Im Forum Moskau berichten einige OGAE Mitglieder von ihren Eindrücken vor Ort aus Moskau.
Wir haben hierbei keine genauen Regeln, sondern jeder berichtet über das, was er für erwähnenswert hält und wann er gerade Zeit und Gelegenheit hat, etwas zu schreiben.


Weitere Bilder findet ihr im Album Moskau


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05.05.2009 10:32 Frank Albers


-Der Blog "Liebesgrüße aus Moskau"-

Tag 2: Montag, 4. Mai 2009

Panzer unter Eurovisions-Fahnen

Der 9. Mai ist in Russland ein wichtiger Feiertag, an dem bekanntlich dem Sieg ueber Nazi-Deutschland am 9. Mai 1945 gedacht wird. An diesem Tag praesentiert die russische Armee all ihre verbliebene Staerke. Dazu rollen hunderte Kampfpanzer, Wagen mit gigantischen Raketenabschussrampen fuer die SS20 und andere Militaerfahrzeuge die breite Einkaufs- und Flanierstrasse Tverskaja zum Roten Plaz hinunter, wo die Politikspitze Russlands wie in alten sowjetischen Tagen die Parade abnimmt. Das Volk steht fotografierend am Strassenrand.

All dies muss natuerlich geprobt werden und so rollten am Montagabend die Panzer schon einmal testweise die Strasse, an der unser Team ein Appartment gemietet hat, herunter. Unheimliches und martialisches Gerassel der Panzerketten droehnte durch die Strassenschluchten, die Haeuser vibrierten, dass uns der Schrecken durch Mark und Bein fuhr. Als der endloslange Militaer-Konvoi mit irrer Geschwindigkeit dann unter einem ueber die Strasse gespannten ESC-Transpartent hindurch donnerte, war das Groteske dieses Auftritts auch bildlich greifbar. Der friedliche Eurovison Song Contest und rollende Panzer das passt so gar nicht zusammen. Die Moskauer haben damit allerdings weit weniger Probleme als der deutsche Beobachter. An Kontraste dieser Art sind sie in ihrer Stadt gewoehnt.


(Bild nur im Forum -Der Blog "Liebesgrüße aus Moskau"- zu sehen)




05.05.2009 09:47 Frank Albers
Proben am Morgen

Der Vormittag begann mit den Proben Kroatiens, Irlands und Lettlands.

Kroatiens Igor scheint ein Fruehaufsteher zu sein. Zumindest wirkte er, wie von mehreren Seiten berichtet wurde, in der Pressekonferenz sehr aufgeweckt und konnte so diverse neue Sympathiepunkte gewinnen. Er spricht sogar ein kleinwenig Deutsch. Der ehemalige Theologiestudent und Popidol-Teilnehmer reagierte sehr klug auf alle Fragen und praesentierte sich als intelligenter junger Mann, der Popmusik problemlos mit theologischer Philosohie verbinden kann. Auch stimmlich ist er hier in Moskau in ueberraschend guter Verfassung.

Irlands Maedchen-Rockband wird es schwer haben, so wie es weibliche Rockbands oft schwer haben, anzukommen. Auf der grossen Buehne stehen sie etwas verloren, allerdings kommen sie stimmlich etwas sanfter und weniger schrill rueber als im Video. 

Wesentlich praesenter ist Lettlands Intars Busulis. Ein professioneller Auftritt. Sehr bunt, sehr laut, sehr grell. Der Mann weiss was er will. Hier scheint nichts dem Zufall ueberlassen. Wenn auch der Beitrag musikalisch sicherlich eher umstritten ist, kommt die Inszenierung hier bei vielen sehr gut an.

(Fotos: Sigi Doppler)





05.05.2009 00:31 Reinhard Ehret
NDR: Grand Prix ohne Peter Urban


Der langjährige Grand-Prix-Moderator Peter Urban fällt in diesem Jahr aus. Der NDR-Musikredakteur könne wegen einer "unaufschiebbaren Hüft-Operation" nicht zum Eurovision Song Contest nach Moskau fahren, teilte der Sender mit. Für ihn wird Tim Frühling vom Hessischen Rundfunk das Halbfinale und Finale für die deutschen Zuschauer kommentieren. Das 1.Halbfinale ist am 12.Mai ab 21.00 Uhr im Sender Phoenix zu sehen, das 2.Halbfinale am 14.Mai um 23.00 im NDR. Das Finale am 16.Mai wird ab 21.00 im Ersten übertragen. (ARD-Videotext)





