Franks Nachtgedanken zum 6. Probentag (5. Mai)

6. Mai 2022 Frank Albers

Frank schaut zurück auf den 6. Probentag mit den ersten Proben Deutschlands und der anderen BIG5.

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Editor: Reinhard Ehret

Erste Pressekonferenz Deutschland: Malik im Rausch der Gefühle

5. Mai 2022 Frank Albers

Deutschland bildete den Abschluss, alle Teilnehmer haben nun mindestens einmal geprobt.

Die Bilder von Maliks Probe zeigen eine Inszenierung, die an einen intimen Club erinnert, also an das, wo Malik auch normalerweise zu Hause ist. Bühnenbildner Florian Wieder hat sich eine sehr dunkle Bühne ausgedacht, auf der mehrere Instrumente verteilt sind, die Malik, nur in einem einfachen T-Shirt (er probierte sowohl ein weißes wie auch ein dunkles aus), Jeans und weißen Sneakern gekleidet, alle während seines Auftritts spielt. Viel mehr geben die freigegebenen Bilder nicht her, aber es erinnert atmosphärisch ein klein wenig an das Bühnenbild von Max Mutzkes Auftritt 2004 in Istanbul, nur ohne Barhocker und weitere Musiker.

Auch Malik wollte in der anschließenden Pressekonferenz nicht mehr sagen. Wir sollen uns einfach von der zweiten Probe am Samstag überraschen lassen.
In der Pressekonferenz, die eigentliche ein “Meet & Greet” war und die Malik ganz allein ohne die übrige deutsche Delegation bestritt, schwärmte er noch einmal voller Euphorie von den letzten Wochen seit seinem Sieg bei der deutschen Vorentscheidung. Die Fans würden ihn mit ihrer Leidenschaft tragen und er wäre immer noch komplett “gehyped” davon. Die letzten Wochen hätten ihn an Orte gebracht, an denen er noch nie zuvor war und wo trotzdem Leute auf der Straße seinen Namen kannten und ihm zuriefen, wie beispielsweise in Tel Aviv, wo er eine der ESC-Pre-Partys besuchte. Wobei die beste aller Pre-Partys das Konzert in Amsterdam gewesen wäre, da es in einer richtigen Konzerthalle stattgefunden hätte. Momentan fühle er sich immer noch wie in einem Rauch, der mit Sicherheit bis zum 14. Mai anhalten wird. Direkt danach würde er sich als erstes einen Gin Tonic gönnen, egal wie das Ergebnis ausfällt. Nach nur einem Tag Pause beginnt dann aber bereits am 16. Mai seine Deutschland-Tournee und er befürchtet, er hätte sich mindestens einen Tag mehr Pause gönnen sollen, aber Liveauftritte wären wie eine Sucht für ihn.
Fragen zur Entstehungsgeschichte von “Rockstars” beantwortete er auch bei dieser Pressekonferenz mit einer ganz speziellen Folge der Serie “The Office” wo genau das Thema – ständige Rückblicke in die “guten alten Zeiten” – im Zentrum stand. Dies war für ihn der Auslöser für “Rockstars”, das er kurz darauf schrieb, weil er ausdrücken wollte, dass das permanente sich Rückbesinnen auf gute alte Zeiten nichts bringt, man sollte die guten Zeiten leben wenn sie noch Gegenwart sind.
Alles andere ging dann ganz schnell: die Idee seines Freundes Robin, sich für die deutsche Vorentscheidung zu bewerben, dort “Rockstars” einzureichen, von der Jury ausgewählt zu werden und dann auch noch die Vorentscheidung zu gewinnen. Er ist immer noch wie im Film.

Durch die Teilnahme an den Pre-Partys hätte er nahezu alle anderen Teilnehmer kennengelernt und zu fast allen hat er einen sehr engen Draht aufgebaut. Inzwischen würde es sich eher wie eine Klassenfahrt anfühlen und nicht wie ein Wettbewerb. Den engsten Kontakt hätte er zu Jeremie aus Belgien (“yeah, we are bros”) aber auch zu Sam Ryder und dem Balush Orchestra. Das ukrainische Lied würde ihn absolut begeistern. Mit Mia aus Kroatien würde er gerne mal zusammenarbeiten.

