Meet & Greet Aserbaidschan: Dunkle Treppen und prominente Hilfe

2. Mai 2022 Frank Albers

Nadir Rustamli hat sich in seiner Heimat in den letzten Monaten einen Namen durch den Sieg bei „The Voice Azerbaijan“ gemacht und stieg innerhalb kürzester Zeit zu einem der aktuell populärsten Sänger Aserbaidschans auf. Seine Direktnominierung für den ESC hat seinen Bekanntheitsgrad noch weiter erhöht, aber entsprechend groß ist inzwischen auch die Erwartungshaltung bei seinen Fans. Bei seinem Sieg bei „The Voice“ war der ESC-Sieger von 2011 und spätere ESC-Moderator Eldar Gasimov sein Coach. Eldar begleitet Nadir nun auch in Turin und unterstützt ihn hier mit all seiner Erfahrung, auch bei der Pressekonferenz.
Da Nadir nicht ganz so gut Englisch spricht, hatte er beim Meet & Greet eine Übersetzerin an seiner Seite.

Die Bedeutung der dunklen Treppenstufen in seiner Bühneninszenierung erläuterte er als Schritte und Stufen heraus aus der Vergangenheit mit vielen Ängsten und Unsicherheiten. Am Ende der Stufen kann er neue Hoffnungen schöpfen. Auch das zum Lied gedrehte Video soll das Überwinden dieser Ängste darstellen.

Nach dem Erfolg bei „The Voice“ wurde er von verschiedenen Seiten auf eine mögliche ESC-Teilnahme angesprochen, ernsthaft damit gerechnet habe er aber nicht. Erst als im azerischen Frühstücksfernsehen sein Name bekannt gegeben wurde, wurde ihm klar, dass seine Karriere nun eine ganz andere Richtung einschlagen würde. Er hatte bis dahin keine Ahnung, dass er ausgewählt worden war. Entsprechend euphorisch war seine Reaktion.

Ursprünglich war Nadir Leistungssportler und professioneller Schwimmer, hat dies aber zu Gunsten seines Studiums und der Musik zurückgestellt.

Obwohl er ein großer Fan von Balladen ist, hatte er sich zunächst einen Rocksong als seinen ESC-Beitrag gewünscht. Erst als er „Fade to Black“ zum ersten Mal gehört hatte, wusste er, dass es nur dieses Lied für ihn sein konnte.

Eines seiner Eurovision-Lieblingslieder ist „We Could Be The Same“ der türkischen Band Manga von 2010, das er in einer azerischen Version sang.  Auch „Euphoria“ gehört zu seinen Lieblingen.

Mit viel Stolz und Glück schaut er auf die Zeit bei „The Voice“ zurück, die die Grundlage für seine Musikkarriere war, mit dem Aufbau vieler Freundschaften und Netzwerke und vor allem musikalischer Professionalität. Hier beim deutlich größeren ESC hofft er dies nun weiter ausbauen zu können.

 

(Fotos 1, 4, 5: EBU, Fotos 2, 3: EBU/Screenshot)

Buongiorno zum 3. Probentag

2. Mai 2022 Frank Albers

Der dritte Probentag bietet uns heute den Auftakt zum zweiten Halbfinale. Die erste Starterhälfte von Finnland bis Zypern darf heute erstmals auf die Bühne und anschließend auf die Sessel des Online-Pressezentrums.
Der im Innenraum der Olympiahalle aufgebaute Greenroom ist nicht nur ein üppiger grüner Garten mit Hecken und Bäumchen (wir berichteten darüber schon am Wochenende), sondern wohl auch ein beliebter Picknick-Ort. Eine Delegation aus dem Norden scheint hier Teile ihres Frühstücks zurückgelassen zu haben.

Um 1o Uhr beginnen die Proben und ab 12 Uhr heute mittag starten die „Meet & Greet“ genannten Online-Pressekonferenzen, über die wir Euch natürlich wieder ausführlich informieren werden.

Los geht es um 12 Uhr mit Finnland,
gefolgt von
Israel
Serbien
Aserbaidschan
Georgien
Malta
San Marino
Australien
Zypern

Wir wünschen Euch einen spannenden Proben- und Pressekonferenz-Montag und einen entspannten Start in die neue Woche.
Euer
OGAE-Team

 

(Foto: EBU)

Franks Nachtgedanken zum 2. Probentag (1.5.)

