Die erste Generalprobe der Finalshow

13. Mai 2022 Reinhard Ehret

Man mag dazu morgen unterschiedlicher Meinung sein, aber fr viele wird einer der absoluten Show-Hhepunkte – von den Darbietungen der 25 Wettbewerbsteilnehmer einmal abgesehen – Gigliola Cinquetti sein. Die Grand Dame des italienischen Liedguts, und ganz nebenbei eine der berhmtesten Fernseh-Persnlichkeiten des Landes, wird uns mit ihrem 1964er Siegerlied “Non ho l’et” beglcken, das sie heute auf faszinierende Weise, gegen das Scheinwerferlicht mit einer Sonnenbrille geschtzt, groartig live intonierte. Sie stand im Frontbereich der Bhne, hingebungsvoll wie einst vor 58 Jahren, und begeisterte die wenigen Anwesenden.

Wie wir es schon von den Halbfinalproben kennen, rumpelte es im Geblk des Showablaufs noch gewaltig. Die Italiener werden es zwar auch diesmal wieder gut hinbekommen, doch so mancher bergang war reine Improvisation. ber einige Highlights lie man uns sicher noch im Unklaren, zumal in zwei Werbepausen derselbe Einspieler zum Einsatz kam, der die nettesten Momente der Halbfinals collagiert. Der Probenbeginn fand ohne Laura, die sich noch von den Strapazen der letzten Tage ausruhte, und auch ohne Mika statt. Unermdlich kokettierte aber der putzige Alessandro Cattelan mit der Kamera und war fr jede Spontaneitt zu haben, wenn es mal im Probenablauf hakte. Die Erffnungsnummer ist sehr trommelbetont, beginnt in der Altstadt Turins und wechselt in die Olympiahalle mit einem sehr hufig wiederholten, aber wunderschn choral gesungenen “Give Peace A Chance”. Danach steht ein Laura-Pausini-Medley (inklusive “La solitudine”) auf dem Programm, ehe es zum Einmarsch der Nationen kommt. Damit es auch marschig wird, hat man sich fr eine Dancefloor-Musikuntermalung im Bumm-bumm-bumm-Ambiente entschieden.

Die Auftrittsproben der 25 Beitrge liefen alle ziemlich gut; selbst die Italiener sangen hbsch wie nie zuvor. Einzig die Schwedin erlebte erneut das Fiasko, dass ihr Soundtrack nach der ersten Strophenzeile wieder abgebrochen wurde. Man kennt das inzwischen schon. Malik scheint sich jedesmal erneut unbandig darber zu freuen, auf einer solchen Bhne singen zu drfen. Er hatte sichtlich Spa und sang sein Lied wie immer fehlerfrei, engagiert und leidenschaftlich. Ob das aber fr eine Platzierung in der vorderen Ergebnishlfte ausreicht, bezweifeln viele. Marius Bear aus der Schweiz zeigte sich absolut stimmsicher – nur als er gegen Lied-Ende seinen Mikrostnder umwarf, wackelte sie ein bisschen. Der Belgier musste den ganzen Vortrag hindurch an seinen In-Ears rumfummeln, weil da wohl irgendwas nicht passte.

Was gibt es sonst noch? Ein origineller Einspieler mit Astronautin Samantha Cristoforetti, die aus der ESA-Raumstation grt, ein Mika-Special mit unglaublich vielen Tnzern und einem roten Mega-Herz auf der Bhne, selbstverstndlich Mneskin (“Supermodel”)… Und, man glaubt es kaum, zum Ende der Votingphase dreht sich doch tatschlich der Bhnenbogen. Offenbar hat man die fraglichen Motoren zum Arbeiten bringen knnen. Es erwartet uns eine kurzweilige Show ohne groe Lngen, denn – so wie es aussah – geht es gleich nach Schlieung der Telefonleitungen zur Verkndung der Jury-Votes ber. Das Moderatorentrio wirkt gut eingespielt und gut gelaunt, auch wenn ihre Texte und Gags besser von einem anderen Autoren erdacht worden wren. Nun darf man gespannt sein, ob das Produktionsteam fr das um 21 Uhr beginnende Juryfinale alles Wichtige im Griff hat. Toi, toi, toi!

Foto oben: Hallenimpression beim deutschen Auftritt

Foto unten: Hallenimpression beim franzsischen Auftritt (Fotos: Frank Albers)