 

Das Motto des Contests 2022 “Sound of Beauty” würde ihn an seinen verstorbenen Großvater denken lassen, der Opernsänger war und dessen Stimme für ihn das Sinnbild von “Sound of Beauty” wäre.
Seine Lieblingszuschauerin beim Finale ist seine in den USA lebende 87jährige Oma, zu der er ein sehr enges Verhältnis hat, und die sich gerade ein Tattoo stechen lassen hat und das Finale morgens live um 5 Uhr anschauen würde. Sie sei ein wahrer Rockstar.

Am Samstag um 11.40 Uhr geht es mit Maliks zweiter Pressekonferenz und Probe weiter.

(Fotos: EBU/Screenshot)

 

Erste Probe Deutschland – erste Bilder von Maliks Performance

5. Mai 2022 Frank Albers

Die ersten Bilder von der deutschen Probe heute Abend.

 

Der Bericht von der Pressekonferenz, die aufgrund von Verzögerungen erst gegen 21 Uhr stattfinden wird, folgt entsprechend später

 

Fotos: EBU

Erste Probe und Meet & Greet Spanien: Stierkampf-Vibes, nackte Haut und Chanel als wilde Torera

5. Mai 2022 Marc Gehring

Hola Espana! Buenas tardes desde Torino. Mit Hochspannung wird der erste Auftritt von Spaniens Energiebündel Chanel Terreo in Turin erwartet. Die erste Probe ihres Liedes “SloMo” findet zwar wieder hinter verschlossenen Türen statt, aber dank Eurovision.TV und TikTok können wir euch die ersten Eindrücke schildern. Chanel hat sich in den letzten Wochen bei den Promo-Auftritten zu einem Fanliebling entwickelt und ist in den Wettquoten sogar in die Top 5 geklettert. Die Erwartungshaltung insbesondere in Spanien und Lateinamerika ist in ungeahnte Höhen gestiegen.

Los geht’s! Chanel wird von fünf Tänzer:innen begleitet: Exon Arcos, Josh Huerta, María Pérez, Pol Soto und Raquel Caurin. Für die Bühnenshow ist Kyle Hanagami verantwortlich. Chanel trägt einen atemberaubenden langärmeligen Body, der mit silbern glitzernden Ornamenten übersät ist.  Aber auch für Sexyness ist gesorgt, da Chanel viel Bein zeit und dazu enge Stiefel trägt. Ihre Tänzer führen im knappen Torero-Jäckchen und  mit nackter Brust eine Art Stierkampf-Tanz auf. Diese Inszenierung passt natürlich zu Spanien wie die Faust aufs Auge. Bei “Let’s Dance” würde es dafür sicher 30 Punkte von Jorge Gonzalez, Motsi Mabuse und Joachim Llambi geben! Bekommt Chanel dafür auch “Douze Points” von den ESC-Fans?

Der Song “SloMo” stammt aus der Feder von Arjen Thonen, Ibere Fortes, Keith Harris, Leroy Sánchez (Spanien 2021:” Voy A Quedarme”) und Maggie Szabo. Eigentlich sollte Jennifer Lopez diesen Song singen, aber Chanel griff zu und veredelte das Gesamtpaket Dank ihrer atemberaubenden Tanzeinlagen und Outfits.

Das Meet & Greet mit Moderator Mario Acampa war für 19:35 Uhr angesetzt. Es ist nun 20:15 Uhr und es sind weit und breit noch keine Chanel und ihre Toreros zu sehen oder hören. Dann geht es endlich los und Chanel zieht mit ihrem Charme alle Blicke auf sich. Sie berichtet, dass sie zum ersten Mal in Turin ist und mit der Probe sehr zufrieden ist. Es werde nur noch kleinere Optimierungen geben, aber mehr möchte sie nicht verraten.