1. Mai 2022 Frank Albers

Frank schaut zurück auf den 2. Probentag am 1. Mai

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Editor: Reinhard Ehret

Meet & Greet Armenien: Das Universum kann helfen

1. Mai 2022 Reinhard Ehret

Mit einem außergewöhnlich guten Englisch präsentierte sich sehr selbstsicher Rosa Linn aus Armenien beim letzten kleinen Tagesinterview im gespenstisch leeren Presseraum zu Turin. Wer dort „meetet und greetet“ ist in diesen Tagen wirklich die Frage. Online erlebte man immerhin eine ganz offenbar sehr in sich ruhende Sängerin, die den sichtlich aufgedrehten Fragesteller Mario Acampa erst einmal beruhigen musste. Denn der erklärte euphorisch, dass er ja Kommentator gewesen sei, als die kleine Maléna vorigen Dezember für Armenien den Junior-ESC gewonnen hatte. Die knapp 22-jährige Singer-Songwriterin Rosa Linn könnte also, im Falle des Triumphs, für einen „Doppelsieg“ Armeniens sorgen. Ob das klappen wird, bezweifeln viele, doch sie selbst scheint völlig in sich zu ruhen. Sie sei äußerst zufrieden mit der ersten Probe gewesen, bekannte sie. Vom Staging sei sie besonders angetan, denn es sei ganz nah bei ihr und bildete ihr Lied perfekt ab. Und dieses Lied („Snap“) ist ganz offenbar in einer sehr traurigen Lebensphase entstanden, wie sie eingestand. Rosa Linn schrieb es in niedergeschlagener Stimmung, will aber damit eine ihr besonders wichtige und optimistische Botschaft vermitteln: Man muss immer wissen, was tief in einem vorgeht; man muss ganz bei sich sein. Und wenn man dabei feststellt, dass irgendetwas nicht in Ordnung ist, muss man etwas dagegen tun, damit man wieder glücklich werden kann. Also: Beschäftigt euch mehr mit euch selbst, liebt euch selbst, tut mehr für euch selbst und seid ehrlich und authentisch.

Richtig nett beantwortete sie die Frage, wie man denn in der tiefen Provinz sein Ziel umsetzen könne, Musikerin zu werden. Rosa Linn freute sich, darauf antworten zu dürfen, denn genau darum geht es ihr: Hör in dich hinein und stelle fest, was Du wirklich willst. Und sobald Du es weißt, verfolge dieses Ziel. Denn nur dann wird dir das Universum ? oder Gott, oder die Sonne oder die Natur oder das Schicksal ? die Gelegenheit dazu geben, deine Träume Wirklichkeit werden zu lassen.

Gefragt nach ihren Lieblingsliedern aus der Eurovisionsgeschichte konnte sie naturgemäß eher neuere Werke nennen: „Arcade“ und „Rise Like A Phoenix“ gehörten dazu, aber auch der diesjährige schwedische Beitrag hätte es ihr angetan. Mario ließ die eloquente Rosa noch sehr viel aus ihrer noch jungen Lebensgeschichte, aus Projekten und Gefühlen erzählen, sodass man nach diesen 20 Minuten eine äußerst sympathische und von ihrer Musik beseelte Sängerin kennengelernt hat ? auch oder vielleicht gerade weil sie nicht jedes Geheimnis preisgeben wollte.

Fotos: EBU

Meet & Greet Griechenland: Zwischen den Welten

1. Mai 2022 Frank Albers

Auch Griechenland hatte heute die erste Probe. Amanda Georgiadi Tenfjord steht dabei alleine auf der Bühne. Sie scheint sich, das Lied und die Lichttechnik sprechen lassen zu wollen. Umgeben von Stühlen, die so schief sind, dass keiner auf ihnen sitzen könnte. In der Pressekonferenz erklärte sie, dass diese Stühle aussehen sollen, als würden sie schmelzen. Wofür diese Symbolik steht, solle aber jeder für sich selbst interpretieren. Geschrieben hat sie ihr Lied „Die Together“ nach der Trennung von ihrem Freund. Diese Trennung habe sie emotional sehr belastet und all dieser Schmerz würde sich in ihrem Lied widerspiegeln. Obwohl es um das schmerzvolle Ende einer Beziehung geht, würde ihrem jetztigen Freund das Lied ausgesprochen gut gefallen.

Sie freut sich wieder in Italien zu sein, an das sie vor allem Kindheitserinnerungen hat, da sie mit ihren Eltern regelmäßig im Sommer von Norwegen über Italien nach Griechenland mit dem Auto gefahren ist. Amanda ist halb Norwegerin und halb Griechin und lebt im norwegischen Trondheim, ihr norwegischer Akzent ist unverkennbar. Ihre gesamte musikalische Karriere fand bisher auch in Norwegen statt, wo sie aufgewachsen ist und wo sie lebt und studiert. Dennoch sei sie sehr stolz, ihre zweite Heimat Greichenland beim ESC verterten zu dürfen. Sie würde sich aber genauso über ein gutes Abschneiden oder gar den Sieg Norwegens freuen. Der Gedanke des Wettbewerb sei ihr ohnehin nicht so wichtig. Trotz ihrer Nähe zu Norwegen hat sie natürlich griechische ESC-Lieblingslieder, vor allem „My Number One“ von 2005 und „Anixi“ von 1990.

