Peter Urban hört nach dem ESC 2023 und 25 Jahren auf

22. Mrz 2023 Frank Albers

Wie der NDR mitteilte, wird der ESC 2023 nach 25 Jahren Peter Urbans letzter Eurovision Song Contest als Kommentator sein.
Der NDR wird ihn mit einer Sondersendung am 12.5. ehren.

Hier die NDR-Pressemitteilung vom 22.3. im vollen Umfang:
Peter Urban wird den ESC in diesem Jahr zum 25. Mal fr das deutsche Publikum kommentieren – und nimmt zugleich mit dem Finale am 13. Mai Abschied von dieser Aufgabe. Der 74-jhrige NDR Journalist, Radio- und TV-Moderator begleitet den grten Musikwettbewerb der Welt seit der Austragung 1997 in Dublin. 2013 verabschiedete sich Peter Urban offiziell in den Ruhestand, war aber weiterhin u. a. als Kommentator der beiden ESC-Halbfinale und des ESC-Finales ttig. Zu seinem Abschied vom ESC ehrt ihn das NDR Fernsehen am Abend vor dem Finale in Grobritannien, am 12. Mai, um 20.15 Uhr mit dem 90-mintigen Portrt “Lena, Stefan Raab und Co. – Peter Urbans 25 legendre ESC Jahre”. Darin erinnert sich Peter Urban an seine grten und bewegendsten ESC-Momente – und daran, wie er diese Augenblicke, die vielfach im kollektiven Gedchtnis der Deutschen Eingang gefunden haben, damals erlebt hat und heute sieht.

Peter Urban: “Seit 1997 habe ich erlebt, wie stark der ESC an Bedeutung, Aktualitt, Vielfalt und Qualitt gewonnen hat, habe mich bemht, den Wandel vom traditionellen Grand Prix zum weltweiten Top-Event der internationalen Musikszene den deutschen Zuschauern nahe zu bringen, mal informativ und sachlich, mal emotional und mit leiser oder lauterer Ironie. Ich hoffe, dass ich auch in den Jahren mit schwcheren deutschen Ergebnissen mit meinen Kommentaren mitgeholfen habe, das Interesse fr diese faszinierende, einzigartige Veranstaltung, die in der Welt ihres Gleichen sucht, hochzuhalten. Ich bedanke mich fr das Vertrauen und die langjhrige Treue, es war mir eine Ehre und ein groes Vergngen!”

Frank Beckmann, NDR Programmdirektor: “Ich bin ein groer Peter Urban-Fan und mchte ihm im Namen des ganzen NDR fr sein herausragendes Engagement fr den Eurovision Song Contest danken. Er kennt den Wettbewerb wie wohl kaum ein anderer. Seine Kommentare ber die Beitrge sind aufschlussreich, kenntnisreich, trocken, auf den Punkt – und Kult. Ihm gelingt es, kein Blatt vor den Mund zu nehmen und zugleich wohlwollend und respektvoll zu kommentieren. Seine Begleitung ber eine ganze Generation hinweg hat den ESC geprgt. Wir werden ihn vermissen!”

Peter Urban, 1948 in Bramsche geboren, studierte in Hamburg Anglistik und Geschichte, bevor er 1977 promovierte. Sein Thema: die Texte der anglo-amerikanischen Populrmusik. Seine Dissertation erschien unter dem Titel “Rollende Worte – Die Poesie des Rock”. Beim Norddeutschen Rundfunk in Hamburg begann er schon whrend seines Studiums zu arbeiten. Als Autor und Moderator stand er ab 1974 bei “Musik fr junge Leute” oder auch fr die legendre Sendung “Der Club” im NDR 2 Studio. Seit 1988 gehrte der im niederschsischen Quakenbrck aufgewachsene Urban zur Musikredaktion der Popwelle. Bei NDR Info verantwortete er als Redakteur auch die Sendungen “Nachtclub” und ?Nightlounge? und moderierte weiterhin Musik-Specials bei NDR 2.

