Zweite Probe und Pressekonferenz Litauen: Die vertikale Diskokugel

4. Mai 2022 Stefan Ball

Vielleicht ist der Ausfall der drehenden Sonne sogar ein Vorteil für Litauen, denn das was zu sehen ist, hat alles was es braucht.

Monika Liu steht in einem silbernen, eng anliegendem Glitzerkleid auf der dunklen Bühne und singt verträumt ihr Lied. Dabei bewegt sie sich sinnlich zum langsamen Rhythmus, während im Hintergrund Lichter aufblitzen. Das ganze verbreitet eine intime Jazzclub-Atmosphäre mit Monika als dem großen Star. Mehr braucht es nicht.

Das Kleid wurde von einer Freundin von ihr entworfen, die ebenfalls Monika heißt. Das Material stammt übrigens aus Mailand, ist also auch italienisch. Das Kleid gehört für sie zum Auftritt dazu und erinnert sie an eine vertikale Diskokugel. Während der Pressekonferenz, bei der nur eine Handvoll Pressevertreter vor Ort waren, trug sie ein gelbes Hemd mit einer blauen Ansteckschleife.

Das Lied hat einen persönlichen Hintergrund, da sie in ihrem Leben einen Verlust erlitten hat. Sie ist ein sehr sentimentaler Mensch, sie schreibt ihre Lieder aber nicht bewusst zu einem Moment, es passiert einfach und stellt die Zusammenhänge dann erst später fest.

Die Eurovisionsteilnahme hat ebenfalls einen persönlichen Hintergrund. Sie bewarb sich während einer Coronainfektion. Dabei wurde ihr bewusst, sie lebt nur einmal und sie meint jeder SängerIn sollte beim Song Contest teilnehmen, egal wie etabliert man ist.

Wichtig ist auch das Thema Sprache. Der erste rein litauisch gesungene Beitrag seit Langem ist auch etwas Werbung für diese kleine, aber feine Sprache. Viele glauben immer noch, in Litauen werde Russisch gesprochen.
Vor allem ist es aber nicht nur ihre Muttersprache, sondern auch ihre Singsprache, in der sie sich wohlfühlt. Und ganz speziell bei “Sentimentai” würde eine andere Sprache nicht funktionieren. Sie hat es etwa mit Englisch versucht, es klingt dann aber unmelodiöser. Italienisch wäre vielleicht einen Versuch wert. Aber wenn ihr jemand eine gute Übersetzung in einer anderen Sprache gibt, ist sie dafür aufgeschlossen.

Bild: Bildschirmfoto EBU

Zweite Probe und Pressekonferenz Lettland: Im Rausch der Farben

4. Mai 2022 Sigi Doppler

Dass die sechs Jungs der Gruppe Citi Zéni es beeindruckend verstehen, ein ernstes Thema fröhlich und kurzweilig zu verkaufen, wurde bei dieser Probe mehr als deutlich. Das Publikum darf sich auf eine bunte, schwungvolle und äußerst lebhafte Inszenierung freuen, die garantiert viele Freunde finden wird. Schon allein die knalligen Farben des Bühnenbildes, das andauernd durch bunte Lichter und Spots in fröhlicher Bewegung ist, versetzen den Zuschauer sofort in eine richtig gute Laune. Jeder von ihnen trägt einen schicken Anzug und jeder in einer anderen Farbe. Der Sänger trägt grün, der Gitarrist rot, der Bassist orange, der Drummer gelb, der Saxophonist weiß und der Keyboarder violett.

Auf der Videowand laufen bunte Bilder in schnellem Rhythmus rauf und runter und auf dem Bühnenboden werden abwechselnd die Worte “Hot” und “Cool” projiziert oder Früchte wie rote Kirschen und grüne Avocados. Im Mittelteil des Liedes steht der Saxophonist in einem hellen Lichtkegel, während er hingebungsvoll seinen Solopart spielt. Dann geht “Eat You Salad” wieder lustig und übersprudelnd weiter mit einer der buntesten Inszenierungen, die selbst eine ESC-Bühne bisher nur selten zeigte. Am Ende des Auftritts macht der Gitarrist im roten Anzug ein lupenreines Spagat.