Dann schwärmt sie vom Choreograf Kyle Hanagami, der in ihren Augen der Beste der Welt ist. Beim ersten Aufeinandertreffen habe sie sich gefühlt wie ein Teenie-Fan. Alles lief hochprofessionell ab. In nur zwei Stunden entwickelten sie die Choreografie. Singen und Tanzen gleichzeitig ist nach Chanels Ansicht die Königsklasse, aber Kyle schafft es beide Elemente perfekt zu verbinden. Sie sind jetzt sogar Freunde geworden und Chanel bezeichnet ihn als “Mi Angel”. Geübt hat sie “SloMo” zunächst auf einem Laufband in High Heels um bestmöglich vorbereitet zu sein. Mit ihren Tänzern verbringt sie inzwischen soviel Zeit, dass sie diese liebevoll “Mi familia” nennt.

“SloMo” ist Chanels erster Song, aber sie war in den vergangenen Monaten in den USA und hat bereits weitere Songs aufgenommen. Natürlich hat sie als gebürtige Kubanerin den Latino-Rhythmus im Blut. Trotzdem möchte sie sich in Zukunft gerne ausprobieren und ist auch anderen Genres aufgeschlossen gegenüber. Gegen Ende des Meet & Greet plauderte sie noch ein wenig aus dem Nähkästchen, dass sie überall und ständig Mango-Saft trinkt. Außerdem hat sie 2011 eine Tanz-Audition gewonnen und durfte daraufhin gemeinsam mit Shakira tanzen, was sie sehr geprägt hat.

Fazit: Nach einer langen Durststrecke hat Spanien in Turin endlich mal wieder einen Latino-Kracher am Start mit dem Potenzial, insbesondere im Televoting unter die Top 5 zu kommen. Bravo Espana!

Fotos: EBU und Screenshot Eurovision.TV

Erste Probe und Meet & Greet Grossbritannien: Ein Raumfahrer mit unglaublicher Stimme

5. Mai 2022 Sigi Doppler

Als Sam Ryder von der Moderatorin Laura Carusino zum Meet & Greet angekündigt wurde und dieser noch hinter den Kulissen stand, schien es, als könne er die Begegnung mit ihr, sowie den Fans und Journalisten da draußen kaum abwarten. Die Kamera konnte bereits beobachten, wie er in einem rasanten Lauf durch den schmalen Gang hinter dem Saal losrannte, um zwei Sekunden später der Moderatorin überglücklich in die Arme zu fallen. Aus seinem schönen langen Haar hatte er einen Dutt gebunden, der wie ein dicker Schneeball auf seinem Kopf saß. Mit seiner ersten Probe, die eine Stunde zuvor auf der ESC-Bühne stattfand, schien er äußerst zufrieden zu sein. Obwohl diese Probe noch gar nicht öffentlich stattfand, veröffentlichte die EBU wenigstens ein paar Fotos, die zeigen, dass Sam in einem schwarzen Overall vor einem großen Stahlrohrgerüst steht, das vermutlich eine Raumstation darstellen soll, während er inbrünstig sein “Space Man” präsentierte.

Gleich die erste Frage des Radio International Moderators Jürgen Börnig bezog sich auf Sams Besuch bei der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA. Dorthin hatte es ihn nun schon zweimal verschlagen, nicht zuletzt weil er durch seinen ESC-Beitrag mittlerweile so etwas wie ein echter Raumfahrer geworden ist. Sams Redeschwall wollte kein Ende nehmen und man merkte ihm an, wie sehr er diesen Moment genießt und auch wie sehr für ihn durch sein Hiersein ein Traum wahr geworden ist. Schließlich sei er schon als Teenager ein großer Fan des ESC gewesen und seit seine Lieblingsband Lordi 2006 gewann, hat er sich nie mehr ein Finale entgehen lassen.

