
4. Mai 2022 Frank Albers
Marius aus der Schweiz hatte heute seine zweite Probe und seine zweite Pressekonferenz. Die Probe zeigte Marius, frisch blondiert, mit kräftigem Kajal-Lidschatten und großem Kreuz am Ohr, erneut auf einer sehr dunklen Bühne mit dunkler Lederjacke nur mit einem auf ihn gerichteten Spotlight. Später in der Pressekonferenz sagte er, dass es zwar eine dunkle Bühne ist, aber aus der Dunkelheit das Licht und die Hoffnung wächst. Das möchte er symbolisieren. Zudem wären sie noch nicht ganz fertig mit dem Lichtdesign der Bühne. Es ist ihm ohnehin sehr wichtig zu betonen, dass es sich bei „Boys Do Cry“ nicht um ein trauriges Lied handelt sondern um ein Lied, das Hoffnung bringt und gute Gefühle vermittelt. Sein Lied gibt Marius selbst beim Singen ein wohliges Gefühl von Geborgenheit, er nennt es das „Disney-Gefühl“, vor allem in dem Moment wenn ihm ein gebrochenes Herz auf die Wange projiziert wird.

Die Idee die Kamera ganz auf ihn zu fokussieren gefällt ihm ausgesprochen gut. Auf diese Weise hätte er das Gefühl, beim Zuschauer direkt ins Wohnzimmer hineinschauen zu können und bei jedem einzelnen privat zu Hause zu sein. Eine Art von Flirt nicht nur mit der Kamera, sondern direkt mit dem Zuschauer wäre es zudem natürlich auch.
In der Pressekonferenz schilderte er, wie als als Soldat bei der Schweizer Armee zur Musik gekommen ist. Wie beim Militär üblich, musste er hin und wieder lautstark Befehle erteilen. Dabei fiel seinem Vorgesetzten seine starke Stimme auf. Er überzeugte ihn dann die Stimme nicht nur zum Brüllen sondern auch zum singen einzusetzen. Das Ergebnis war, dass Marius die Armee verließ und Straßenmusiker wurde. Es blieb aber nicht beim Singen allein, sondern er begann auch zu komponieren und zu texten, auf Englisch und auf Schweizerdeutsch. Ein frühes Werk auf Schweizerdeutsch stellte er dann auch kurz auf der Pressekonferenz vor.

Marius ist aber nicht nur durch die Schweiz („ich bin ein priviligierter weißer Schweizer, habe somit keinen Grund, mich über irgendetwas zu beschweren“) und die Schweizer Armee geprägt, sondern auch durch die Zeit, die er in Australien verbracht hat. Dort hat er noch mehr zur Musik gefunden aber auch das Selbstbewusstsein entwickelt, vor Publikum aufzutreten und Livemusiker zu werden.
(Foto 1: EBU, Foto 2,3: EBU/Screenshot)