
24. September 2023 Reinhard Ehret
„Warum es hunderttausend Sterne gibt“ hieß sein Lied beim Eurovision Song Contest 1967 in Wien. Zwar belegte Peter Horton (geboren am 19.09.1941 als Peter Müller in Feldsberg (Südmähren, heute: Valtice/Tschechien) damit nur Rang 14 (von 17 Teilnehmern), doch viele ESC-Fans mögen es bis heute als besonders schönes Chanson. In deutschen Vorentscheidungen ging er mit Eigenkompositionen (1972: „Wann kommt der Morgen“, 1975: „Am Fuß der Leiter“) ins Rennen. Seine Ausflüge in den musikalischen Eurovisionswettstreit blieben für ihn aber eher unwichtig und die Lieder eine Randerscheinung seiner imposanten Karriere. In den 70ern wurde er einem großen Publikum auch in Deutschland mit dem Dialektsong „Kartendippler-Blues“ bekannt. Es war ein lustiger Wienerisch-Englisch-Mix („I hob mei Göd valurn, I lost my money. I gift mi schwoaz vor Zurn, aba scha wia.“), den er von Gerhard Bronner als B-Seite der Polydor-Single „Wer hat den Eiffeltum geklaut“ entlieh. Weitere damals recht bekannte Lieder hießen „Lass das Haar mal in der Suppe“ und „Wenn du nichts hast als die Liebe“. 1978 startete er nicht nur seine Karriere als Gitarren-Virtuose gemeinsam mit Siegfried Schwab im Duo „Guitarissimo“, sondern auch jene als Moderator der legendären Chanson-Sendung „Café in Takt“ in der ARD. Nach einem Wechsel zum ZDF hießen die Sendungen, in denen er anspruchsvollere Schlager, nationale und internationale Chansons und viel Gitarrenmusik präsentierte, „Hortons Kleine Nachtmusik“ und „Horton’s Bistro“. Sie wurden zu großen Erfolgen bei Publikum und TV-Kritik. Vor allem seine samtweiche, aber doch markante Stimme machte seine Lieder für die meisten Zuhörer zum akustischen Hochgenuss. Mit seiner späteren Ehefrau, der Pianistin und Sängerin Slava Kantcheff, gründete er 1985 das „Duo Symphonic Fingers“. Er blieb zeitlebens einer der begehrtesten Gitarristen, Musiklehrer, Autoren und Chansonniers im deutschen Sprachraum und kritisierte zuweilen die mangelnde Unterstützung der kulturellen Szene („Kultur ist Nahrung für die Seele“), aber auch gesellschaftliche Entwicklungen wie etwa das kommunikationslose Abkapseln junger Menschen mittels Walkman & Co.
Wenige Tage nach seinem 82. Geburtstag ist Peter Horton, der an der Parkinson-Krankheit litt, nun gestorben. Es wäre 2017 beinahe zu einem Überraschungsauftritt beim OGAE-Germany-Clubtreffen gekommen, doch erhebliche gesundheitliche Probleme verhinderten dies. Peter Horton bleibt in jedem Fall eine außergewöhnliche Erscheinung in der deutschsprachigen Musik- und Fernsehgeschichte. Hört einfach mal rein in seine Musik:
Kartendippler-Blues – ESC-Auftritt von 1967 – Wann kommt der Morgen – Am Fuß der Leiter