Obwohl er schon seit 2009 bereits als Sänger und Gitarrist in mehreren Bands erfolgreich musizierte, kam sein Durchbruch erst vor knapp 2 Jahren, als er durch Tik Tok mit selbst gesungenen Coverversionen großer Hits zum Internetstar wurde. Daraufhin erhielt er einen Plattenvertrag bei TaP und seine Karriere nahm Fahrt auf. Seine diesjährige Teilnahme am geliebten ESC sei für ihn jedoch der bisherige absolute Höhepunkt. Weiter erzählte er, wie er seinen ESC-Beitrag geschrieben hat. “Diese Melodie war ganz plötzlich in meinem Kopf und innerhalb von 10 Minuten war das Lied geschrieben.” Nun fehlten nur noch ein Text und ein paar musikalische Kleinigkeiten, die anschließend von den Songwriter*innen Max Wolfgang und Amy Wadge beigesteuert wurden.

Bevor nun allzu schnell die unterhaltsamen Minuten dieses Meet & Greet vorbei waren hatte Laura Carusino noch die Idee, bei Tik Tok ein gemeinsames Foto mit ihr und Sam zu veröffentlichen. Natürlich war Sam sofort lachend dabei. Zum guten Schluss aber durfte er noch Teile seines ESC-Beitrags zum Besten geben. Man hätte eine Stecknadel fallen hören können, als er mit seiner außergewöhnlich variablen Stimme den Saal ausfüllte und Viele dachten, dass einer wie er durchaus das Zeug hätte, den ESC zu gewinnen. Ausgeschlossen ist es mit einem starken Lied wie diesem sicher nicht.

Fotos EBU / Screenshots

Erste Probe und Meet & Greet Italien: Eurovision zwischen Konzerten

5. Mai 2022 Frank Albers

Es war am Gastgeber und großen Favoriten Italien, ein erstes Geheimnis preiszugeben. Wie wird die Bühne aussehen? Soweit man die Bilder und kurzen Ausschnitte interpretieren kann, werden sich Mohmood & Blanco unter einer Art aus Scheinwerfern gebildeten Kuppel befinden, mit viel Nebel und den vorherrschenden Farben Silber, Grau und Violett. Über die Fotos hinausgehende Details wollte Mahmood in der anschließenden Pressekonferenz nichts verraten, es würde noch einige Überraschungen geben, bisher wäre er zudem nur bedingt zufrieden mit dem, was auf der Bühne passiert. Auf jeden Fall wären dies nicht die Kleider, die er im Finale tragen wird. Überhaupt war diese Probe eher nur ein kleiner Test, denn Mahmood stand ohne Blanco auf der Bühne. Blanco hatte einen anderen Termin, er gab ein Konzert in Florenz und wurde durch ein “Stand-in” bei der heutigen Probe ersetzt. Ohnehin hatte man das Gefühl, dass dieser Probentermin für beide irgendwie in den Kalender gequetscht wurde und eher ungelegen kam. Blanco hatte parallel ein Konzert und Mahmood kam vollkommen übermüdet mit nur zwei Stunden Schlaf von einem Konzert in Madrid zurück. Man kann für ihren Auftritt im Finale nur hoffen, dass sie in den kommenden Tagen etwas mehr auf den ESC fokussiert sein werden.

Mahmood ist stolz wieder beim ESC antreten zu können, da sein zweiter Platz 2019 ein unvergessliches Erlebnis gewesen sei, dass immer ein wichtiger Bestandteil seines Lebens bleiben wird. Nun mit Blanco in Turin auf der Bühne stehen zu können, wäre noch einmal ganz etwas anderes. Genauso wäre “Brividi” ein, aus seiner Sicht sehr viel reiferes Lied als “Soldi”, das er als Jugendlicher geschrieben hat. “Brividi” hätte sehr viel mehr Ebenen und würde zudem die Gefühle von zwei verschiedenen Generationen transportieren.