Die Frage, wie sie ihre Kompositionen entwickelt, erklärte sie sehr pragmatisch: Wo immer ihr etwas einfallen würde (egal ob unter der Dusche oder an der Uni), würde sie es sich sofort auf dem Smartphone notieren oder kurz aufnehmen und unverzüglich ins Studio tragen und dort weiterentwickeln.

 

Die Frage zur Zusammenarbeit mit ihrem Choreographen stimmte sie regelrecht euphorisch. Er würde auf alle ihre Wünsche eingehen und selbst ihre schlechtesten Stimmungen ertragen und kreativ umsetzen. Das Ergebnis sei „amazing“. Auch in dem Video, welches auf der griechischen Insel Symi gedreht wurde, wäre diese Stimmung glänzend umgesetzt worden.

Eine besondere musikalische Nähe empfindet sie zu der portugiesischen Vertreterin Maro, mit der sie gerne zusammenarbeiten würde.  Sie sei seit Jahren ein großer Fan ihrer Musik. Neben Maro sei sie zudem großer Fan von Whitney Houston und von traditioneller griechischer Musik. Hier würde sie vor allem die tollen Texte beeindrucken.

Amanda ist nicht nur Sängerin sondern auch angehende Medizinerin. Ihr Studium hatte sie kurzzeitig zu Gunsten der Musik unterbrochen. Ende Mai hoffe sie aber, an der Abschlussprüfung teilnehmen zu können. Straffes Programm für Amanda. Sie ist aber immer noch eng mit ihren Komillitonen befreundet, mit einigen hatte sie zusammen die Band „The Flu Fighters“ gegründet.

 

 

(Foto 1: EBU/Screenshot, Foto 2: EBU)

 

Meet & Greet Island: Engagement für Tansgender-Kinder

1. Mai 2022 Frank Albers

Die drei Schwestern Sigríður, Elísabet und Elín haben Verstärkung durch ihren Bruder bekommen, der das Trio auf der Bühne in Turin ergänzen wird. Aus den Schwestern sind somit nun Geschwister geworden. Der Bandname Systur (Schwestern) wird aber trotzedem nicht geändert, vor allem da die Schwestern damit rechnen, dass ihr Bruder es nicht lange mit ihnen aushalten wird, vor allem wenn sie den Contest wider Erwarten nicht gewinnen sollten.

Man merkt den drei Schwestern an, dass sie bereits seit einigen Jahren im Geschäft sind und trotz ihrer sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten gut aufeinander eingespielt sind. Sie stammen aus einer Musikerfamilie und auch ihre Eltern sind etablierte Interpreten in Island, die auch im legendären Eurovision-Spielfilm „The Story of Fire Saga“ Rollen als Musiker hatten. Sigríður, Elísabet und Elín würden sich sehr geehrt fühlen, eventuell den zweiten Teil der Saga spielen zu dürfen. Lust hätten sie auf jeden Fall, auch einen Nachfolge-Hit zu „Jaja DingDong“ zu schreiben.

Die Schwestern sind aber nicht nur bekannte Musikerinnen in Island sondern auch für ihr soziales Engagement bekannt. Ein sehr wichtiges Anliegen ist es ihnen, Kinder, die an ihrer Geschlechtsidentität zweifeln, zu unterstützen und ihnen bei einer möglichen Geschlechtsanpassung Halt zu geben. Wichtig sei hier auch die Arbeit mit den Eltern, für die dies oft ein schwerer Akzeptanzweg sei. Sie riefen in der Pressekonferenz dazu auf, dass Eltern mit Fragen und Sorgen sich direkt an sie wenden könnten, vor allem wenn diese in Gesellschaften leben würden, wo die Akzeptanz des Transgender-Themas noch eingeschränkt sei.

 

 

Ansosnten wurde natürlich auch viel über Musik gesprochen und darüber was für einen Musikstil Systur  als Band repräsentiert. Es sei weder Seventies noch Country oder Rock und so einigte man sich auf die Begriff „Family“.  Tanzen könnten die Schwestern übrigens nicht und sie würden sich auch weigern, dies öffentlich zu tun. Die wenigen Bewegungen, die sie auf der Bühne vollziehen würden, seien allein notwendig, um ihre Instrumente zu spielen.

