldar Qasimov sei sehr angenehm; dieser motiviere ihn immer wieder und er lerne sehr viel von ihm, insbesondere was die professionelle Herangehensweise an seinen Auftritt angehe. Nadirs Respekt und Zuneigung gegenüber Eldar gipfelte in dem ganz sicher von Herzen kommenden Satz: „I love you, Eldar.“

Foto oben: EBU/Screenshot – Foto unten: EBU