 

“Brividi” ist über einen realitiv langen Zeitraum entstanden. Zunächst gemeinsam im Studio von Michelangelo, dem Produzenten von Blanco, anschließend hätten sie, getrennt von einander, für zwei Monate jeder für sich am Text gearbeitet. Mahmood hatte sich dafür ins Haus seiner Mutter nach Sizilien zurückgezogen. Es war Blanco und ihm wichtig, jeder für sich seine Gefühle zu Beziehungen in Text umzusetzen und dann zusammenzuführen. Diese beiden sehr unterschiedlichen Perspektiven, die sich im Text wiederspiegeln, würden “Brividi” so besonders machen. Vor allem für Mahmood, der leidenschaftlich gerne Texte für seine eigenen Lieder aber auch für andere Sänger schreibt, wäre dies ein sehr ungewöhnlicher und leerreicher Prozess gewesen. Ob es über “Brividi” hinaus eine weitere Zusammenarbeit mit Blanco geben wird, wäre noch offen, aber er würde es sehr hoffen. Momentan wären beide aber mit ihren jeweiligen Tourneen sehr beschäftigt.
Auf die Frage eines italienischen Journalisten, ob Mahmood sich vorstellen könnte, ein ebenso starkes Statement wie Maneskin zum Krieg in der Ukraine abzugeben (“Fuck Putin”) antwortete er, dass er es furchtbar finden würde, in einen Wettbwerb mit anderen Künstlern zu treten, wer lauter oder deftiger gegen den Krieg protestiert, sondern dass jeder seinen eigenen Weg und Stil finden sollte, sich gegen den Krieg zu positionieren. Denn es ginge um das Leid in der Ukraine und nicht darum wer im Westen am lautesten dagegen protestiert.

 

Foto 1,2: EBU, Foto 3: EBU/Screenshot

 

Erste Probe und Meet & Greet Frankreich: Der feurige Tanz mit dem Teufel

5. Mai 2022 Marc Gehring

Buongiorno aus Turin. Mit den Big 5 und dem Gastgeberland steigen die letzten noch fehlenden Länder in das Probengeschehen ein. Den Anfang macht Frankreich, das erst zum zweiten Mal in seiner ESC-Geschichte (nach 1996) einen bretonischen Beitrag ins Rennen schickt. Für den Wettbewerbsbeitrag “Fulenn” haben sich der Bretone Alexis Morvan-Rosius, besser bekannt als Alvan und das flotte Damentrio Ahez bestehend aus Sterenn Diridollou, Sterenuilln Le Gou und Marine Lavigne zusammengetan. “Fulenn” stammt aus der Feder von Alvan und Marine. Der Elektropoptitel mit dem treibenden Beat thematisiert einen wilden teuflischen Tanz im Wald.

Wie schon bei den Halbfinalisten wird auch bei den BIG 5 die erste Probe hinter verschlossener Arena-Tür durchgeführt, weswegen wir auf die offiziellen Kanäle wie TikTok und Eurovision.TV angewiesen sind. Es gibt ein stufenförmiges Podest in Steinoptik und die Beleuchtung sorgt für eine mystische Waldatmosphäre in Grüntönen, was ja prima zum Songinhalt passt. Auch ihre Outfits haben Alvan und Ahez einheitlich im schicken Schwarz mit goldenen Stickereien und Applikationen abgestimmt. Der attraktive Alvan trägt einen auffälligen Gehrock. Da Alvan ja ein wahrer Wirbelwind auf der Bühne ist, dürfen wir uns auf einen energetischen mystischen Auftritt freuen. Es wird auch einen üppigen Einsatz an Pyro- und Feuereffekten geben. Den Auftritt hat erneut Marika Prochet gestaltet, die auch schon für “Voilà” 2021 und “Roi” 2019 verantwortlich war.

Das Meet & Greet von Frankreich mit Moderatorin Laura Carusino war für 17:35 Uhr angekündigt, aber beim Thema Pünktlichkeit scheint sich die RAI an der deutschen Bahn zu orientieren. Um 18 Uhr ist jedenfalls noch nichts zu sehen und zu hören. Um 18:05 Uhr begrüßt dann überraschend Mario Acampo zum Meet & Greet.