Bei der anschließenden Pressekonferenz erschienen die Fünf in entsprechend guter Stimmung und zeigten sich mehr als zufrieden mit der vorangegangenen Probe, als sie sagten: Now it looks really good, we are ready for the final”. Dass sie das ernste Thema einer gesunden Ernährung in ihrem Lied so spaßig umgesetzt haben, war natürlich Absicht, denn nur so würde man erst richtig aufmerksam auf dieses wichtige Thema und somit auch auf sie. “Unser Job ist es, den Leuten ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, auch wenn es um eine ernste Sache geht”. Dass sie mit ihrem Bühnenauftritt in Turin ihren Job hundertprozentig erfüllen werden, steht außer Frage.

Fotos: EBU / Screenshots

 

Zweite Probe und Pressekonferenz Albanien: Lebhaft und schrill

4. Mai 2022 Sigi Doppler

Leider wurde die Online-Übertragung der heutigen Probe Albaniens aufgrund einer technischen Panne verhindert, so dass die per Online akkreditierten Journalisten und Fans leider nicht sehen konnten, worüber sie gerne berichten würden. Lediglich ein paar kurze Schnipsel waren zu erhaschen, bei denen man sah, dass Ronela unter einem langen aufgeknöpften Kleid einen silbernen Body trägt. Das Bühnenbild erscheint sehr lebhaft und schrill. Vier Tänzer mit nacktem Oberkörper und schwarzen Röcken umtanzen sie und stemmen sie temperamentvoll in die Höhe, während sie ihren Kopf heftig dreht, so dass ihr langer Haarzopf um ihren Kopf kreist. Schon an diesem kleinen Ausschnitt war zu erkennen, dass man offenbar eine ziemlich laszive Inszenierung präsentieren wird.

Bei der von Carolina di Domenico geleiteten Pressekonferenz erschien Ronela fast vollständig “eingepackt” in einem vollkommen zugeknöpften weißen Kleid, mit Handschuhen und einem überdimensionalen silbernen Hut mit vielen Fransen, die in ihre Stirn hingen. Außer ihren Unterarmen und ihrem Gesicht war sie vollständig “zugehängt” und ironisch gab sie zu verstehen, dass es besser wäre, das Wesentliche des Körpers zu verstecken, um die Neugier zu wecken. Augenzwinkernd ergänzte sie, dass sie sich außerdem vorgenommen habe, familienfreundlich und weniger sexy bei der offiziellen Presskonferenz zu erscheinen.

       

Über die vorangegange Probe, bei der es noch viele technische Fehler gab, zeigte sich Ronela überhaupt nicht “amused”. Andererseits ist sie davon überzeugt, dass die Aufführung umso perfekter wird, wenn bei den Proben einiges schief läuft. Mit ihr zur Pressekonferenz gekommen sind die Pressechefin Ilona, sowie ihr Choreograph, ihr Stylist und ihr Make-up Artist.

Auf die Frage, welchen Rat sie anderen Frauen geben würde, die an sich zweifeln und die unsicher sind, berichtete Ronela, dass auch sie als junges Mädchen oft gehänselt wurde. Dann hätte sie aber gemerkt, dass die anderen nur neidisch waren und dass man sich um deren dummes Geschwätz gar nicht kümmern sollte. “Erst als ich das kapiert hatte, konnte ich selbstbewusst nach vorne schauen und erfolgreich sein.” Als sie nach ihrem verstorbenen Vater gefragt wurde, hatte man den Eindruck, dass sie ein paar Tränen unterdrückt. Dann erzählte sie, dass sie ihn sehr lieb hatte, dass er ihr wichtigster Ratgeber war und dass sie auch heute noch in schwierigen Situationen überlegt, was er ihr raten würde.

Sie ist einfach happy, als Vertreterin ihres Heimatlandes beim ESC dabei zu sein, auch wenn sie nicht damit rechnet, den Sieg davonzutragen. “Die Hauptsache ist ohnehin das Dabeisein und die Tatsache, dass ich in der kurzen Zeit, seit wir hier sind, schon so viele großartige Künstler aus den verschiedensten Ländern Europas kennenlernen durfte, mit denen ich am liebsten eng zusammenarbeiten würde”. Außerdem durfte sie seit ihrem Sieg beim Festival i Kenges schon so unglaublich viel Zuneigung von Menschen erfahren, die sie noch vor wenigen Wochen überhaupt nicht kannten. Dann sagte sie noch: “Das Miteinander und die Verbundenheit so vieler Menschen aus allen möglichen Ländern Europas ist eine Garantie für den Frieden untereinander und überhaupt das Beste an der Eurovision, die wir alle so sehr lieben”. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Fotos: EBU / Screenshot