Seit seinem Ruhestand 2013 ist er weiterhin auf NDR 2 (die “Peter Urban Show”) und mit seinem erfolgreichen Musik-Podcast “Urban Pop” zu hren ? und eben beim ESC. Am 14. April feiert Peter Urban seinen 75. Geburtstag. Im gleichen Monat erscheinen seine Memoiren – Erinnerungen an seinen Weg zur Musik, zum Radio und Fernsehen, an Erlebnisse wie den ersten Auftritt von Jimi Hendrix 1966, an spannende Zeiten als Musiker im Hamburger Onkel P, an seine Begegnungen mit Weltstars wie Bruce Springsteen, David Bowie, Elton John, Joni Mitchell oder Keith Richards und natrlich an die vielen Jahre beim grten Musikwettbewerb der Welt.

 

Peter Urbans persnliche ESC-Hhepunkte

 

1998 Guildo Horn in Birmingham mit einem spektakulren Auftritt, der selbst im Mutterland moderner Popmusik fr Aufsehen sorgte.

 

2000 in Stockholm – die dnischen Olsen-Brder zeigten mit einem ehrlichen schnen Liebeslied, dass es keine Kostme, Tnzer oder Feuerwerk braucht, um einen ESC Klassiker zu schaffen.

 

2003 in Riga – der berschumende Jubel der trkischen Sngerin Sertab Erener und ihrer Freundinnen. Ihr ESC Sieg war auch ein Triumph ber traditionelle Regeln.

 

2004 in Istanbul der stille, aber musikalisch brillante Auftritt Max Mutzkes und ein toller achter Platz.

 

2006 in Athen, der erste Sieg fr Finnland und mit Lordi der erste Sieg einer Hardrock-Band.

 

2010 Lenas Triumph in Oslo und danach ein denkwrdiges Interview auf der internationalen ESC-Bhne mit der Siegerin.

 

2011 in Dsseldorf, eine grandiose Erffnungsnummer mit einem trommelnden Stefan Raab, einer rockenden Anke Engelke und vierzig Lenas einschlielich der echten. Dann die sensationelle Rckkehr Italiens zum ESC mit dem jazzigen Raphael Gualazzi.

 

2012 in Baku, Loreens “Euphoria”, der perfekte ESC-Siegersong in Melodie, Groove, Performance und Dramatik.

 

2014 in Kopenhagen, neben Conchitas Triumph die intime spannende und coole Ausstrahlung der Common Linnets aus den Niederlanden.

 

2016 in Stockholm. In meiner Lieblings-Arena, dem Globen, der bewegende Auftritt von Jamala aus der Ukraine.

 

2017 in Kiew, der sensationelle und musikalisch faszinierend zarte Sieg des portugiesischen Jazzsngers Salvador Sobral.

 

2018 in Lissabon, ein groartiger vierter Platz fr Michael Schultes berhrenden Song und seine geniale Inszenierung, die auch BBC Kommentator Graham Norton stark beeindruckte.

 

2021 in Rotterdam, der Start der Weltkarriere der italienischen Rockband Maneskin und eine Top Ten, die die neue Vielfalt von ESC-Songs bezeugte.

 

Weitere Zitate von Peter Urban

 

Warum ist der ESC fr Europa wichtig?

“Ursprnglich 1956 als vlkerverbindende Manahme gegrndet, damit sich die frher verfeindeten Nationen Europas auch auf dem Gebiet der musikalischen Unterhaltung nher kamen, wurde der ESC oder Grand Prix zum grten Fernsehmusikereignis der Welt, mit ber 200 Millionen Zuschauern in ber vierzig Lndern, und er kann auch in politisch schwierigen Zeiten immer noch ein wunderbares Beispiel fr internationale Verstndigung sein, bei Knstlern, Funktionren, Fans und exemplarisch auch unter meinen Kollegen, den Kommentatoren. Das harmonische Miteinander ist kein Klischee, der ESC steht fr Offenheit, Toleranz, Verstndnis und gegenseitigen Respekt.”

 

Was verbindest Du mit dem ESC?

“Ich liebe am ESC die Spannung, den Wettbewerb, das Drama, die berraschungen, Vielfalt und Toleranz, das Verstndnis vieler Nationen untereinander, die gemeinsame Erfahrung von Spa, Emotionen, Frust oder Freude, das Zusammentreffen mit den befreundeten Kommentatoren und die gemeinsame Zeit mit unserem Team.”

 

Nicht dienstltester Kommentator

“Ich bin brigens nicht der dienstlteste ESC-Kommentator, diese Krone gebhrt dem Schweizer Jean-Marc Richard, der seit 1991 fr das franzsischsprachige Radio und TV kommentiert.”