Alvan und Ahez berichten, dass sie zum ersten Mal in Turin sind und es ihnen prima gefällt. Der erste Auftritt im PalaOlimpica fühlte sich für die Band sofort super an. Von des mystischen Waldatmosphäre fühlten sie sich in den Bann gezogen und auch die Feuereffekte waren auf den Punkt. Die Tänzerin Zaleilah wird ebenfalls sehr gelobt für ihre Darbietung.

Ziel der Inszenierung ist es, den bretonischen Songtext transparent zu machen. Dabei wird eine bretonische Legendengeschichte erzählt. Ein Mädchen ist fasziniert von einem Jungen, der sich dann aber als Teufel entpuppt. Am Ende der Geschichte stirbt das Mädchen.

Kennengelernt haben sich die drei Ahez-Damen bereits in der Schule. Sie verbindet die Liebe zur bretonischen Sprache, die nur noch von 5% der Bevölkerung gesprochen wird. Es ist die Sprache ihrer Eltern und Großeltern und sie möchten diesen Kulturschatz gerne mit Stolz bewahren.  Ahez haben sie dann im vergangenen Jahr in Rennes in einer Bar getroffen. Er spricht kein bretonisch und musste “Fulenn” daher mit phonetischer Lautschrift lernen, was aber prima gelang.

Inzwischen sind Alvan und Ahez schon richtig zusammen gewachsen, nicht zuletzt Dank der vielen Promo-Auftritte im Vorfeld des ESC. Ihr persönliches Highlight war dabei die Pre-Party in Madrid, wo sie unter Anderem die Band Tanxugeiras aus Spanien kennengelernt haben, mit der sie sofort auf einer Wellenlänge lagen.

Fazit: Alvan und Ahez bieten mit “Fulenn” ein stimmiges Gesamtpaket an, welches sich berechtigte Hoffnungen auf einen Top 10 Platz im Grand Final machen darf. Bonne chance la France!

Foto 1 – 4:  EBU Andres Putting / Foto 5: Screenshot Eurovision.TV

 

Zweite Probe und Pressekonferenz San Marino: Achille, der Kunstschaffende

5. Mai 2022 Wolfgang Grube

Text: Frank Albers/Wolfgang Grube

Selbstverständlich bildet der wilde Ritt auf dem roten Bullen weiter das “finale furioso” von Achille Lauros Inszenierung, daran dürfte sich bis zum Halbfinale nichts mehr ändern. Darüber hinaus gehende Punkte wie sein Outfit, die Küsse an seine Musiker oder das Licht  könnten möglicherweise bis zum Halbfinale noch einmal kurfristig umgestellt werden, um das Publikum und die Berichterstatter zu überraschen. Achille sind solche Pointen wichtig, wie er mit seinen Auftritten in Sanremo bewiesen hat. Die Inszenierung beginnt (derzeit) mit weißen Händen die an einer roten Wand herunterkratzen. Achille steht im durchsichtigen Nyloneinteiler in Stiefeln mit Cowboyhut und Federboa in der Mitte der Bühne, umtobt von seinen Musikern. Nach einem intensiven Flirt mit seinem Giarristen sinkt er auf die Knie bevor er dann den Bullen besteigt. Sein Gitarrist setzt dabei zu einem wilden Solo an und rutscht dazu auf dem Rücken über die Bühne. Alles ist in dunkelrotes und schwarzes Licht getaucht, um die Geschichte des nach Freiheit suchenden Cowgirls zu erzählen. “Stripper” ist eine der, wenn nicht die intensivste Inszenierung in diesem Jahr, die wie immer bei Achille Lauro stark polarisieren wird.

Unsere Ausführungen zur ersten Probe und Pressekonferenz könnt Ihr noch einmal hier nachlesen.