 

Technical Disorder in Turin

4. Mai 2022 Stefan Ball

Einer der bekanntesten Sätze der Eurovisionsgeschichte entschlüpfte der Moderatorin Erica Vaal des Grand Prixs 1967 in Wien “I hope our technical disorder will get in order”. Grund waren Probleme bei der ersten elektronischen ESC-Wertungstafel. 1967 war auch ein bemerkenswertes Bühnenrequisit im Einsatz: große, sich drehende Spiegel, die ungewollt die nackten Füße der Siegerin Sandy Shaw zeigten.

Auch später wurden große Drehmomente aufgebaut. 1977 saß das Pariser Orchester auf einer Art riesigem Drehteller, 1999 in Jersualem bewegten sich zwar nicht die Zeiger der Uhr, aber die eines halbrunden Strahlenkranzes und 20 Jahre zuvor an gleicher Stelle verdrehten sich große übereinandergestapelte Kreise in zweidimensionale Figuren.

Dieser Requisite aus 1979 nicht unähnlich ist auch die Bühne 2022. Nur wünschten sich die Veranstalter, dass sie Frau Vaals Satz wiederholen könnten. 1967 zeigte die Wertungstafel am Ende den richtigen Punktestand, die Turiner Bühne, die eine Sonne darstellen soll, macht aber nicht was sie soll.

Eigentlich sollten sich die einzelnen Bögen einfach drehen lassen, es ist aber wohl Sand ins Getriebe gekommen. Das hat zur Folge, dass nur die mit Lampen bestückte Seite zu sehen ist und die Rückseite, die als LED-Wand dienen sollte, nicht zu sehen ist. Da das Problem voraussichtlich auch nicht rechtzeitig behoben werden kann, wird die Bühnensonne also bei allen 40 Auftritten statisch bleiben, was einige Delegationen zu Umplanungen zwang, darunter Litauen und Dänemark. Bereits 2018 in Lissabon war zu bemerken, wie hilflos manche Kreative darauf reagieren, wenn keine LED-Wand zur Verfügung steht.

Während der Pausenprogramme und der Eröffnung soll aber noch etwas Bewegung ins Spiel kommen.

Bild: 2022 EBU, 1979 Bildschirmfoto

Buongiorno zum 5. Probentag

4. Mai 2022 Frank Albers

Ciao und Willkommen zum 5. Probentag des ESC 2022 in Turin.
Heute stehen die zweiten Einzelproben von 14 Teilnehmern aus dem ersten Halbfinale auf dem Programm. Es wird also ein langer und intensiver Tag. Erstmals werden auch die Proben öffentlich sein, so dass wir Euch auch hier nun gut unsere Eindrücke schildern können.

Auf der Bühne (ab 10 Uhr) und bei der Pressekonferenz (ab 11:10 Uhr) erleben wir heute die Teilnehmer aus
Albanien
Lettland
Litauen
Schweiz
Slowenien
Ukraine
Bulgarien
Niederlande
Moldau
Portugal
Kroatien
Dänemark
Österreich
Griechenland

Wir wünschen Euch einen kurzweiligen und spannenden Probentag,
Euer

OGAE-Team

Franks Nachtgedanken zum 4. Probentag (3. Mai)