04.05.2009 23:55 Wolfgang Grube
Dimitri, die Stimme der Pressekonferenzen


Dimitri Shépelev ist ein wichtiger Mann im ESC-Pressezentrum - er leitet alle Pressekonferenzen alleine. Dimitri begrüßt die Gäste, moderiert die Fragen der Journalisten, überbrückt, wenn keine Fragen gestellt werden und achtet streng auf die Zeiteinhaltung. Er ist geborener Weissrusse, in Kiev zuhause und arbeitet bei Channel 1 in Moskau.



04.05.2009 14:52 Frank Albers
Malta und Bosnien zum Tagesabschluss

Der heutige Probentag ging bzw. geht mit den Beitraegen Maltas und Bosniens zu Ende.

Maltas
Chiara nahm's noch routiniert locker und stand in Jeans und schlichter Bluse auf der Buehne. Auch in ihren Gesang legte sie noch wenig Konzentration, was so manche Schraeglage produzierte. Aber wenn es wirklich zaehlt, wird sie da sein. Davon kann man sicher ausgehen. Inszeniert wird Chiara alleinstehend auf der riesigen, in kaltes Blau gehuellten Buehne. Sie ist aber, wie sollte man es anders erwarten, dort sehr praesent. Die Reaktionen auf Chiara waren wenig euphorisch, aber freundlich. So wie man eben alte Bekannte hoeflich begruesst.

Mit unglaublicher Stimmgewalt fuellt Saenger Davor Endernbsp;der Gruppe Regina aus Bosnien die Olympiahalle. Allerdings kommt der Auftritt derzeit nur live in der Halle wirklich ueberzeugend. Auf den Bildschirmen im Pressezentrum ist seine Stimme so schlecht abgemischt, dass es einem graut. Hier muss dringend von Seiten der Tontechnik nachkorrigiert werden, damit es fuer die Bosnier keine boese Ueberraschung gibt. Ansonsten ein guter Auftritt mit den erwartet vielen Trommeln. Der Fahneneinsatz ist im Vergleich zum Video sehr zurueckgenommen und ganz auf die TV-Kameras ausgerichtet. In der Halle sieht man die roten Fahnen kaum.

(Fotos: Sigi Doppler)





04.05.2009 13:45 Frank Albers
Erste Probeneindruecke

Fuer die Berichterstattung an Euch zu Hause hat die der diesjaehrige Jahrgang einen riesigen Vorteil. Die extrem kurzen Wege. Vom Computerarbeitsplatz im Pressezentrum in die Halle sind es gerade einmal zwei Minuten Fussweg und zur Pressekoferenz ist es auch nicht weiter. Es ist zwar alles etwas enger und kleiner als in den Pressezentren der Vorjahre (so ganz untypisch fuer Russland) aber das macht das ganze Spektakel hier umso sympathischer.


Ich versuche mich mal an einem kurzen Ueberblick auf die heutigen Proben, und die Reaktionen darauf hier im Pressezentrum.


Etwas hektisch kommt der Auftritt Israels daher, der (aus welchen Gruenden auch immer) einige unmotivierte Laufuebungen beinhaltet. Das warf einige Irritationen bei den Beobachtern auf. Noahs und Miras Auftritt koennte gut etwas mehr Eleganz vertragen. Die israelische Pressekonferenz fand so gut wie nicht statt, da sich die Delegation endlos verspaetete und somit nur Zeit fuer ein paar Fotos und zwei Fragen blieb. Viel war da nicht zue rfahren, ausser, dass man, wie nichta nders zu erwarten, sehr stolz ist, den ersten israelischen Beitrag mit arabischen Textelemanten zu singen. Zudem glaubt man fest an einen Einzug ins Finale aber nicht an den Sieg.


Auch die Bulgaren gaben sich sehr selbstbewusst. Ihr Auftritt uebernimmt Elemnte des Previewviedeos und steht halbwegs sicher. Viel zu aendern gibt es hier nicht mehr, auchg wenn man ueber den Einsatz der tanzenden Stelzenlaeufer (Taenzer aus den USA) sicher genuesslich streiten kann.