In der anschließenden Pressekonferenz zeigt sich einmal mehr, dass Achille Lauro absolut verkannt würde, wenn er als blosser Provokateur und Selbstvermarkter bezeichnet würde. Jede Performance ist zu 100% von ihm durchdacht und er überlässt nichts dem Zufall. Achille nimmt für sein künstlerisches Werk immer eine 360 Grad-Perspektive ein. Und es sind immer Themen, die ihn persönlich beschäftigen und mit denen er sich intensiv auseinandersetzt. Stripper ist eine Liebesgeschichte zwischen einem männlichen Stripper und einem Cowgirl, die gemeinsam entscheiden, das zu tun, was sie wollen. Sein künstlerisches Manifest für Freiheit. Daher findet er natürlich auch großartig, dass der ESC allen Künstler*innen den Spielraum für künstlerische Freiheit lässt und diese in hohem Maße respektiert.

Die Einladung von San Marino zur Vorentscheidung hat er vor der Enladung fürs Sanremo-Festival erhalten. Das wichtigste für ihn ist, als Künstler so aktiv wie möglich sein können und hierfür nutzt er die Gelegenheiten die sich ihm bieten. Wäre der ESC in einem anderen Land ausgetragen worden, hätte er selbstverständlich auch mitgemacht.

Sein Künstlername setzt sich zusammen vom Namen des Kreuzfahrtschiffs, das 1985 entführt und 1994 gesunken ist und seinem natürlichen Nachnamen Lauro. Er war im vergangenen Jahr in einem Songwriting Camp und war dort sehr produktiv. Dort ist auch ?Stripper? entstanden. Achille ist sich sehr bewusst darüber, dass er polarisiert und findet es völlig normal, dass es Menschen gibt, dem seine Kunst nicht gefällt. Sein Team kennt er schon seit vielen Jahren und die Zusammenarbeit ist hervorragend! Für seine Zeit in San Remo und Turin brauchte er sogar einen ganzen Truck für alle seine Bühnenoutfits. Er ist eben ein Perfektionist!

Achille schläft täglich 3 Stunden und ist vor allem an Dingen interessiert, die es noch nicht gibt. Er will sich immer weiterentwickeln und ist auch als Buchautor und TV-Moderator aktiv. Erst kürzlich hat er einen Vertrag mit Amazon Prime abgeschlossen für Musik- und Video-Content.

In der Pressekonferenz hat er seinem roten Bühnen-Bullen auch einen Namen gegeben: er heißt Roberto!

 

 

Fotos: EBU/Screenshot PK

 

 

 

 

 

Fotos: EBU/Screenshot PK

Zweite Probe und Pressekonferenz Malta: Glänzender Auftritt von Emma Muscat

5. Mai 2022 Karl Jakob

Auch bei der zweiten Probe glänzte Emma Muscat aus Malta im wahrsten Sinne des Wortes mit ihrem Song “I Am What I Am” und mit ihrem, aus kleinen Spiegeln bestehenden silbernen Kleid. An dem Auftritt wurde fast nichts geändert. Emma steigt gleich nach ein paar angedeuteten Takten auf den Flügel, um auf diesem zu singen und zu tanzen. Die ganze Bühne ist in sonnengelbes Licht getaucht und die reflektierenden Spiegel ihres Kleides bringen zusätzlichen Glanz und Glimmer. Auf den im Lied sehr dominierenden Chor hat man verzichtet und so wirkt Emma auf dem Flügel in ihren silbernen Sneakers etwas deplatziert. Doch ganz allein muss sie den gesamten Auftritt nicht bewältigen. Etwa zur Mitte von ihrem Song trifft Emma auf dem Catwalk vor der Hauptbühne vier Tänzer*innen und passend zum Lied gibt es eine lebhafte Choreographie.