3. Mai 2022 Frank Albers

Frank fasst den 4. Probentag vom 3. Mai zusammen

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Editor: Reinhard Ehret

Meet & Greet Schweden: Sturz auf großer Bühne

3. Mai 2022 Reinhard Ehret

Ihre Probe sei lustig gewesen, sagte Cornelia Jakobs. Sie hätte vielleicht deutlicher ihr “Hold Me Closer” rufen sollen, denn ein Sturz und ein verlorener In-Ear-Kopfhörer waren nur zwei von mehreren kleineren Pannen, die die junge Schweden aber nicht aus der Ruhe brachten. Das Gleichgewicht zu halten, macht ihr aber immer mal wieder Probleme, weshalb sie es vorzieht, barfuß auf der Bühne zu sein. War da nicht schonmal was Ähnliches 1967? Egal, denn Cornelia zeigte sich, wie die meisten, sehr fasziniert von der großen Bühne. Das Wort “amazing” fiel natürlich auch hier. Dieselbe Emotion wie beim Melodifestivalen zu erzeugen, wird die große Herausforderung sein, bekannte sie, denn dort war die Bühne kleiner und das Publikum sehr nahe. Hier sei die Distanz zu den Menschen sehr groß und sie müsse wohl viel stärker mit der Kamera kommunizieren als neulich in Stockholm. Dort zu gewinnen sei ein überwältigendes Gefühl gewesen. Und überhaupt: Auf der Bühne zu sein ist für Cornelia wie eine Therapie. Es tut ihr einfach gut herauszufinden, ob ihre Kompositionen und Intentionen die beabsichtigten Wirkungen zeigen. Und offenbar hat das mit “Hold Me Closer” funktioniert, was sich auch durch den 1. Platz im OGAE-Fanvoting manifestiert. Dieses Resultat machte sie sprachlos und sie fühlt sich sehr geehrt durch dieses tolle Kompliment der Song-Contest-Fans.

Ihre Nervosität konnte Cornelia nicht ganz verbergen – oder war das einfach nur eine Marotte, dass sie die kompletten 20 Interview-Minuten lang durch ihren blonden Haarschopf fuhr und an ihrem schwarzen Oberteil zupfte? Vielleicht wirkte aber auch noch die Emotion ihres Liedes nach. Immerhin hat sie es in einer für sie sehr schwierigen Trennungsphase geschrieben und ihr Innerstes darin verewigt. Dass ihr eine absolute Favoritenrolle zukommt, irritiert sie nicht, denn sie hat eigentlich schon erreicht, was ihr wichtig ist: Cornelia will ganz bei sich sein und den Menschen ihre Kunst präsentieren. Und da dies gut angekommen sei, gebe es nun nichts zu verlieren. Ihre erst kurz zurückliegende Covid-Erkrankung habe auch ihr Gutes gehabt, meinte sie: Einerseits legte sie eine Zwangspause ein, andererseits kann sie nun in der nächsten Zeit – hoffentlich – von einer gewissen Immunität ausgehen. Vielleicht macht sie das nun sogar noch stärker als zuvor.

Foto oben: EBU – Foto unten: EBU/Screenshot

Meet & Greet Tschechien: Happy Birthday DomDom!

3. Mai 2022 Wolfgang Grube

Das Meet & Greet stand ganz im Zeichen des heutigen Geburtstages von Domenika, die ihre beiden Bandkollegen liebevoll DomDom nennen. Die drei kamen gut gelaunt von ihrer ersten Bühnenprobe und sind bis auf ein paar noch zu korrigierende Details sehr zufrieden. Benjamin (Keyboard) ist das erste Mal in Italien, Casper (Gitarre) ist schon einmal in Mailand aufgetreten und Domenika war schon in Italien Skifahren. Kennen- und schätzengelernt haben sich die drei in England auf dem Leeds College of Music, wo sie gemeinsam studiert haben. Die beiden Jungs haben damals Domenika bei ihrer Gesangsprüfung mit ihren Instrumenten begleitet und eine Band gegründet. Hierfür entstand der Interimsbandname Domi. Erst im letzten Herbst, nachdem sie lange nach einem anderen Bandnamen gesucht haben, ist dann “We are Domi” entstanden. Der Titel “Lights off” ist in einem Songwriting-Camp entstanden. Sie haben sich ganz kurzfristig dafür entschieden, daran teilzunehmen – auf Anregung des tschechischen Head of Delegation. Zum Glück, denn gleich am ersten Tag entstand das Grundgerüst für “Lights off”. Dass dieser Song aber ihre Fahrkarte nach Turin werden würde, hatten sie damals noch überhaupt nicht auf dem Schirm. Denn als Domenika den Anruf des Endergebnisses des Online-Votings erhielt, dachte sie zunächst an einen ganz anderen Titel, der wohl einige “nicht familientaugliche” Worte enthielt und sie sich zunächst fragte, wie sie wohl den Text anpassen könnte.

Dass sich die drei sehr gut verstehen, macht nicht nur das Miteinander-Umgehen beim Meet & Greet deutlich, sondern auch, dass sie die Lock-downs erst in England, dann in Tschechien gemeinsam verbracht haben und in dieser Zeit sehr produktiv waren. Besonders Spass gemacht hat die Produktion des Musikvideos zu “Lights off”, das ein Freund von Domenika von einer Filmhochschule gemacht hat. Beim Drehbuch und den Aufnahmen konnten sie ihrer Kreativität von dystopischen Geschichte bis hin zur Botschaft “Zeig’ Deine Emotionen” freien Lauf lassen konnten.