Yohanna aus Island steht auf der Buene wie eine kleine Koenigin, sehr elegant, sehr selbstsicher und voller Ausstrahlung. Nicht wenige glauben, dass sie hier fuer eine Ueberraschung sorgen kann. Auf der Pressekonferenz mit ihr und den Chorsaengern Fridrik Omar und Hera Bjoerk kam sie uebrigens sehr locker und jugendlich rueber. Auf die Frage einer russischen Journalistin nach ihrer Meinung zur GayPride-Demonstration am 16. Mai hier in Moskau, den der Moskauer Oberbuergermeister gerne verbieten moechte, sagte sie nur, dass sie der Meinung sei, dass jeder die Freiheit haben sollte, so zu leben wie er moechte und das Recht habe, dafuer zu kaempfen. Der Applaus auch von russischer Seite dafuer war gross.


Die Mazedonier rockten sich routiniert durch ihre Probe und auf der mager besuchten Pressekoferenz versuchte sich Saenger Stefan als Carruso. Nun gut, nice try! Ansonsten hier nichts besonderes, ausser, dass die Band nicht mit Bon Jovi verwechselt werden moechte. Da haben sie derzeit wohl auch wenig Grund zur Sorge.


Die Rumaenin traegt ein braves Kleidchen und gibt sich wesentlich serioeser als im Video. Das Liedlein wird von ihr aber so stimmlos vorgetragen, dass es komplett unterzugehen droht. Besondere Reaktionen auf ihren Auftritt waren nicht festzustellen.

Gleiches gilt fuer die Finnen, die herbe Tonprobleme hatten und deren Auftritt vollkommen uninspiriert ist. Aber es bleiben ja noch ein paar Tage fuer kreative Einfaelle.

Umso erstaunlicher ist, dass mit den Portugiesen ein Beitrag aus dem Grau des chronischen Uebersehenden empor steigt. Mit toller Buehenpraesenz, guten Stimmen und einem durch und durch sympathischen Auftritt  erzielten sie als erste hier im Pressezentrum "Szenenapplaus". Ein richtig wohltuender Auftritt Portugals nach einer Reihe nur leidlich geglugener Praesentationen vor ihnen.


Nun stehen noch Malta und Bosnien an, bevor dieser Probentag zu Ende geht.



(Fotos: Sigi Doppler)



04.05.2009 12:52 Frank Albers


-Der Blog "Liebesgrüße aus Moskau"-

Tag 1: Sonntag, 3. Mai 2009

Moskau im Rausch der Geschwindigkeit und die Suche nach dem ESC.

Unser Fahrer vom Flughafen Vnukovo im Sueden Moskaus zeigte uns bei der Einfahrt nach Moskau voller Stolz das silbern funkelnde Gagarin-Denkmal, dass aussieht, als wolle es voller Energie den legendaeren russischen Kosmonauten und Nationalhelden erneut in die Erdumlaufbahn schiessen. Die auf dem achtspurigen Lenin-Prospekt vorbeirasenden Autofahrer scheinen von so viel eleganter Dynamik zusaetzlich angespornt, ihren beisitzenden Freundinnen die PS-Kraft ihrer neuen deutschen Luxuskarosse zu demonstrieren. Und so schiesst in dieser Stadt zunaechst alles dahin. Alles ist Tempo, denn Zeit ist Geld und Erfolg und das ist es, was in diesem neuen Russland zaehlt. Am Strassenrand fliegen internationale Popgroessen wie Lara Fabian, Mylene Farmer und die Toten Hosen vorbei, die zwischen Elektrofirmen, Softdrinks und Babywindeln ihre anstehenden Auftritte in Moskau bewerben.
Trotz vorheriger Unkenrufe verlief auch die Einreiseabfertigung am Flughafen aehnlich rasant wie unsere anschliessende Fahrt in die Innenstadt. Ehe man sich auch nur orientiern konnte, wurde man samt Gepaeck auf einen dichtgeparkten Vorplatz des Flughafens gespuelt, begleitet von laut plappernden Maennern, die ihre Taxifahrdienste anpriesen.