(Fotos: EBU)

Buongiorno zum 2. Probentag

1. Mai 2022 Frank Albers

Buongiorno, der zweite Probentag steht an und somit die erste Begegnung der zweiten Starterhälfte des ersten Halbfinals mit der großen Bühne in der Pala Olimpico in Turin.

Wie gestern wird das Pressezentrum weiterhin geschlossen bleiben und alles, wenn überhaupt, nur im „Online-Pressezentrum“ zu verfolgen sein.
Die Proben beginnen heute um 10 Uhr mit Portugal, die Pressekonferenz „Meet & Greet“ des portugiesischen Teams ist für 12 Uhr angesetzt.
Dem folgen heute
Kroatien
Dänemark
Österreich
Island
Griechenland
Norwegen
und zum Abschluss heute Abend Armenien.

Selbstverständlich werden wir Euch über alles aktuell informiert halten. Ab heute Miitag geht es los mit unseren Berichten. Verbringt also diesen Probensonntag entspannt mit uns hier auf ogae.de
Wir freuen uns auf Euch und grüßen mit dem kräftig begrünten Greenroom im Innenraum der Olympiahalle.
Ciao
Euer OGAE-Team

(Foto: EBU)

Franks Nachtgedanken zum 1. Probentag (30.4.)

1. Mai 2022 Frank Albers

Der erste Probentag liegt hinter uns. Eine Zusammenfassung der Ereignisse des Tages gibt es hier bei Franks Nachtgedanken.

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Editor: Reinhard Ehret

Nachtgedanken Spezial vom 30. April

30. April 2022 Frank Albers

Natürlich dürfen auch in Turin 2022 die Nachtgedanken nicht fehlen. Wir beginnen in diesem Jahr mit einem Nachtgedanken Spezial, in dem sich Frank und Reinhard ein wenig Gedanken machen wie es in diesem Jahr um den ESC ganz grundsätzlich bestellt ist.

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Meet & Greet Bulgarien: Rocklegenden in love mit „Fairytale“

30. April 2022 Frank Albers

Die bulgarische Band mit dem etwas ungewöhnlichen Namen Intelligent Music Project gehört hier in Turin eher zu den Außenseitern obwohl sie eindeutig zu den weltweit etabliertesten und erfolgreichsten Künstlern in diesem Jahrgang zu zählen sind. Mit Ronnie Romero haben sie sich zudem einen Topstar der internationalen Rockszene als Gastsänger am Bord geholt, der dann auch gleich der Sprecher der Band beim Meet & Greet wurde. Welterfahren wie er ist, spricht er von allen Bandmitgliedern das beste Englisch und berichtet stolz von seiner europäischen Identität, obwohl er in Chile geboren ist. Er hat die längste Zeit seines Lebens in Spanien gelebt, ist heute in Rumänien zu Hause und singt für Bulgarien.
Während der Pandemie war es der Band wichtig, weiter Konzerte zu geben, was man in Bulgarien auch regelmäßig tat. Dazu organisierten sie vor den Konzerten kostenlose Tests für alle Besucher. Medizinstudenten kamen zudem umsonst in die Konzerte, als Dank für ihre große Arbeit während der Pandemie.
Während des nun in Europa tobenden Krieges, sei es noch wichtiger geworden, den Menschen durch Musik Freude aber auch Selbstbewusstsein zu geben. Mit ihren Konzerten wollen sie ausdrücken, dass alles gut wird, es dafür aber auch sehr viel Eigeninitiative braucht.

 

Drummer Stojan Jankulow (Foto oben), der mit seiner inzwischen dritten ESC-Teilnahme für Bulgarien ein Eurovision-Veteran geworden ist, wurde natürlich gefragt, welche Veränderungen er seit seinen Teilnahmen mit Eliza Todorowa 2007 und 2013 am Contest wahrgenommen hätte. Es sei alles noch einmal deutlich größer geworden und ihn beeindrucke, dass der Wettbewerb trotz seiner langen Geschichte immer auf dem neuesten technischen Stand wäre.

 

Natürlich wurden auch die ESC-Lieblingstitel der Band abgefragt und für eine Rockband etwas überraschend wurden „Heroes“ und „Fairytale“ genannt. Auf Maneskin als Vorjahressieger wäre man zudem super stolz, denn es würde zeigen, dass Rock wieder populär ist. Auch wenn Maneskin im Vergleich zu ihnen noch ziemliche Newcomer wären.

 

 

(Fotos 1,2,3: EBU/Screenshots, Foto 4: EBU)