Die Interaktion mit den Fans ist Domenika sehr wichtig und sie nimmt sich jeden Tag die Zeit, alle Anfragen selbst zu beantworten. Manchmal hinterläßt sie sogar Voice-Nachrichten.

Casper, der schon immer ein Faible für das Cello und Gitarre hatte, hat einfach beides Miteiander verknüpft. Er hat auf seiner Gitarre Cellosaiten aufgespannt und spielt sie mit dem Cellobogen. Es hat scheinbar ziemlich lange gedauert, bis er den Bogen raus hatte.

Zum Abschluß des Interviews gab es dann eine echte Geburtstagsüberraschung für Domenika: auf einer Videowand wurden ihr Grußbotschaften von Freund*innen gezeigt und sie war sichtlich gerührt. Unter den Gratulant*innen waren auch Ronela Hajati und Sheldon Riley.

Fotos: 1,4 EBU / 2,3 Screenshots Meet & Greet

Meet & Greet Belgien: Der leidenschaftliche Teamplayer

3. Mai 2022 Sigi Doppler

Dass der junge Belgier Jérémie Markiese ein hundertprozentiger Teamplayer ist, merkte man ihm vom ersten Moment an, als er mit seinen vier Begleitern die Bühne zum Meet & Greet betrat. Nachdem der Moderator Mario Acampa ihn sehr herzlich begrüßte, legte er offenkundig großen Wert auf die Tatsache, dass er nicht alleine, sondern mit seinem Bühnenteam erschienen war. Überhaupt freue er sich so sehr zum ersten Mal in seinem Leben in Italien zu sein und mit seinem Superteam die tolle Stadt Turin Stück für Stück erkunden zu dürfen, wenn ihnen die Proben, Pressekonferenzen, Auftritte und TV-Verpflichtungen dafür mal etwas Zeit lassen.

 

Mario, der erfahren hatte, dass Jérémie vor ein paar Tagen noch an einer Infektion litt, die auf seine Stimme schlug, erkundigte sich nach seinem momentanen Befinden. “Ich hab tatsächlich in der letzten Zeit zuviel gesungen und deswegen hatte ich plötzlich keine Stimme mehr”, verriet Jérémie und fügte gleich hinzu “Aber jetzt ist alles wieder gut.” Überhaupt sei momentan alles perfekt, es gäbe keine Probleme und selten zuvor sei er so wunschlos glücklich gewesen, wie gerade jetzt.

Natürlich wurde Jérémie, der nicht nur ein toller Sänger, sondern auch ein erfolgreicher Torwart beim belgischen Zweitliga-Fußballverein Royal Excelsior Vorton ist, gefragt, welche seiner beiden Leidenschaften ihm mehr bedeutet: Fußball oder Musik? Beides, so antworte er, liebt er gleichermaßen und hier so wie dort muss man immer zu hundert Prozent Leistung bringen. Momentan müsse er sich daher hundertprozentig auf seinen Auftritt beim Eurovision Songcontest konzentrieren und darum sei der Fussball jetzt vorübergehend in den Hintergrund gerückt. Wenn aber der ESC vorbei ist, wird er sich ganz bestimmt wieder in seinem Verein beim Fußballspielen voll und ganz einbringen. Auf die Frage, wen er für den größeren Fußballer hält, Messi oder Ronaldo, antwortete er ganz diplomatisch: “Messi’s Talent ist von Gott gegeben und Ronaldo hat sich alles hart erarbeitet. Aber beide spielen gleichzeitig auf dem höchsten Level, das man erreichen kann.” Als er nach Michael Jackson gefragt wurde und danach, ob dieser ein Vorbild für ihn sei, sagte Jérémie, dass er tatsächlich in der Zeit, als dieser seinen Superhit “Thriller” sang, richtig Angst vor ihm hatte. Aber später erkannte er mehr und mehr, welch ein einzigartiger Künstler, Sänger und Tänzer M.J. war und seitdem bewunderte und liebte er diesen großen Musiker, der viel zu früh verstarb.