Zu der anschließenden Pressekonferenz wurde Emma Muscat auch von dem Head of Delegation Maltas begleitet und sie beantwortete die Fragen charmant und professionell. Die Wahl von Emma Muscat bei der maltesischen Vorentscheidung war im Land nicht unumstritten und als dann noch der Siegertitel “Out of Sight” kurz danach ausgetauscht wurde, kam es zu heftigen Reaktionen in der Medienwelt. Doch die junge Sängerin verteidigte diesen Wechsel mit der Begründung, dass “I Am What I Am”  besser zu ihr passen würde und dieses Lied durch seine Botschaft im Wettbewerb größere Chancen hätte. Auch der Head of Delegation verteidigte auf nochmalige Nachfrage eines Journalisten diesen Schritt. Das Regelwerk Maltas  ermöglicht trotz Publikumsentscheid einen Austausch des Siegertitels und er sieht darin auch keinen Betrug am Zuschauer.

Nach dem ESC wird Emma auf jeden Fall in der Musikbranche bleiben und wie sie stolz verkündete, wird am 13. Mai ihr zweites Album erscheinen. Dem italienischen Publikum wurde sie durch die Teilnahme an der Castingshow Amici bekannt und ihr danach veröffentlichtes Album “Moments” landete in Italien auf Platz drei der Charts.  Auch in Spanien würde sie gerne mit Alvaro Soler einen Song aufnehmen. Von den maltesischen Beiträgen der vergangenen Jahre gefällt Emma ganz besonders “Je Me Casse” von Destiny und “Warrior” von Amber.

     

Fotos: EBU / Screenshot

 

Zweite Probe und Pressekonferenz Georgien: Der etwas andere Zirkus

5. Mai 2022 Sigi Doppler

Die georgische Probe war vermutlich alles, nur nicht langweilig. Die Kameraführung war vom ersten Bild an so hektisch, dass man als  Zuschauer überhaupt nicht richtig wusste, wohin man eigentlich schauen sollte und wenn man mal einen Punkt gefunden hatte, um ihn intensiver zu betrachten, schwenkte die Kamera schon wieder weiter, um beim nächsten Bild genauso kurz und hektisch zu verweilen. Schwenk hier, Schwenk da und schon wieder weg – so lässt sich die Inszenierung von “Lock Me In” wohl am besten beschreiben. Immerhin ließ die Kameraführung es zu, wenigstens die vier Protagonisten von Circus Mircus so lange im Bild zu behalten, dass man sie einigermaßen erkennen konnte. Wobei ein Erkennen gar nicht möglich war, denn um so mysteriös, wie nur möglich zu erscheinen, hatten alle vier Protagonisten Masken in ihrem Gesicht, die sie unkenntlich machten.

In der Mitte der Bühne steht der Sänger, dessen Gesicht eine dicke Sonnenbrille verdeckt, neben ihm der Gitarrist mit buntem Gemüsebart und Sonnenbrille und auf der anderen Seite einer mit Pandamaske, der eine Drehorgel auf seinen Bauch geschnallt hat. Der Drummer hinter ihnen hat eine lila Stoffmaske über sein Gesicht gezogen, auf der er zudem noch eine dunkle Sonnenbrille trägt. Die Bühnenbeleuchtung flackert in den Farben violett, blau, gelb und grün wild durcheinander und über den vorderen Bühnenrand fließt zeitweise ein projizierter Wasserfall. An der hinteren Videowand erscheinen manchmal zwei Clownsgesichter mit breiter Halskrause, deren Münder abwechselnd die Worte “Lock me in” und  “Lock me out” rufen. Eh man sich versieht, endet der furiose Bühnenauftritt und man fragt sich, welche Botschaft die Clowns eigentlich senden wollten?

Diese Frage konnte bei der anschließenden Pressekonferenz zwar auch nicht zuverlässig geklärt werden, aber immerhin erfuhr man von den vier Musikern, die noch immer genauso maskiert waren, wie auf der Bühne, dass es ihnen allen immer nur darum geht, mit ihrer Musik Spaß zu haben und gerne auch den einen anderen an der Nase herum zu führen. Es scheint, dass ihnen das auch bei ihrem Auftritt in Turin gelingen könnte.

Fotos: EBU / Screenshot