
13. Mai 2021 Frank Albers
Rafals zweite Probe lief, wie bereits die erste Probe am Montag, sehr routiniert und professionell. Aber sein sehr radiotauglicher und gefälliger Popschlager reißt die Beobachter hier im Pressezentrum immer noch nicht wirklich vom Hocker, gerade weil er vielleicht etwas kalt rüberkommt, auch wenn dies durch den 80’s-Neonstyle ja genau beabsichtigt ist. Man fragt sich eher, was an anderen spannenden Musikstilen die Partymetropole Warschau, für die mit den dominanten „Warzawa“-Schriftzügen auf der LED-Wand geworben wird, noch so zu bieten haben könnte.

Andrerseits ist es Rafal anzusehen, dass er für seinen Auftritt brennt und sein „The Ride“ mit voller Leidenschaft auf die Bühne bringt. Aber vielleicht interpretiert es das von Joakim Örvenius, Thomas Karlsson, Clara Rubensson und Johan Mauritzson geschriebene Lied am Ende doch zu gewollt cool, so dass es auf den Zuschauer arrogant wirkt.
„The Ride“ ist eines dieser Lieder, wie es jede Saison im Wettbewerb dabei ist, über das eigentlich nichts negatives zu sagen ist aber das sich durchgehend unterhalb des Warnehmungsradars bewegt. Solide produziert, guter Sänger, routiniertes Staging aber am Charisma fehlt es.

Bei der anschließenden Pressekonferenz konnte Rafal Brzozowski seine Moderatoren-Qualitäten voll ausspielen, eloquent und selbstbewusst manövrierte er durch die 20 Minuten, und ließ sich auch durch die doch recht übersichtliche Zahl an Besuchern nicht irritieren. Er berichtete von seiner Karriere als Ringer, aber da es zum ganz großen Erfolg nicht reichte, beschloss er als Bühnenkünstler zu Ruhm zu kommen. Was ihm, wie er glaubt, besser gelang als als Sportler.
Zudem sprach er recht ausführlich über die Gesangstechnik bei „The Ride“ und wieviel Konzentration es ihn kostet Atmen, Singen und das präzise Einhalten der Schritte in Einklang zu halten. Zudem bewundert er seine Tänzer, die während der Proben bei drei Durchläufen direkt hintereinander extrem gefordert sind. Ein Tänzer sagte dann auch, dass er nach der Probe fix und fertig gewesen sei.

Fotos: EBU und Frank Albers (PK)