Eine weitere Frage drehte sich um sein Studium der Geologie, das er vor einiger Zeit begonnen, aber aufgrund seines intensiven Einsatzes beim Fußball und der Musik wieder abgebrochen hatte. Darauf antwortete er: “Wahrscheinlich werde ich dieses Studium wieder aufnehmen, wenn es meine Zeit zulässt, denn ich liebe die Welt und die Natur und alles, was damit zusammenhängt.” Da er als Kind schon regelmäßig in Kirchen auftrat und in einem Kirchenchor sang, wurde er gefragt, ob er religiös ist und was Gott für ihn bedeutet. Daraufhin wurde er sehr still und sagte: Ja, ich bin ein gläubiger Christ. Gott bedeutet mir alles, er ist der Mittelpunkt meines Lebens. Vor jedem Fußballspiel und jedem Auftritt, den ich habe, bete ich zu ihm und er hat mir immer die Kraft geschenkt, die ich brauchte.”

Zum Schluss dieses emotionalen Gespräches bat Jérémie Mario seinen vier Begleitern, die mit ihm zum Meet & Greet gekommen waren, die Gelegenheit zu geben, sich kurz vorzustellen, was dieser natürlich gerne tat. Nacheinander sagten sie ihre Vornamen ins Mikrophon und dann traten sie zu Jérémie, umarmten ihn und begleiteten ihn tänzerisch, während er leidenschaftlich Teile seines ESC-Beitrags “Miss You” zum Besten gab.

Fotos: EBU / Screenshot

Meet & Greet Montenegro: Comeback mit einer charismatischen Sängerin

3. Mai 2022 Karl Jakob

Nach einer kleinen Pause vom ESC meldet sich Montenegro mit der charismatischen Sängerin Vladana im Wettbewerb zurück. Sicherlich eine gute Wahl, denn Vladana Vucinic ist verantwortlich für den Text von “Breathe” und im Team mit dem Komponisten Darko Dimitrov, der schon mehrfach für Serbien und Nordmazedonien beim ESC als Komponist tätig war, schuf sie die passende Musik zu dieser Balkanballade.

Sichtlich erleichtert und zufrieden war sie nach der ersten Probe, denn alles war anders als sie es sich vorgestellt hatte und mit leuchtenden Augen schwärmte die Sängerin mit dem markanten Lippenpiercing von der riesigen Bühne, auf der sie sich sehr wohl fühlt und vor allem war sie von dem großartigen Sound begeistert.

Nicht nur für Montenegro ist es ein Comeback beim ESC, auch für sie persönlich ist es nach Jahren musikalischer Abstinenz eine Riesenchance wieder in der Musikbranche Fuß zu fassen. Vladana kann bereits auf eine erfolgreiche Karriere als Sängerin zurückblicken jedoch zog sich die studierte Journalistin vor Jahren ganz vom Showgeschäft zurück und gründete erfolgreich ein Online Modemagazin. Sie liebt avantgardistische Mode und besonders ihr blaues Auftrittskleid. Auch die Outfits von Sheldon Riley (Australien) und Achille Laura (San Marino) haben es ihr angetan.

Die Zeilen zu ihrem Song “Breathe” sind ihr zwei Tage nach dem Tod ihrer geliebten Mutter, die an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben ist, spontan eingefallen und sie widmet ihr und allen Menschen, die durch dieses schreckliche Virus einen geliebten Menschen verloren haben, dieses Lied.

Mittlerweile hat Vladana “Breathe” in verschiedenen Sprachen aufgenommen und es macht sie stolz , dass ihr Lied sogar in den Radiostationen der Türkei gespielt wird. Die größte Herausforderung war für sie jedoch die finnische Version zu der Freunde aus Finnland den Text beigesteuert haben. Der Wunsch von Laura Carusino wurde erfüllt und Vladana sang mit ihrer angenehmen Stimme a capella einen kleinen Teil ihres Songs in finnisch.

Als Glücksbringer trägt sie immer etwas von ihrer Mutter bei sich und dies gibt ihr Sicherheit und Gelassenheit die drei Minuten ihres Auftrittes von Herzen zu genießen.

Das Motto ” The Sound of Beauty” bedeutet für sie alle Geräusche unserer Natur, wie das Zwitschern der Vögel, den Wind und das Rauschen des Meeres und nicht zu vergessen auch das Atmen in der freier Natur.

Fotos: EBU / Screenshot