Moskau erlebt an diesem Sonntag einen seiner ersten Fruehlingstage. Bei 20 Grad stroemen die Moskoviter in die Strassencafes, haengen leicht beschuerzt an den oeffentlichen Brunnen, lassen sich unter freien Himmel neue Bildchen auf den Bauch taetowieren und bevoelkern voller Stolz den beruehmtesten und groessten Platz der Welt: den Roten Platz vor dem prachtvollen Kreml, dessen goldene Kuppeln wie kitschige Postkartengrusse in der Sonne leuchten. Alles ist nicht nur schneller als in anderen Stadten, alles scheint auch sehr viel groesser als man es aus Berlin und anderen europaeischen Staedten gewohnt ist.

Der Eurovision Song Contest ist an diesem Sonntag allerdings noch fern. Zwar haengen ueberall ueber den grossen Alleen, die hier Prospekt heissen, grosse bunte ESC-Transparente, aber so richtig beschaeftigt haben sich die 11 Millionen Moskoviter mit diesen Megaevent in ihrer Stadt noch nicht. Und um ueberhaupt eine Chance zu erhalten, in den naechsten Tagen und Wochen wahrgenommen zu werden, muss das russische Fernsehen so richtig klotzen. Mit Kleckern ist in dieser Stadt nichts zu holen. Daher kann die Show auch nur in einer der groessten Hallen der Welt ausgetragen werden und die zentrale Partylocation des ESC auch nur in der riesigen Ausstellungshalle direkt am Roten Platz eingerichtet werden. Noch laufen dort die Umbaumassnahmen, ab Mittwoch ist dann aber angeblich alles fertig.

Unsere Vermieterin hatte schon vom ESC in Moskau gehoert und brennt seit Tagen voller Neugierde vor allem darauf, wie sich die "Ukrainerin", die Russland in diesem Jahr repraesentiert, so verhalten wird. Wird sie den russischen Beitrag tatsaechlich zur Haelfte auf Ukrainisch singen? Sie findet das ziemlich empoerend und sieht darin schlicht einen Verrat an der russischen Kultur. In ihren Augen nur ein weiterer Schritt des Niedergangs. Ich habe ihr dann ersteinmal nicht erzaehlt, dass unser deutscher Beitrag vollstaendig in Englisch gesungen wird und dass in der Vergangenheit auch so manch russischer Beitrag in der Sprache des ehemaligen Klassenfeindes praesentiert wurde. Sie haette die Teilnehmer am ESC fuer endgueltig und hoffnungslos bescheuert erklaert. Und glauben wuerde sie es ohnehin nicht. Ich werde sie vorsichtig an diese fuer sie erschuetternde Wahrheit heranfuehren muessen.

Bis morgen Euer
Frank




04.05.2009 11:08 Wolfgang Grube
Die Bühne

In der Olympiahalle steht wohl die größte Bühne der bisherigen ESC-Geschichte. Die beweglichen Video-Elemente konnten wir zwar auch schon in den vergangenen Jahren erleben, aber in diesem Jahr ist alles noch eine Dimension größer und pompöser. Der Eindruck der Bühne ist schlicht überwältigend.

(Foto: Sigi Doppler)



04.05.2009 11:03 Wolfgang Grube
Der Ort des Geschehens: die Olympiahalle

Die Olympiahalle von 1980 wurde für den ESC komplett mit Bildnissen von "Miss Russia" ein"gekleidet". Sie ist für jedes teilnehmende Land in ein anderes Outfit geschlüpft. Am Finaltag werden in dieser Halle 20.000 Menschen den ESC und seinen Interpreten zujubeln.

(Foto: Sigi Doppler)



04.05.2009 10:38 Wolfgang Grube
Live für Euch aus Moskau

Ihr Lieben, wir sind bereit für Euch! Seit gestern ist das OGAE-Germany-Team in Moskau. Nachdem wir uns halbwegs einen Überblick über die Stadt, das Pressezentrum und die Halle verschafft haben, sind wir ab jetzt live für Euch dabei. Neben der täglichen aktuellen Berichterstattung im Forum Moskau (Berichte, Fotos, Filme) wird es in diesem Jahr auch den Blog "Liebesgrüsse aus Moskau" geben. Dieser wird sich mit den kleinen Moskauer Geschichten am Rande des ESC beschäftigen. Auf dem Foto von links nach rechts: Sigi Doppler, Roland Berger, Frank Albers, Wolfgang Grube und Karl Jakob. Viel Spaß beim Lesen und Schauen. In Kürze geht's los.


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